Was kannst du dir Umwerfenderes vorstellen:
Isabelle Adjani richtet eine Wumme auf dich und sagt: “Gehst du nie ins Kino?”.
Zum Dahinschmelzen…

Dies gesehen letztens im Open-Air-Kino, mit dem Grölen der Kaputten hinter der Leinwand, Luc Bessons fast Erster Subway.

Again and again begeistert mich das Ineinanderstürzen von vergangenem, gegenwärtigem, zukünftigem Kino. Diese verdammten Verflechtungen von Zeit, Stil und Attitüde… 1985 war dieser x-te Versuch, einen neuen Belmondo zu kreieren, mit Christopher Lambert, der wirklich das Gesicht, die Weichheit und die Melancholie dazu gehabt hätte. Und eine Adjani, wie es sie heute nicht mehr geben könnte: immer nur Rehaugen, in bombastischem YSL gewandet, eine zarte, pubertäre Punk-Rebellin in der Oberschicht (irgendwie und leider arg an die gleichzeitige Gloria von Thurn und Taxis erinnernd).

Die Posen, die Musik, die Darsteller! Sieht aus wie New Wave, klingt wie Schmuserock, und Jean Reno auf Rollschuhen lässt das Publikum erstaunt auflachen beim ersten Auftritt.
So sexy, so vergangen, so schön!

Da vermischen sich À bout de souffle, der hiermit wieder hochgespülte, wirklich wunderbare Kontroll, Casablanca, Le circle rouge und 12 Monkeys – und es ist so egal, wer da wen zitiert, das geht nämlich auch andersrum in der Filmgeschichte…

Kino: motherfucking Paralleluniversum!

Zu diesem Eintrag gibt es 4 Kommentare.

  1. nadja
    26 Aug 08
    15:42

    Ach Max, ach Kino. Ich will gar nicht damit anfangen, dass ich mir einiges Umwerfenderes vorstellen kann als Madame Adjani. Viel mehr wundere ich mich über dieses kindliche Staunen, um nicht zu sagen, diese Verzückung, die Kino, das motherfucking Paralleluniversum, bei dir auszulösen in der Lage ist. Und es bewirkt bei mir ein ungutes Gefühl: Dieser Pathos arbeitet gegen die Produktion! Erst mit dem Cineasten wurde der Eskapist zum Kritiker. So sexy, so vergangen, so schön:Das ist das Gegenprogramm zum Fortschritt, Gegenprogramm zur Ästhetik der Hässlichkeit, Gegenprogramm zum intellektuellen Schärfe, die man in einer Zeit braucht, in der man ständig eingesponnen wird in einen Kokons aus Wohlfühlwolle.

  2. max
    27 Aug 08
    12:57

    Hm, ich hab wenig Problem mit einem gewissen Eskapismus, wo auch immer (mochte ich zb auch so am Pynchon). Und sehr gern begebe ich mich in anachronistische Welten, statt mit dem Konsum aktueller Kulturwaren kapitalistische Produktion zu befeuern. Vielleicht bin ich da dem Heute gegenüber gelegentlich auch zu misstrauisch? Als wäre Vergangenheit gereinigt, abgekoppelt von Verwertungsmechanismen… Jedoch, wie gesagt: ich seh ja da keine Vergangenheit im Kino, das ist alles immer jetzt.
    Grad mit obigem Film hab ich wieder eine Bestärkung meines eigenen heutigen Produzierens bekommen: nämlich die Feier eines gewissen ästhetischen Grössenwahns, einer Rücksichtslosigkeit. Und keine intellektuelle Schärfe ohne Begeisterung – oder?
    (Oder versteh ich dich falsch?)

  3. nadja
    28 Aug 08
    16:27

    Ohne jetzt mit dir in eine Grundsatzdiskussion über Kritik einsteigen zu wollen, bin ich mir in der Tat nicht sicher, ob Begeisterung unbedingt notwendig ist für intellektuelle Schärfe – woher käme dann der berühmte “Verriss?”. Und das:
    “statt mit dem Konsum aktueller Kulturwaren kapitalistische Produktion zu befeuern” ist theoretisch gesehen der größte Anachronismus, da Adorno und später sogar Deleuze nicht verstanden haben, dass die Subversion der populären Kultur eben genau in ihrer engen Verwobenheit mit dem Kapitalismus liegt.
    Gegen ästhetischen Grössenwahn ist hingegen nichts einzuwenden – ob ich dir da recht geben, dafür müsste ich mir den Film anschauen. Was ich mir hiermit vornehme- schließlich hast du mit mit “Vanishing Point” einen der besten Heimkinoabende des letzten Jahren beschert — oder war es schon in diesem Jahr?

  4. Slu
    13 Sep 08
    11:49

    Klinsmann ist bisher eher so mittel.

  • Musste auch gesagt werden

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