Ein kurzer Blick zu den Nachbarn: Bei der holländischen BigBrotherAward-Verleihung ging der Preis in der Kategorie “Personen” gleich an jeden Bürger, der sich mit dem schalsten aller Argumente einen feuchten Dreck darum schert, was aus seiner Privatsphäre wird. Dass dieser Klassiker der Ignoranz überhaupt als noch Argument bezeichnet wird, macht einen eh wundern. “Ich habe ja nichts zu verbergen.” Eine gute Gelegenheit nochmals auf einen interessanten Aufsatz mit dem Titel ‘I’ve Got Nothing to Hide’ and Other Misunderstandings of Privacy’ hinzuweisen, der genau dieses Geseier zerpflückt. Darüber wurde bereits vor ein paar Wochen gepostet, hier auf dem Blog deines Vertrauens. So weit, so schlimm.

Schlimmer geht’s aber immer noch und deshalb gleich wörtlich aus dem heise.de-Artikel, der über die Preisverleihung berichtet.

Unter den Publikumsvorschlägen gewann das Elektronisch Kinddosier, eine Datenbank mit den Angaben zu 3,8 Millionen Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 0 und 19 Jahren. Die von dem niederländischen Familienministerium angelegte Datenbank soll die schulische Laufbahn und die gesundheitliche Entwicklung der Kinder verfolgen und aufzeichnen. Auch die Daten der Erziehungsberechtigten sollen Eingang in die Datenbank finden. Die Jury kritisierte nicht nur die umfassende Datensammlung, sondern auch die Tatsache, dass die Kinderdaten 15 Jahre lang gespeichert bleiben, wenn aus dem Kind längst ein mündiger Erwachsener geworden ist.

Und dazu habe ich wirklich nichts mehr zu sagen. Doch! Ich bin mir sicher, dass nach 15 Jahren die Daten gelöscht werden. Ganz sicher.

Und weil der Magen sich langsam hebt: Wer noch nicht am Kotzen ist, der darf bei futurezone.orf.at weiterlesen: Der Weg zum Geheimdienststaat. Dort geht es um zwei interne Papiere des European Telecom Standards Institute (ETSI) zur Normierung und technischen Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung von 2006, also um die Überwachung der Telekommunikation. Auch aus diesem Artikel einen kurzen Abschnitt wörtlich:

Es handelt sich dabei um die technische Standardisierung von Data-Mining in den Verkehrsdaten aller Telefonieteilnehmer. Das bedeutet: In naher Zukunft können normierte Vollsuchen samt dem Einsatz von “Wildcards” über den gesamten Datenbestand von Telekommunikationsverkehrsdaten gefahren werden. (Hervorhebungen von mir)

Und genau das soll doch – hoch und heilig – nie passieren, hört man aus der Politik gurren und schnurren. Kein Generalverdacht. Aber es ist ja auch nur die Überlegung, wie man so etwas technisch umsetzen könnte. Bei futurezone kann man lesen, wer da alles seine Finger im Spiel hat und sich weiterhangeln zu den besagten Papieren und sich die technischen Details reintun.

Wie spät ist es eigentlich? Fünf vor zwölf.

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