Ich tu´s selten, aber heute war es mal wieder so weit: halb neun bis halb sechs Uhr arbeiten im Baadercafé. Da wusste ich dann wieder, warum ich das so gerne tue: Die wahre Welt ist eben doch viel spannender als die des Schreibtischs. Und das ging so:

Für zehn Uhr waren 16 Leute angesagt, und zwar unter dem Namen “Sonnengruppe”. Gegen viertel nach zehn – bislang war noch keiner davon erschienen – klingelte das Telefon, eine sympathische Frauenstimme fragte nach der “Sonnengruppe”, erzählte, dass sie sich leider verspäte, ich wechselte ein paar Worte mit der Frau, fast plauderten wir schon. Dabei erfuhr ich, dass die Mitglieder aus ganz Bayern anreisen würden. Aber auch nicht mehr.

Am Morgen hatte ich noch gedacht: “Sind bestimmt so Esos”, denn bei denen ist das Baadercafé aus welchen Gründen auch immer recht beliebt. Nachdem die ersten beiden Mitglieder gegen halb elf erschienen waren, musste ich umdenken, denn die sahen überhaupt nicht nach Esos aus: stilvoll gekleidet, mit sichtlich Wert aufs Makeup, 35 vielleicht, eine hatte einen osteuropäischen Akzent. Vielleicht (eine weitere Namensassoziation) eine Gruppe von Angehörigen von behinderten Kindern?

Nicht lange danach erschienen weitere, allesamt Frauen, fragten mal nach dem Tisch für die “Sonnengruppe”, mal nach dem für die “Sonnenscheingruppe”. Dass sie einander (wenigstens teilweise) noch nie zuvor gesehen hatten, war unschwer zu erkennen.

Am Ende waren´s sieben, und ich – die ich dank langjähriger Gastroerfahrung darin eigentlich ganz geübt bin – hatte noch immer keinen blassen Schimmer, was das für eine Gruppe sein könnte. Was ich sonst mitbekam – zwischendurch reichten sie einander Fotos von sich, und einmal gingen vier von ihnen gleichzeitig auf die Toilette, wofür sie sich wirklich drängeln mussten, denn die Damentoilette im Baader hat einen echt winzigen Vorraum – half mir leider überhaupt nicht weiter.

Na, Idee?

Ich wäre jedenfalls niemals drauf gekommen. Ein Gast, der am Nebentisch der Gruppe saß und die Gespräche mitbekam, löste das Rätsel schließlich: Die Sonnen(schein)gruppe ist eine Gruppe von Frauen, die sich die Brüste haben operieren lassen (daher der Gang auf die Toilette: Da wurde begutachtet).

Jetzt frage ich mich: Ist das nun ein Zeichen von Emanzipation oder eher dessen Gegenteil?
(Schuld daran ist auf jeden Fall das Internet.)

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