Außenkorrespondent Max, ich fühle mich kulturell unsicher und verstehe die Schweizer nicht. Sag mal, ihr habt doch in Zürich eines der beiden Minarette, die in der Schweiz existieren? Ist das schlimm? Fühlst du dich dadurch unterworfen? So kulturell, meine ich.
Das sowas durchaus möglich sein könnte, lese ich gerade in einem Text auf telepolis:

… Tatsächlich können hohe Türme ohne Schwierigkeiten als Symbole einer kulturellen Unterwerfung wahrgenommen werden …

Also, wenn das stimmt und man in den sicherlich riesigen und dunklen Schatten dieser doch, wie ich finde, sehr eleganten Bauten vor Angst um die eigene Identität bibbern und zittern muss, dann hätte ich vielleicht den Hauch einer Idee, warum man eine Volksinitiative “Gegen den Bau von Minaretten” braucht, die in die Verfassung schlicht und einfach schreiben will: “Der Bau von Minaretten ist verboten.” Ursprünglich sollten allerdings noch andere Aspekte in die Initiative miteinbezogen werden, die jetzt lieber weg gelassen werden, wie ich es in der Basler Zeitung gerade lese:

So hatte das Komitee im letzten November mitgeteilt, das Begehren solle sicherstellen, dass Zwangsehen, Anpassungen persönlicher Rachejustiz, Nicht-Anerkennung des staatlichen Gewaltmonopols sowie geschlechtsungleiche Auslegung der Schulpflicht von allem Anfang an unterbunden würden.

Jetzt bin ich restlos verwirrt und verstehe überhaupt nichts mehr. Bekommt man bei euch leichter Stimmen gegen Bauwerke als z.B. gegen Zwangsehen oder Racheaktionen? Langsam keimt in mir ein Verdacht: Sollte es bei euch auch, wie derzeit fast überall in Europa, nur darum gehen, so einfach und billig wie möglich, anti-muslimische Stimmungen zu erzeugen, um dann später auch noch unter Ausnutzung dieser somit erzeugten Antipathie gegen den Islam die Sicherheitsgesetze anpassen zu können? Richtig geraten?

Naja, es geht mich ja eigentlich nichts an, womit man in der Schweiz seine Zeit verplempert. Jeder vor seiner Tür … Aber ich mache mir halt Sorgen, dass man am Ende vor lauter reaktionärem Unsinn Wichtiges vergisst. Deshalb die Frage, lieber Max: Sind die Stadien denn schon alle fertig und auch tatsächlich tauglich für die EM?

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.

  1. Max
    11 Mai 07
    18:39

    hallo karl
    im kanton zh warn auch letztens wahlen, für die die “schweizer demokraten” unglaublich platte broschüren verteilten. darin bedrohliche fotomontagen von minaretten am zürcher grossmünster und offen ausländerfeindliche texte. eben genau die klare historische linie von erst minarett, dann scharia.
    aber so sind sie hier, und bei aller abscheu den inhalten gegenüber find ichs doch auch wieder erfreulich, wie unbelastet und offen sich auch ein bundesrat blocher äussern kann – da gibts einfach weniger missverständnisse, und man weiss schnell, auf welcher seite jemand steht.
    oder einfach mal die weltwoche lesen, oft so klar rechts (wie deine geliebte deutsche nationalzeitung), aber eben doch ganz im schoss der normalität, ein ganz normales schweizer blatt.
    zu deiner frage: nein, ich fühle mich nicht unterdrückt, aber minarette kenne ich auch nur aus der zeitung (und wahlbroschüren). je nu, ich versteh diese hysterien gar nicht, find sie fast paranoid. die schweizer sind einfach in unscharfer sorge um ihr sauberes land in einer gefühlten tradition, dabei ist ihr wirklich erstaunlich hoher ausländeranteil sowas von unstressig im alltag, ganz anders als in zb berlin.
    immerhin sind sie den deutschen gegenüber genau so offen xenophob wie allen anderen.

  2. Max
    11 Mai 07
    18:55

    des weiteren: der stadienbau schreitet voran, das zürcher sieht wirklich sehr schön aus und bettet sich bescheiden in die stadt ein. und die ganzen wehrpflichtigen machen in ihren sommerlichen kriegskursen vorbereitungsübungen für die EM.

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