Dune_Avalon_Hill Zwar sind die Sechzigerjahre längst vorbei, da aber derzeit anscheinend jeder Mensch, auch wenn ihm nur das Verdienst zufällt, damals studiert zu haben, seine nichtige Meinung dazu öffentlich kundtun muss, habe auch ich etwas zu sagen, ohne damals schon studiert, geschweige denn überhaupt gelebt zu haben: Endlich ist mein Nachbau von Avalon Hills legendärem, längst vergriffenem Brettspiel Dune aus dem Jahre 1979 fertig. Mit den Sechzigern hat das nur insofern etwas zu tun, weil es auf Frank Herberts Science-Fiction-Epos Der Wüstenplanet basiert, das wohl ein sogenanntes Kultbuch der 68er gewesen sein soll. Kann das mal jemand demnächst öffentlich bestätigen? Ein guter Roman ist es allemal, auch wenn ich irgendwann im vierten Band zu lesen aufgehört habe.

Eine Heidenarbeit, dieses Brettspiel, meine Güte! Das ging nicht so einfach wie Twilight Struggle (Bastelstunden-Bericht hier). Ganz schön viel Geschnipsel und Laminieren. Aber nette Menschen haben im Dune-Eintrag auf boardgamegeek.com sämtliche Materialien, die es braucht, bereitgestellt, man muss sich nur das Richtige zusammensuchen. Hilfreich war da auch noch ein Podcast über Dune eines Menschen, der auf seinem Blog Print and Play Spiele bespricht, die man sich basteln kann und darf.

Natürlich geht es um die Vorherrschaft auf dem Wüstenplaneten. Bis zu sechs Parteien kämpfen um die “Melange”, um das Spice, das auf dem Planeten wächst und den Antrieb der Raumschiffe ermöglicht. The spice must flow, heißt es, sonst geht alles kaputt. Mir erscheint besonders interessant, dass jede Partei unterschiedliche Fähigkeiten mitbringt und deshalb jeweils vollkommen eigene Spielstrategien verfolgen muss. Die Spieler müssen Regionen des Planeten besetzen, dort das Spice abbauen und hoffen, dass weder Wüstensturm noch Riesen-Sandwürmer ihre Truppen vernichten und die Ernteerträge wegpusten bzw. aufessen. Unter gewissen Bedingungen dürfen Allianzen geschmiedet werden, am oder abseits des Spieltisches, an die es sich zu halten gilt, bis wieder ein sogenannter Nexus eintritt und neu verhandelt werden darf. Das Spiel scheint mir eine äußerst spannende Mischung zu bieten aus Strategie, Taktik und Diplomatie. Bin sehr gespannt auf die erste Proberunde. Die User-Besprechungen auf boardgamegeek sind größtenteils schwer begeistert und außerdem hat sich eine meiner Lieblingskapellen Giant Sand ursprünglich nach diesen Riesen-Sandwürmern benannt, bis irgendwann der -worms am Ende des Bandnamens wegfiel. Scheint ein Wahnsinnspiel zu sein. Muss ich bald man wieder David Lynchs Verfilmung anschauen. So zur Einstimmung. Zu Ende lesen werde ich diesen Schinken in diesem Leben nicht mehr. Bin ja kein 68er.

Zu diesem Eintrag gibt es 3 Kommentare.

  1. max
    23 Feb 08
    18:55

    toller perspektiven-effekt beim bildklick!

  2. Olaf
    08 Mai 11
    22:03

    Dune hat wirklich nicht das Geringste mit den 68ern zu tun, Gott sei Dank nicht. Dune kam viel später und kursierte in der eingefleischten Fantasy Rollenspielerszene (Pen and Paper), aus der sich das heutige LARP entwickelt hat. Die waren eher unpolitisch und wenn politisch, dann eher konservativ in ihren Ansichten, starke Affinität zu Fantasy, Science-Fiction und teilweise zur nordischen Mystik. Andere Spiele aus der Zeit waren Merchant of Venus oder Britannia. Filme natürlich Dune, Conan der Barbar oder Highlander (teilweise Star Trek) und als Geheimtip der Zeichentrickfilm Heavy Metal.

  3. Super Brettspiel.
    Auf boardgameggeek gibt es eine reiche Auswahl an Spielmaterial in diversen Designs. (Auch auf Deutsch)

    Hier gibt es eine alternative deutsche Spielregel:

    http://www.dunespiel.de

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