Wie Nadja letztens ganz zurecht fragte: was ist aus unserem Pynchon-Sommer geworden?
Schon lange müht sich meine Konzentrationsfähigkeit angesichts dicker Bücher, irgendwie schaffen es nur noch Katalogtexte und Zeitungen vor meine Augen und in mein Hirn. Und dann lese ich auch noch von Behauptungen, unsere ganze Kultur sei von diesem Phänomen und dem Internet bedroht.
Nein, es muss am Alter liegen; früher™ verbrachte ich noch ganze Tage lesend im Bett, heute habe ich während der Lektüre ununterdrückbare Hintergedanken zu Karriere, Dasein und dem nächsten Termin im Kopf. Und immer auch die Literaturkritik und den Überblick (der war mir damals ziemlich schnurz) mitlaufen.
Ein die Realität ausblendendes Lesen findet nicht mehr statt.
So habe ich nun zwar genüssliche Stunden auf einer sonnigen Terrasse des Urlaubs meiner Wahl verbracht, den Pynchon auf den Knien und voller Aufmerksamkeit die Schicksale darin verfolgend – aber wirklich weit gekommen bin ich nicht. Als hätte ich mich bereits damit abgefunden, die 1596 Seiten niemals zu schaffen; und so bleibt die Lektüre eine unvollständige.
Es ist aber schon eine Freude, nur flüchtig und unverbindlich in dieses scheinbare Karl-May-Kolorit einzutauchen, um sich erheitert und angeregt dann wieder anderem zuzuwenden. Wie ein an Bezügen reiches Gespräch oder ein Hineinschalten in ein Radio-Feature wie die Lange Nacht, das mir nicht als einzelnes Werk, sondern eher als der rechte Hintergrund für politische Gedanken und kleine Hirnfreuden erscheint.
Herr Pynchon bekommt also meine Bewunderung, aber nicht mehr die Hingabe aus den Lesezeiten der Enden der Parabel.

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