Vermutlich steht die Baustelle nebenan am Anfang dieser Geschichte. Weil sie von 7 Uhr morgens bis 20 Uhr abends Lärm macht und sich einen Dreck um ihre Nachbarn schert. Auch dass sie laut Schild schon längst fertig sein müssten, ist dem Bauherrn dieser “Lofts im Gärtnerplatzviertel” sichtlich gleichgültig – wenn sein LKW etwas abladen muss, dann hält der LKW halt mitten auf der Straße, so dass keiner mehr durchkommt, und lädt ab. Ganz egal wie lange das dauert und wie lange die Schlange hupender Autos mittlerweile ist und wie laut die alle sich dann anschreien. Dass man da nicht arbeiten kann, versteht sich von selbst. Vielleicht stehen aber auch die SUVs am Anfang dieser Geschichte, diese großen, dicken, hohen Autos (Sports Utility Vehicle heißt das ausgeschrieben, wiewohl alle sie nur innerhalb der City benutzen; der Porsche „Cayenne“ etwa ist so ein widersinniges Ding), die allen anderen die Sicht nehmen und deutlich mehr Benzin als alle anderen verbrauchen. Die also allein aus Prestige/Potenzsehnsucht/wasweißichwas gekauft werden und von denen mich ein Exemplar jüngst beinahe an der Kreuzung Klenzestraße-Buttermelcherstraße überfahren hätte, nur weil ich mir erlaubte, bei grün über die Ampel gehen zu wollen. Was das alles heißen soll?
Es nervt, und zwar gewaltig: Dass auf der (vermutlich ganzen) Welt Menschen herum laufen, die auf ganz dicke Hose machen, tatsächlich aber nichts anderes als asozial sind. Im Kleinen wie im Großen. Und mit dem Großen meine ich dann die so genannten “Islamkritiker”, die – im Dienste irgendeiner Sache (sicher keiner guten) – muslimische Informationsveranstaltungen stören (und also Information, d.h. die Chance auf echte Kritik zunichte machen; auch duckhome kommentiert); Blogs, die derweil fröhlich die Meinungsfreiheit, der „Jungen Freiheit“ loben; Blogs, Vereine, Parteien, Personen und so weiter, die sich den „Heimatschutz“/die „Wertegemeinschaft“/das „Christentum“ auf die Fahne geschrieben haben, im Grunde aber nur ihre Minderwertigkeitskomplexe öffentlich ausleben; Ministerien, die Lobbyisten beschäftigen (dass es das überhaupt braucht, ist schon ein schlechter Witz); Innenminister, die keinen Begriff von Freiheit haben; Medien, die nicht aufhören, uns unwichtiges Zeug zu erzählen und uns coachen zu wollen, obwohl sie selbst nicht den blanken Schimmer vom Leben haben; und so weiter, und so weiter – ihr kennt es ja alle …
Ein Text, der tröstet, weil man sich nicht alleine vorkommt ist Dubravkas Ugresics Artikel „Die neuen Barbaren” in der NZZ. Und (fast) das einzige Druckwerk, das man in solchen Situationen überhaupt noch lesen kann, ist (wie immer) die Titanic – diesmal mit „noch mehr Kommunismusverherrlichung“ und der Rubrik „Auf einen Joint mit Mark-Stefan Tietze“.
P.S.: Das musste jetzt einfach mal gesagt werden.

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