Bürokratie

So oder ähnlich großspurig würde ich titeln, wäre ich Redakteur einer Boulevard-Zeitung. Es gibt nämlich in der Satzung über die Benutzung der städtischen öffentlichen Grünanlagen (Grünanlagensatzung) vom 12. August 1991 unter der Überschrift Verhalten in den Grünanlagen Folgendes im §2 Artikel 3.8 zu lesen

(2) In den Grünanlagen ist den Benutzern insbesondere untersagt:

8. das Errichten, Aufstellen, Anbringen und Lagern von Gegenständen, insbesondere das Aufstellen von Zelten und Wohnwagen, sowie das Nächtigen in Grünanlagen;

Jetzt nehme man seine ganze Fantasie zusammen und lasse insbesondere das Insbesondere vom Insbesonderen dieses Abschnittes weg, das sowieso nur Juristen schreiben, geschweige denn denken können, und schließe daraus: Das Aufstellen von Fußball-Toren (Gegenständen) für den Freizeit-Kick im Park ist untersagt. Seit mindestens 1991. Es hat bisher nur niemanden interessiert, weder Behörden noch Polizei. Seit Jahren wird im Westpark, im Bavaria-Park oder im Englischen Garten anstandslos auf mitgebrachte Tore Fußball gespielt und man fragt sich schon, warum das auf einmal nicht mehr geht. Auf einmal fahren Stadt-Angestellte an regnerischen Herbst-Sonntagen durch Münchens menschenleere Grünanlagen und meinen, man solle auf Rucksäcke spielen. Tore seien jetzt verboten. Man achte auf die Einhaltung dieses Verbots. Ob dahinter eine krude Variante einer behördlichen Broken-Windows-Theorie steht oder ob sich brave Bürger in letzter Zeit im großen Stil beschwert haben, sei mal dahin gestellt. Klar ist nach dieser Auslegung doch eigentlich, dass Volleyball, Badminton, Crocket, ja sogar dieses neuerdings so beliebte Slacklinen im Park nicht mehr betrieben werden dürften. Oder begreife ich da etwas grundsätzlich nicht? Um zu überreißen, was das für das Aufstellen von Sonnenschirmen bedeutet, fehlt mir jegliches bürokratisch-juristische Gespür und irgendwie auch der Wille zur Polemik. Ich nehme an, da würde dann mit dem gesunden Menschenverstand argumentiert. Mein gesunder Menschenverstand sagt zu der ganzen Sache eigentlich sowieso nur: Mittelfinger. Ja, wo samma denn?

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.

  1. uris
    17 Okt 09
    18:58

    Es ist halt vielleicht so, dass das mit dem Tore aufstellen so ähnlich ist wie mit dem Sandburgen bauen: erfreulicher sind der Strand/die Wiese, wenn sie für alle da sind und nicht so abgeclaimt. Die “Besitzergreifung des Rasen” gilt zwar in München seit den frühen 70er Jahren als Tugend, hat seinen Ursprung aber darin, dass man damals durchsetzen konnte, dass Grünflächen endlich betreten und freizügig genutzt werden durften. Heute geht halt nix mehr ohne Equipment und Gerümpel, da bleibt dann auch gerne was zurück usw. Manchmal halt etwas über das eigene Spielfeld hinausschauen!

  2. Slu
    19 Okt 09
    22:04

    Bei Westend United bleibt nüscht zurück, außer leuchtenden Kinderaugen und anerkennend tuschelnden Pensionisten, wäre da nicht dieser Bratarsch gewesen, der seiner Flamme zeigen wollte, was er für einer ist, nachdem ein strammer Schuss vom Hinrichie (oder wars der Dani) letzten Sommer in die Nähe der Beiden segelte. Und dessen Vetter kennt wahrscheinlich einen bei der Stadt…

  • Musste auch gesagt werden

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