Kann nur empfehlen, sich „Ein Prophet“ von Jacques Audiard anzuschauen, so lange er noch in den Kinos läuft. Endlich mal wieder ein richtig trockener Gangsterfilm. Und ein stimmungsvoller Gefängnisfilm noch dazu. Mit tollen Schauspielern, besonders natürlich dieser Tahar Rahim, der als ein arabischer Niemand im Knast eingeliefert wird und sich tief ins Ganovenbusiness hineinarbeitet. Eine Traumebene gibt dem Film eine poetische Note, die aber niemals nervt. Da ich gerade auch die starke Camorra-Zustandsbeschreibung „Gomorrha“ auf DVD wiedergesehen habe und vier Folgen vor dem Ende der wohl realistischsten Cop-Serie „The Wire“ – über die hier schon mal geschwärmt wurde – stehe, spannt sich das Thema des organisierten Verbrechens bei mir gerade über den ganzen Globus. Und es ist erschreckend, wie sich die fantastisch recherchierten Meisterwerke „Gomorrha“ und „The Wire“ und damit die Systeme der Drogenkriminalität in Neapels Betonsilos von Scampia und Baltimores Eastside- und Westsidecorners ähneln: die Drogenumschlagsplätze, die Gruppendynamik in der Pusher-Szene und vor allem die Macht der Kids. Denn wenn in „The Wire“ ab der dritten Staffel der eiskalte Marlo Stanfield immer mehr die Fäden zieht, dann fragt man sich zuerst schon, warum denn niemand diesem Mittzwanziger-Lümmel mal die Ohren langzieht. Die Antwort gibt „Gomorrha“-Autor Roberto Saviano im interessanten Interview auf der Doppel-DVD des Films: „Die alten Verbrecher gibt es nur im Film. In Wirklichkeit sind die Bosse jung. 90 Prozent der Opfer der organisierten Kriminalität sind unter 30 Jahren.“ So ist dann auch das grandios augenzwinkernde Ende von „Ein Prophet“ wieder absolut realistisch.

Hier noch der Trailer von “Ein Prophet”:

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