Ich mag es ja wirklich, wenn ich beim Lesen noch etwas lerne. Ich wage sogar zu behaupten, ich lese oft genug genau zu diesem Zweck. Und manchmal wird man tatsächlich eiskalt erwischt von einem Schauer der Erkenntnis. Vollkommen überwältigt hat mich Folgendes und wieder bin ich der netzeitung.de sehr dankbar, dass sie mir einmal mehr geholfen hat beim Verstehen dieser undurchschaubaren Welt:
sibylle_weiss_es.jpg
Quelle: netzeitung.de

Naiv wie ich bin, dachte ich bisher immer, es gehe um Liebe auf diesen Messen und um Erotik mit Samt und Kerzen und Schaumbad und so. Und dass es einen Zusammenhang zwischen Sex und Geldvermehrung gibt, war zumindest für mich so neu, dass man ruhig “Topnews” oder – ganz im Stile von Spiegel Online – “Eilmeldung” darüber schreiben hätte können.

Sibylle Berg, die ich eigentlich immer recht gerne lese, schreibt jetzt regelmäßig in der Readers Edition eine Kolumne namens Bergbriefe. In besagter Sex-Sells-Kolumne über die Schweizer Extasia 04 weiß sie aber gar nicht so viel Neues. Die meisten Gäste seien Männer und peinlich, die Frauen sähen so aus, wie es sich die Peinlichen wünschten. Und überhaupt erscheint der Autorin das Menschsein, von einer Erotikmesse aus betrachtet, eher übel und traurig. Naja, wird sie schon recht haben – oder gehabt haben. Wirklich aktuell scheinen diese Kolumnen in der Readers Edition nämlich nicht zu sein. Wie ich in einer einschlägigen Schweizer Boulevard-Zeitung recherchieren konnte, war die Extasia 04 tatsächlich 2004. Dieses Jahr gibt es die Extasia 07. Soweit die “Kulturnews”.

Würd ja nix machen bei guten Texten, deshalb fällt mir hier noch ein älterer ein zum Thema: “Shuttle-Bus von Sodom nach Gomorra”. Stephan Maus hat den mal für die SZ geschrieben. Lesen kann man ihn hier auf der Homepage des Autors. Er schrieb damals über die Venus 2003. Ich glaube fast – nein, nach nochmaligem Lesen bin ich mir eigentlich sicher: Es ging wohl bereits 2003 ums Geld auf diesen Erotikmessen. Vielleicht gehe ich mal selber hin, um die allerletzten Zweifel auszuräumen.

Nachtrag um 15.40 Uhr, weil Super-Idee: Ich werde dann auch einen Text über Erotikmessen schreiben, weil heutzutage ja alles ganz anders sein könnte. Vorher kann man sowas ja nicht wissen! Aber ich weiß schon vorher, wie ich den Text nennen werde. Achtung, jetzt kommt’s! Tata! “Sex sells 2.0″ Absoluter Wahnsinn, oder? Sage da noch einer, er verstünde mehr vom Zeitgeist als ich …

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Zu diesem Eintrag gibt es 4 Kommentare.

  1. katrin
    12 Jun 07
    15:15

    ich würde ja – eilmeldung! – frech behaupten: die nz hat den text auf die hauptseite gehoben, weil er bei der readers edition so tolle klickzahlen hatte. was natürlich allein an dem neuigkeitsfaktor der botschaft liegt…

  2. katrin
    12 Jun 07
    17:02

    ich auch nachtrag. mittlerweile liegt mit auch ein eindeutiger beweis für meine these vor, aber ich habe natürlich wieder keinen blassen schimmer, wie man einen screenshot in die kommentare packt. deswegen selber suchen: hier klicken, dann nach unten scrollen bis zur rubrik “meistgelesene artikel”. womit die pointe natürlich versaut ist. aber immerhin der bildbeweis erbracht…

  3. katrin
    12 Jun 07
    17:06

    und karl: kannst du den text nicht sofort schreiben? ich meine: die inhalte sind ja eigentlich klar, und das bisschen andere worte ist für dich doch kein problem. weil: so eine quote kriegen wir nie wieder!

  4. karl
    12 Jun 07
    18:40

    Für katrins beweisführung :) Keine Sorge, Bilder gingen bisher nicht.

    So steht es in der readers edition, hier und jetzt:

    meistgelesen.gif

    Faszinierend, dass sich “Sex sells” so gut verkauft wie Sex selber.

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