photo-0464Gestern war ich auf dem besten Konzert seit sehr, sehr langer Zeit. Es war ein Jazz-Gig, wo ich irgendwie gerade öfters bin, als bei Pop oder Rock. Saxophonist Donny McCaslin hat in der Unterfahrt mit seinem Trio zwei Sets abgeliefert, die wirklich ungeheuerlich waren. Gut, ich saß ein Meter von der Bühne weg und dann ist in so einem kleinem Club der Sound halt quasi unverstärkt und einfach nur phänomenal. Und wenn man dann wie ich nur gelegentlich solche intime Jazzclubatmosphäre schnuppert, dann ist das jedes Mal echt erfrischend. McCaslin spielt einen harten Ton und muss in seinem Trio nur mit Bass und Schlagzeug quasi permanent ins Limit gehen. Kein Begleitklavier sorgt da für schöne Harmonien. Nach den Dinosauriern Sonny Rollins, Wayne Shorter und Co. zählt McCaslin mittlerweile zu den besten Saxophonisten, die zu hören sind. Scott Colley am Bass und Antonio Sanchez am Schlagzeug sind in der gleichen Liga. Zusammen hat das dann genau die pulsierende Energie, die wohl nur der Jazz hinbekommt. Eine CD hab’ ich mir natürlich auch gekauft, aber bis jetzt weigere ich mich, die Eindrücke von gestern mit irgendeinem Sound zu vermengen.

Im Video-Netz gibt’s leider nur eine große McCaslin-Gruppe, wo immerhin auch Colleys engagierter Bass-Stil zu bewundern ist. So ab Minute 4:20 geht das los, was McCaslin gestern zweieinhalb Stunden geboten hat. (Im gleichen schicken Hemd, was auf meinem Action-Foto nicht ganz zu erkennen ist) Leider bearbeitet Adam Cruz die Drums längst nicht so überraschend wie Sanchez. An der Trompete ist Dave Douglas, den ich lustigerweise letzten Freitag im Studio 1 des Bayerischen Rundfunks mit der HR-Bigband gesehen hab’, was auch ein schönes Konzert war. Aber derartig konzentrierte Kraft wie gestern in der Unterfahrt hab’ ich selten erlebt.

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