Wörter kommen und gehen, manche sterben aus. Das ist an sich nichts Schlechtes. Dem “Nato-Doppelbeschluss” beispielsweise sei noch auf das Grab gespuckt, ebenso jenen häßlichen Mode-Wörtern, mit deren Hilfe die sprachlich besonders Hinterwäldlerischen so etwas wie Zeitgeist zu simulieren versuchten. “Dufte” etwa oder “schnaffte” oder “knorke” – ein Tritt zum Abgang in den Wort-Hintern, in dieses anbiedernde End-“e”. Sollen diese Wörter doch verschwinden! Kein Problem damit.

Um ein Wort jedoch tut es mir leid. Ich hatte es fast vergessen. Wahrscheinlich käme für dieses Wort schon Bodo Mrozeks Liste der bedrohten Wörter zu spät. Ich fürchte, dieses Wort ist ausgestorben, obwohl das zugehörige Substantiv unser aller Leben dominiert. Das Wort heißt: “computern”. Ein Verb, ein Tunwort im besten Sinne. Ich habe das früher oft getan, ganze Nachmittage lang. Ich ging damals immer zu den Nachbarjungs, um zu computern. Das bedeutete: Eine meist kopierte Kassette wurde in das Laufwerk des Schneider CPC gesteckt, um den ich die Jungs damals immer sehr beneidete. Dann musste man warten, zwanzig, dreißig Minuten lang, und auf die seltsamen, bunten Streifen starren, die der Ladevorgang auf den angeschlossenen Fernseher zeichnete. Wenn alle gut lief, konnte man dann Bruce Lee spielen oder Ghost’n Goblins. Oft genug stürzte das beinahe fertig geladene Spiel jedoch wieder ab. Also alles noch einmal, wieder diese Streifen und wieder diese Warterei. Währenddessen unterhielt man sich natürlich miteinander, hörte Musik und las Comics oder machte sich zwischendurch einen Kakao in der Küche. Wenn von drei, vier Stunden Besuch bei den Nachbarjungs nur eine Stunde tatsächlich am Computer gespielt wurde, dann war das ganz normal. Computern ging eben so. Recht viel mehr konnte man mit diesen Geräten damals ja auch nicht machen außer Spiele spielen und darauf warten, dass man endlich diese Spiele spielen kann.

Es ist schon seltsam. Heute gibt es Hunderte von Ausdrücken, die den Umgang mit einem Computer beschreiben. Chatten, Mailen, Twittern, Surfen, File-Sharen und und und, aber ausgerechnet das Naheliegenste, den Klassiker, das Tunwort zum Wort “Computer” gibt es nicht mehr. Aber wie soll das heute auch noch gehen, den ganzen Nachmittag computern?

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