Im Theorieregal stehen sowieso immer zu wenige Bücher, auch wenn ein Drittel ungelesen und in zweiter Reihe auf seine Zeit wartet. Will immer gern die anregenden Weltdeuter verschlingen, bis sie sich dann doch als zu schwer oder ärgerlich fürs Erreichen der letzten Seite herausstellen. Oder nicht mal richtig begonnen werden, was weiss ich warum.

Nichtsdestotrotz müssen dann wieder neue her, irgendwo hat sie jemand gut besprochen, irgendwer hat sie mir empfohlen, und bis vor einer Weile gabs noch die Geschmacksproben im Theorieseminar. Oder ich laufe beim Berlinbesuch ins pro qm und stosse auf den besten denkbaren Titel mit dem besten denkbaren Rückentext.

ueberwachung

Auf dem Rücken findet sich die charmanteste Kombination zweier Zitate zum irgendwie gleichen Zustand, aus einem Abstand von 70 Jahren Walter Benjamin und Wolfgang Bosbach.
Ganz mein Fall, von allem scheint was dabei: Bildbegriff, politische Entwicklungen der westlichen Welt und die Auflösung der klassischen Öffentlichkeit. Bürgerrechte angesichts staatlicher “Terrorismus!”-Argumentationen, das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft. Toll, toll, toll, denk ich mir, und auch noch so aktuell, grad erst ists erschienen.
Beim Lesen jedoch wächst in mir der Ärger; zwar freu ich mich über eine Fülle an Daten und Fakten, aber Stil und Argumentation enttäuschen auf ganzer Linie. Schon nach der Einleitung mit einem schwachen Bild startet das erste Kapitel mit einer Sentenz für die Ewigkeit: “Videoüberwachung blickt zwar von oben herab, fällt aber nicht vom Himmel.” Oh weh.
Schwammig drechselt Dietmar Kammerer sich dann weiter, wechselt Begriffe mitten in der Argumentation aus und zieht ab und an einen hanebüchen Schluss. Am schönsten, wenn er von der Tatsache, dass ein Überwacher vor zu vielen Monitoren den Überblick verliert, auf das “irritierende Paradoxon” schliesst, “weniger Kameras bedeut[et]en bessere Prävention”. Dass hier nur schon eine Aufstockung des Personals eine grössere Überwachungsleistung ermöglichte, passt ihm nicht in sein gelegentlich zu pointenfreudiges Vorgehen.

Schade schade, aber fertiglesen werd ich trotzdem, Theorie lässt sich einfach besser stückeln als ein Roman. Rein für die bedeutsame Thematik, die oftmals überraschenden Untersuchungsergebnisse und Zitate, die tausend Quellen möcht ich das Buch schon empfehlen, allein die Form macht es mir a bissl schwer.

Zu diesem Eintrag gibt es 6 Kommentare.

  1. H. G.
    10 Feb 09
    05:48

    Lathe biooßas!

  2. Slu
    10 Feb 09
    10:31

    Lustige Uhrzeit für nen Kommentar, Hänsn. Schade, dass ich ihn nicht verstehe.

  3. karl
    10 Feb 09
    11:48

    Vielleicht hat der Hänsn eine neue Bewusstseinsstufe erreicht …

  4. nosn
    10 Feb 09
    12:12

    na, verschrieben
    lathe biosas – lebe verborgen

  5. Max
    10 Feb 09
    12:49

    wollte mir wohl mal wieder den unterschied zwischen omikron und omega nahebringen…

  6. Hansn
    10 Feb 09
    14:05

    00 ihr Nosnbohrer

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