Vielleicht kennt ihr Thomas Heise, den deutschen Dokumentarfilmer? Vor ein paar Jahren sah ich in Halle im verdienstvollen LaBim-Kino sein STAU – Stand der Dinge über, nun ja: Halle. Halle-Neustadt. Ein Hammer an Hoffnung und Verzweiflung des Kleinbürgertums; den Blick des Vaters, als er erfährt, dass sein neues Einfamilienglück im Flutgebiet der Saale steht, werde ich wohl nie vergessen.

Jetzt unterbricht das Xenix meine letzten Diplombemühungen mit einer Werkschau. Gestern zeigten sie seinen ersten und einzigen Film aus dem Studium an der HFF Babelsberg (Wozu denn über diese Leute einen Film?, 1980) sowie eine Perle aus seiner Tauchzeit an der staatlichen Filmstelle (Das Haus, 1984/2001).

In ersterem besucht er zwei kleinkriminelle Brüder aus Prenzlauer Berg bei Ihrer Mutter, immer beim Kaffee am Wohnzimmertischchen vor dem Kohleofen. Da nuscheln sich zwei Jungs durch ihre halbstolzen Erzählungen vom Einbruch in die Kaufhalle, verraten eher aus Versehen noch den Mittäter, sind so dermassen glaubwürdig in ihrer stillen Asozialität, ihrem echten Outlaw-Sein… und die Mutter immer am Vermitteln, Beschwichtigen. Umwerfend, einfach umwerfend.
Zwischenhalt am Wasserturm, wo auf dem Hügel die Jugend des Kiezes steht und raucht und unheimlich schön aussieht, im Parka, mit Frisuren wie auch heut wieder. Einer hält einen Kassettenspieler, es läuft Dylans Subterranean Homesick Blues, und das passt so gut in dieses graue Ostberlin, dass es beinahe weh tut.
Kneipengespräch mit dem Typ, der die neuesten Westplatten hat, “Maid in Tschäppn von Deep Purple, wollt ihr das…?” – “Hammwa schon”.

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