Weil die Filme jetzt auch ins Kino kommen, hier mal mein Rückblick auf das Münchner Filmfest vor ein paar Wochen, bei dem es für mich einen ganz klaren Gewinner gab: den Genrefilm. Wo die deutschen Filme als Komödien-Western-Medien-Romanzen-Mutanten ziemlich abgesoffen sind, haben mir gerade die klassischen Geschichten am besten gefallen:

Science-Fiction: „Moon“
Duncan Jones, Sohn von David Bowie, geht hier mit quasi nur einem Schauspieler dem existentiellen Problem der Einzigartigkeit und des Alleinseins des Menschen auf den Grund. So etwas war ja bei der Science-Fiction schon immer am besten aufgehoben. Sam Rockwell als Astronaut spielt sich selbst an die Wand und endlich gibt es mal wieder diese reine, verstörende Sci-Fi, die ohne all die Monster auskommt, die seit „Aliens“ diesem Genre fast den Gar ausgemacht haben. Zuletzt hab‘ ich mich da etwa über Danny Boyles „Sunshine“ sehr geärgert.

Kriegsfilm: „The Hurt Locker / Tödliches Kommando“
Kathryn Bigelows Film über die Bombenentschärfer im Irak ist absolut brachial, machomäßig und actionlastig. Auch wenn manche Duelle wie ein Western wirken, ist es doch ein Film der durch und durch die irren Wesenszüge des Kriegs auslotet. Er vermittelt präzise die Gefühle der Soldaten zwischen auswegloser Angespanntheit und kindlicher Ausgelassenheit. Die schicksalhafte Verdammnis zu ihrem Job war für mich das vielleicht stärkste Motiv dieses tatsächlich überwältigenden Films.

Coming-of-Age: „Adventureland“
Greg Mottolas Geschichte des Jungen James, der sich sein Geld fürs Studium in einem Abenteuerpark verdient und dort in vielen Episoden Freundschaft, Liebe und einiges dazwischen kennenlernt. Im Gegensatz zu anderen „Indie-Perlen“ oder „Festival-Hits“ wie der neue „Lymelife“ oder der ältere „Juno“ braucht dieser Film keinen skurrilen Aufhänger, sondern konzentriert sich ganz einfach auf den Sommer 1987 und seine Hauptfigur(en). Da gibt es einige magische Momente zwischen James und seinen Kumpels oder zwischen ihm und seinem Mädchen zu belachen und beweinen. Ich muss zugeben, dass allein der Score von Yo La Tengo und die Songs von Falco bis Hüsker Dü mich parteiisch gemacht haben.

Gangsterfilm: „Public Enemies“
Michael Mann hat einen Film gemacht, dessen einzige Schwäche es wohl ist, dass er nur ein Gangsterfilm ist. Mann und der endlich mal wieder supersmarte Johnny Depp zeigen John Dillinger als ein einen edlen Bankräuber, der einen Coup nach dem nächsten durchzieht, sich ein hübsches Mädchen anlacht und am Ende doch nicht entkommen kann. Keinerlei psychologische Entwicklung, weder bei Dillinger noch in seiner Beziehung zur Freundin oder zu seinem Jäger gibt es. Es ist ein glasklarer Krimi, bei dem man sich den Verlauf jeder Szene zwar denken kann, die Auflösung wegen der eindringlichen Bilder, des fantastischen Tons und des erzählerischen Niveaus mir aber immer wieder den Atem geraubt hat. Dank Michael Manns neuer Vorliebe für HD-Filmkameras geht der Film außerdem näher ran an die Kostüm-Gangster, als man es jemals im Kino gesehen hat. Und Depp vs. Bale ist derzeit wohl kaum zu überbieten.

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