Herr Magris feierte letzthin seinen 70. Geburtstag, was Anlass für zahlreiche freundliche Artikel gab. Und darüber Grund für mich, sein vor Jahren beiseitegelegtes Werk “Donau – Biographie eines Flusses” wieder hervorzuziehen und ein Lesezeichen bei 400 oder so zu finden. Ganz ganz fein, und nach langem endlich wieder gefesselt!
So sauber gebaut und gedacht, eine kulturgeschichtliche Unternehmung von Donaueschingen bis ans Schwarze Meer. Eben komm ich zum Kapitel Götter und Pfannkuchen, will kurz untypisch Flottes zitieren (über Bukarest):

Der franko-balkanische Stil wird grober und ornamentaler, gibt der Verführung des Dekorativen ebenso nach wie dem horror vacui; die Balkone und die schmiedeeisernen Verzierungen der den Pariser Gebäuden nachempfundenen Fassaden betonen Kurven und verschlungene Schnörkel, der Klassizismus ist massiver, der Ekklektizismus markanter und schwerfälliger, gekünstelte Säulen und Kapitelle, heitere Kuppeln in einem mittelmässigen Art Déco. Der Jugendstil stellt viel Gold und Armut zur Schau, ergeht sich in bemalten Glasfenstern und verfallenen Freitreppen. In dem Jugendstil-Atrium der Casa de Mode drängen sich Zigeuner, während unweit davon die Marktstände in Lipscani übelriechende Süssigkeiten und Büstenhalter anbieten, die vor kurzem benutzt zu sein scheinen.

Lesen bei offenem Fenster, Frühling, grossartig.

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