1981 funktionierte die Dada-Methode des Aus dem Zusammenhang reißen, in den Zusammenhang schmeißen noch als Subversion. Die Hamburger Band “Palais Schaumburg” veröffentlichte eine Neufassung des Liedes „Wir bauen eine Stadt“ von Paul Hindemith. Diese Version transportierte mit ihren funkigen, zerrissenen Trompeten gleich zweierlei: Den Anschluss an die Avantgarde der 20er Jahre und den Schulterschluss mit dem britischen Postpunk und dessen Abgrenzung gegenüber dem weißen Punk über den Rückgriff auf den schwarzen Funk.

Was das Auftreten anging, gab es in den frühen Achtzigern wohl wenige deutsche Bands, die so stilbildend gewirkt haben wie “Palais Schaumburg”. Noch im nachhinein ergötzt sich ein gewisser Ronald Pohl im österreichischen Standard an ihrem Dresscode: „Die Alster-Jungs tragen nicht nur Steirer-Janker – sondern Bundfaltenhosen. Slipper mit Bommeln oben drauf. Die Weltrevolution war kurze Zeit im Cottage zuhause!“

Mit dem Janker probte der deutsche Pop den Aufstand der Zeichen. Er ist in seiner Unzweckmäßigkeit eigentlich nur mit dem amerikanischen „Zoot Suit“ aus den frühen Tagen des Jazz zu vergleichen. War der Zoot Suit viel zu groß, war die Trachtenjacke viel zu warm für den Bühnenauftritt. Ursprünglich aus dem südlichen Deutschland oder Österreich stammend, signalisierte sie etwas, das mit dem urbanen New Wave nichts zu tun hatte: Anständige Kleidung im Kontext ländlicher sozialer Hierarchien.

Die Verpflanzung des Jankers zeigt: Die Popästhetik der frühen Achtziger war gleichzeitig de- und reterritorialisierend, um mit Gilles Deleuze zu sprechen. Die Fluchtlinie Pop deterritorialisierte die Volkstümlichkeit, allerdings nicht ohne wieder auf von Deleuze als dem Prozess inhärent beschriebenen „faschistischen Versteinerungen“ zu treffen, denn stilistisch waren das Hakenkreuz auf der Lederjacke der Punks und der Steirer Janker nicht so weit auseinander wie man es gern gehabt hätte. Genauer: Während die Punks mit dem platten Nazis kokettierten, versuchte es der Pop mit dem Stil der konservativen Revolutionäre der Zwischenkriegszeit. Thomas Meinecke erinnert sich in „Pop seit 1964“ daran, dass man sich in den frühen Achtzigern einen „Tonfall“ anerziehen musste, der nichts mehr mit dem Innerlichkeitsduktus der 70er Jahre“ zu tun hatte und dass dieser neue Tonfall nicht selten dem alten Tonfall Ernst Jüngers glich. Die Pop-Ästhetik der 80er konnte nicht links sein, da das ja gerade das ästhetische Modell war, von dem man sich absetzen musste. Nicht selten – und hier liegt die Schizophrenie der Selbstpositionierung des Popmusikdiskurses – war sie dem Anschein nach rechts. Der elitäre Gestus, mit dem sich die jungen 80er Jahre Popisten die „Dümmsten“ (Meinecke) vom Leibe hielt, war einfach nicht dazu angetan, den Arbeiter zu mobilisieren.

Die von Thomas Meinecke einerseits beschriebenen, andererseits von ihm selbst und Diedrich Diederichsen leidenschaftlich vorangetriebenen Bemühungen, sich von der Generation der großen Brüder und Schwestern abzusetzen, zeigt den unbedingten Wunsch nach Distinktion und Elite, der in den Achtzigern sowohl den Inhalt, als auch die Form anging. Die Methode, die anderen zu diskreditieren, war die sophistication.

Als ein „endloses, garstiges Spiel der Selbstpositionierung der bürgerlichen Mittelklasse, bei dem mit hohen Einsätzen gespielt wird“, beschreibt der amerikanische Literaturwissenschaftler Joseph Litvak die sophistication. Angewandt auf die Popmusikkultur der frühen 80er Jahre kann man sagen: Mann (in diesem Fall kann man wirklich von einer ausgesprochen männlich geprägten Deutungselite reden) ging an die Arbeit.

Abgesehen von der eigenen Positionierung, die eben genau durch die von Martin Büsser angemerkte Rigidität in der Verwerfung praktiziert wurde, stand natürlich die desophistication der Dümmsten an oberster Stelle. Das „soziopolitische“ Moment der frühen in Spex praktizierten Kritik, in der das „ästhetisch als verbraucht Empfundene auch als politisch verbraucht“ eingestuft wurde, wandte sich zuallererst gegen die Hippieästhetik und die Politik der Hippies. Das Anti-Authentische der frühen Pop-Ästhetik, ihre Selbstreflexion und die berühmt-berüchtigte „Affirmation“ als kulturpolitische Strategie sind Reaktionen auf einen Reiz, den man nicht mehr ertrug.

Forward ever backward never lautete 1991 der Spruch der Technojünger. Damit kappten sie die Seile, die die Popmusikkultur der 80er noch mit dem Mutterschiff Dada und Avantgarde verband und fuhren hinaus aufs offene Meer. Jetzt galt nur noch: Neu und weit wegführend musste der Pop sein. Die Ästhetik des Berliner Techno der Neunziger war die Besetzung der maroden Berliner Mitte durch den Sound. Die TAZ, die temporäre autonome Zone nach Hakim Bay wurde zu dem Ideal. Das sophisticatete Moment der technoiden Ästhetik war der Wunsche, der Instrumentalisierung durch Musik durch den deterritorialisierenden Sound entgegenzuwirken: Das Subjekt an sich galt als überholt. Die poplinke Philosophie ging von Baudrillard und Lyotard vollkommen auf Deleuze/Guattari über.

Das Label “Mille Plateaux”, benannt nach dem Buch von Gilles Deleuze und Felix Guattari, Gruppen wie „Oval“ und ihre Interpretationen der Deleuzschen Denkfiguren wie des „Ritornells“ wurden zur Blaupause dessen, was sich der poplinke Intellektuelle in den frühen Neunzigern unter Zukunft und poplinker Ästhetik vorstellte.

Doch der Deterritorialsierung folgte wie immer die Reterritorialisierung. Die hörte in den Neunzigern auf einen Namen: Hamburger Schule. Mit Jochen Distelmeyer und seiner Band Blumfeld kam das leidende Subjekt mit solcher Gewalt zurück in die deutsche Popmusiklandschaft, dass man schon sagen muss: Eigentlich hat die Hamburger Schule die sophistication der deutschen Musiklandschaft auf ihrem Gewissen.

Das mag auf den ersten Blick absurd klinge, waren es doch genau diese Hamburger Bands, Blumfeld, Tocotronic, Die Sterne, Tomte etc, die den Diskurspop ins Leben riefen – aber der Diskurspop hat eben mit Deterritorialisierung und sophistication nichts mehr gemein. Und wenn man diese beiden Begriffe als die Basis eine poplinken Ästhetik ansieht – einer Ästhetik, nicht eines Diskurses – dann muss man sagen: Die Hamburger Schule hat diese poplinke Ästhetik nie gehabt.

2001 tritt Jochen Distelmeyer bei „Top oft the Pops“ auf. Ein Jahr später haben Kettcar mit An den Landungsbrücken raus einen Hit – die Grenze zwischen Indie- und Deutschrock wird durchlässig. Die Vorgruppe wird zum Moter der Evolution der Hamburger Schule. Tocotronic, die Vorgruppe von Blumfeld, Tomte, die Vorgruppe von Tocotronic, Kettcar, die Vorgruppe von Tomte: Die Tautologie wird zum identitätsstiftenden Moment und damit sind die Hamburger Bands nach Boris Groys die besten Repräsentanten verlorener Subjektivität im Zeitalter der Globalisierung.

Das jugendliche Subjekt, das sich zu verorten sucht, wird zum Grundthema des deutschen Indie. Deutschrock hat ein lange Tradition in Deutschland, die vielleicht etwas mit links sein zu tun hat –Rio Reiser – aber garantiert nichts mir Pop. Insofern hat Maurice Summen schon recht, wenn er sagt, der Indierock hätte die Poplinke verstört. Ende 2008 kann man darüber hinaus erkennen, dass auch Roger Behrens vollkommen recht hat, wenn er sagt, dass die Poplinke „letztlich sang- und klanglos dahin verschwunden ist, wo sie eigentlich immer schon hinwollte: in den Konformismus deutscher Normalität.“ Die Solo-Alben von Bernadette La Hengst (Prenzlauerberg-Deutschrock), Frank Spilker (Sozialdemokratischer Liedermacherpop) die Alben von Kettcar (Schwarz-Grüne-Larmoyanz) zeigen das nur allzu deutlich.

Newcomern wie der Hamburger Teenie-Band 1000Robota traut man die poplinke Ästhetik, die sie so süß demonstrieren, einfach noch nicht zu. Für die Neo-Schnösel und ihrer Coverversion von „Wir Bauen eine Stadt“ gilt erst einmal: gefakete poplinke Ästhetik. Und „Ja Panik“, die mit der großen Klappe aus Wien: Sophistication und Deterritorialisierung Fehlanzeige. Stattdessen viel Bauchgefühl und hin und wieder ein nackter Arsch.

Der Einbruch war also die Hamburger Schule – gleichzeitig kann man natürlich sagen, dass eine poplinke Ästhetik auch eine Korrelation in der Wirklichkeit braucht. Hip Hop war in den Neunzigern so interessant, weil er der Sound einer Minderheit war – etwas ähnliches kann man über feministische Bands wie Le Tigre sagen. Im neuen Jahrtausend wäre es aber an der Zeit gewesen für die deutsche Poplinke, sich für die Minderheiten in ihrer eigenen Gesellschaft zu kümmern und das heißt in diesem Fall: Aggro Berlin statt Hamburger Schule.

Dazu waren sich die bürgerlichen Diskurs-Popper allerdings zu schade. Besonders aus München und seitens der SZ kam vermehrt die Ansage: Das ist uns zu prollig. Hier muss man schlicht noch einmal reüssieren, was Behrens im Zusammenhang mit der Birmingham School und den frühen britischen Cultural Studies geschrieben hat: Wenn man sich nicht mit denen kurzschließt, die eine Veränderung der Verhältnisse fordern – und sei es im rüdesten Ton – dann fehlt dem Pop das Linke.

2011 ist Deutschland endlich ein Einwanderungsland geworden, mit allem was dazu gehört. Wie in Frankreich repräsentieren Bands mit Migrationshintergrund die deutsche Nation im Ausland und beim Fußball. Pop ist sehr leicht geworden, Diedrich Diederichsen nach St. Louis ausgewandert, der einzige, der den Namen Popkritiker noch mit Stolz trägt, ist Dieter Bohlen.


Zum Weiterlesen:

Martin Büsser: Einfach durchwinken, Jungle World 44/2008
Roger Behrens: Drei Anmerkungen zur Poplinken – Maxiversion, www.rogerbehrens.net
Maurice Summen: Die utopische Idee, vom Zeilengeld leben zu können, Jungle World 48/2008

Zu diesem Eintrag gibt es 14 Kommentare.

  1. Max
    09 Dez 08
    00:30

    Ohhh, so viel Text.
    Lese ich morgen.

  2. karl
    09 Dez 08
    12:40

    Oder übermorgen :)
    Nein, kommt noch was von mir.

  3. Max
    09 Dez 08
    19:07

    Ganz bescheiden werd ich immer, wenn ich solche Texte lese.
    Einen Erkenntnisgewinn finde ich schon, aber nur auf dem Niveau, das ich beim subjektiven Welt-Erleben auch anwende, nämlich im konsequenten Selberdeuten des Vorgefundenen.
    Und bei derartiger Diskurs-Verwortung des Pop-Alltags komm ich als Nicht-Deleuze-Leser leider nicht zu ausreichender Argumentationssicherheit.

  4. nadja
    10 Dez 08
    10:29

    @Max:”Diskurs-Verwortung des Pop-Alltags” ist gut ausgedrückt. “Gegenargumente” trifft es nicht, hier hab ich mich schlecht ausgedrückt. “Gegendarstellung” wäre besser gewesen. Und die dürfte dir als Technoexperte doch nicht schwerfallen. Es geht ja nur um zwei Dinge: Um die Vision einer poetischen Revolution, übertragen auf die Musik. Und um die Frage: Funktioniert das?

  5. Max
    10 Dez 08
    13:09

    Einer der wenigen bleibenden Sätze meines früheren Fotografie-Professors: Fehler der Form sind immer auch Fehler des Inhalts.
    Revolutionen brauchen doch wohl eine Masse, und deren Mobilisierung braucht doch wohl einen kleinsten gemeinsamen Nenner – und mit diesem ist immer auch schnell die Poesie kaputt.
    Und schon macht die Revolution keine Freude mehr. Ausser als Vision.

  6. nadja
    10 Dez 08
    13:57

    Da magst du schon richtig liegen – und der Spruch deines Professors gefällt mir ausgezeichnet. Vielleicht ist es so, dass der Stil schon eine gewisse Erkenntnis transportieren kann und auch muss – und bei den Indiepopplatten dieses Jahres ich ja genau das ankreide, also kein Stil, keine Erkenntnis, allerdings die durch den Stil gewonnene Erkenntnis eben auch wieder nur in die Sackgasse der Tat führt. Was willst du denn, du bist doch schon drin, auch ohne Deleuze.

  7. karl
    10 Dez 08
    18:47

    Stihl? Machen die nicht Motorsägen?
    Ich hör schon auf, hihi.

  8. nadja
    11 Dez 08
    10:39

    Sag mal, die Motorsägensache hast du doch schon mal gebracht? Steht die bei dir im Flur?

  9. karl
    11 Dez 08
    16:04

    Ja, hab ich schon mal gebracht. Fällt mir irgendwie immer sofort ein bei Debatten über Stil. Sorry. Ist Blödsinn. PS: Hab nur ein Taschenmesser von denen.

  10. nadja
    11 Dez 08
    18:44

    Ich würde so gerne hier einen Track verlinken: Main Concept, Bohéme feat. Eißfeld &Denyo.

  11. karl
    12 Dez 08
    10:49

    Blödes iTunes. Hab ich mir also gleich die ganze Main Concept-Platte gekauft, weil ich es immer nicht ertrage, nur einen einzelnen Song zu kaufen. Netter Song, muss ich schon grinsen, wenn Eißfeld so ein Zeug erzählt, aber mal ehrlich, von mir aus kann er sich seine T-Shirts sonstwo hinstecken. Als stillos empfinde ich nämlich, den eigenen, acho so guten Stil zu preisen. Stil wird doch irgendwie erst zum Stil durch Understatement und nicht durch die Erwähnung von Steve McQueen. Wahrscheinlich hat er nen kleinen Pimmel :)

    Wenn ich übrigens ein wenig über das von dir oben geschilderte Phänomen nachdenke, fällt mir spontan ein Interview mit Thomas Meinecke und seiner Tochter (oder war es ein Sohn?) ein, in dem sie erzählten, sie würden zu großen Teilen die gleiche Musik hören. Wenn ich mir vorstelle, mein Vater hätte mir Scheiben von Hardcore-Kapellen unter den Weihnachtsbaum gelegt, hätte ich wahrscheinlich angefangen, auf Konzerte von schottischen Dudelsack-Pfeifern zu gehen anstatt zu den Spermbirds. Pop ist alt geworden, keine Versprechungen mehr an die Jugend. Alle hören alles, ich ja auch, und mein Sohnemann wird mich kaum mehr erschrecken können in 15 Jahren, befürchte ich.

    Der ganze Einheitsbrei hat, glaub ich, angefangen mit Nirvana und Grunge, was ja, neben Robbie Williams, der größte Konsens in der Pop-Geschichte war, den ich in meinem Leben erlebt habe. Maurice Summen hat, glaub ich, Recht, wenn er meint, dass das Aufkommen des Begriffs Indierock das Schlimmste für die Poplinke war. Sagt ja kaum was anderes als: Weiß ich nimmer weiter, packe ich es halt unter Indie. Lustig übrigens, dass zumindest im Hardcore lange das größte Verbrechen war, bei einem Major-Label zu unterschreiben. Man war Indie, weil man bei einem Independent-Label war. Später war man dann Indie, nur weil man halt ein bisschen auf der Gitarre geschraddelt hat, egal, ob man den eigenen Arsch an Sony oder BGM verkauft hatte oder nicht. Produktionsbedingungen und -mittel interessierten auf einmal nicht mehr. Der Markt re-territorialisiert. Da kann man nix machen, solange der Markt das Wichtigste ist. Keine Label-Netzwerke und Fanzines mehr. Auch da hat Maurice Summen Recht, keine Utopie mehr, von Zeilengeld leben zu können

    Stil kann man sich nämlich sehr wohl kaufen, wenn man es so formuliert, wie es Eißfeld in “Boheme” macht. Stil ist sehr wohl eine Motorsäge, alles wird gleich, am Ende stehen halt ein paar Stümpfe im ehemals bunten Wald. Hauptsache, der Stil war gut. Ich finde es absolut nicht richtig, dass ein Inhalt per se falsch sein muss, wenn der Stil nicht passt. Das ist mir, ehrlich gesagt, zu einfach und zu blöd. Wenn die Form das Wichtigste wird, ist es doch immer schon vorbei. Keiner weiß mehr weiter, also muss man sich mit Verfeinerung beschäftigen. Die Popkritik ist da schon selber schuld. Wenn man erstmal in den getäfelten Hallen der Elite sitzt, braucht es schon eine Rechtfertigung, wenn man Jahre lang Wasser statt Wein gepredigt hat. Man wäre ja schön blöd, würde man weiterhin so etwas wie Do it Yourself, Marktunabhängigkeit oder Living on The Edge propagieren. Da ist Oasis schon besser. Pissen wir halt im Hilton ins Waschbecken, voll stilvoll, der Hotelangestellt macht es schon wieder sauber.

    Ach ja, Techno, guter Stil. Ist es nicht lustig, dass im Techno heuzutage die Türsteher entscheiden, wer mittun darf und wer nicht? Und drinnen hopsen dann die Bauern.

  12. max
    12 Dez 08
    12:15

    Also nee, dieses grosse Klagen.

    Was mein Prof meinte: Für einen klaren Inhalt kann es eine gültige Form geben – und wer diese vernachlässigt, schadet dann auch dem Inhalt, oder zumindest dessen Vermittelbarkeit.
    Inhalt ohne Form is nich.
    Das sollte man eben mal ein paar Veranstaltern erklären.

    Ich hab kein Problem damit, dass ich mit den meisten Stilen da draussen nix anzufangen weiss. Soll man denn auf einen guten Stil warten, um ihn dann zu übernehmen? Sicher nicht, ich sammel die Dinge am Wegesrand, und Techno ist kein Stil, der in diesem Wort zusammengefasst wäre. Die Frage ist halt immer, ob die Veranstalter ok sind oder nicht.
    Samstag Afterhour im Golden Gate, so dermassen entspannte, nette Türsteher – und doch dezidiert gegenüber dem depperten Flaschenwerfer. Natürlich gibts andere Abende, andere Gäste, andere Türsteher, aber das ist weniger eine Frage des Musikstils als der Zielgruppen-Denke. Und Karl, an unserem Harry Klein-Abend war doch noch das beste unser aufrechter Erfolg bei der Einlasskontrolle.
    Vielleicht ist aber München auch anders.

  13. karl
    12 Dez 08
    14:05

    Findeste das so klagend? Ist halt Zeit, sich von dem Gedanken zu verabschieden, dass man mit diesem Pop-Gedöns noch bestehende Verhältnisse zum Tanzen bringen könnte. Im Großen und Ganzen, mein ich damit.

    Mei, Stil und Inhalt – da stimme ich ja im Endeffekt natürlich zu. Weil das ja klar ist. Ist halt gern das Verkaufsargument. Umcodierung von Zeichen, ja mei. Ich hab da zu wenig von den 80ern mitbekommen, um jetzt Wert darauf zu legen, ob Palais Schaumburg Trachtenjopperl anhatten oder nicht. MIA mag ich trotzdem nicht mit ihrem Schwarz-Rot-Gold-Versuchen, aber kein Mensch kräht nach MIA. Speziell in der Popmusik ist alles so dermaßen austauschbar geworden, dass ich keinen Grund sehen kann, heute noch irgendeine Wertung über Stil und Ästhetik finden zu wollen. Vielleicht mag das der Gag Anfang der 80er gewesen sein.

    Übrigens finde ich die Tocotronic-Platte Kapitulation äußerst gelungen und ziemlich schlau, fällt mir noch ein.

    Hast Recht, Max, die Türsteher-Sache war wirklich gelungen. Ein paar Wochen später allerdings sowas von blöd, der Türsteher bei Ellen Allien in der Registratur. Konnte ich den Abend kaum noch ernst nehmen.

  14. nadja
    14 Dez 08
    22:13

    Also ich war jetzt am Wochenende bei einem “Soul Weekender” in Nürnberg. Das war wie eine Zeitreise. Denn Du hast schon Recht, Karl, dass diese ganze Geschichte mit dem Stil und der Haltung ein 80er Jahre Ding ist. Dadurch, dass es Subkulturen gab – wie jetzt in Nürnberg immer noch, Mods und Skins, Redskins, wie vor zwanzig Jahren, zeigt man seine Vorlieben (aber eben auch seinen sozialen Backround) durch die Musik, die man gut findet. Die Subkultur der Berlin Mitte Zeit der Neunziger war etwas ganz anderes, da war Distinktion angesagt, dieses Klassending war weg. Was den Song von Eißfeld angeht, denk ich, er macht da zwischendurch eine U-Turn, der einem kaum auffällt, und fängt dann an, die Boheme zu dissen. Offensichtlich nicht wirklich überzeugend, grins.
    Ich als Kryptophilosophin stehe auch bisweilen auch auf Inhalt pur. Aber Stil, Leute, ist auch ein großer Spaß. Ein Freizeitspaß für die leisure hours, Auslegearbeit leisten.

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