einmal erging es mir bereits ähnlich: bei meinem praktikum in der medienredaktion der süddeutschen – über drei jahre ist das nun her – stand ich morgens auf, ging in die redaktion, blieb bis sieben oder acht uhr, ging dann nach hause und auch bald ins bett. außerhalb dessen, was ‚in der szene’ geschah, gab´s nix mehr. und jetzt ist das schon wieder so: anstatt bei der netzeitung und bei perlentaucher und der berliner zeitung und so weiter vorbeizuklicken, aktualisiert man nun morgens zuallererst die rss-feeds der blogs und schaut also nicht mehr, was in der welt passiert ist, sondern wer gerade mit wem und wer gerade gegen wen ist in der blogosphäre. und steckt da irgendwann so dicke drin, dass man seine freunde plötzlich mit begriffen ohrfeigt, von denen die absolut keine ahnung haben.
so geht das nicht weiter. deswegen gelobe ich mindestens eine woche ohne meta-blogging und überhaupt eine drastische einschränkung der unverständlichkeiten für unbedarfte, dafür eine rückkehr des blicks nach außen – wozu blogs ja eigentlich auch gut sein sollen (für andere meinung: bitte sich der kommentarfunktion zu bedienen). denn dieses sich-immer-tiefer-hineinzirkeln bringt niemanden was – nicht dir, nicht mir, nicht der – ja: demokratie.
dafür bringt das was fürs hirn:
1. im freitag schreibt der schriftsteller leander scholz – sein letztes buch “fünfzehn falsche sekunden“ fand ich ganz wunderbar, der stephan maus allerdings nicht (was immer zu lesen lohnt) – “vom verschwinden des volkes“, untertitel: „Europa ist ein Staat, der wie ein Staat handelt, ohne ein Staat zu sein“.
2. im dwdl-medienmagazin findet sich eine schöne zusammenfassung der größten dummheiten & idiotien deutscher tv-zeitschriften, von „jetzt noch aktueller“ über „den „tv guide“ bis hin zu „exklusiv in tv14“.
3. in der wochenendausgabe der neuen zürcher zeitung (wenn man sie mal als altbacken anerkannt hat, ist sie die wunderbarste zeitung von welt!) findet sich wie immer das literatur-und-kunst-spezial, das mal besser und mal schlechter ist. diesmal ist es wunderbar – sowohl wegen des themas als auch der autoren. thema sind die fünfziger jahre, es schreiben unter anderem hans magnus enzensberg (kennt jeder) über “die falschen fünfziger”, barbara vinken (sollte man kennen) über “die rundungen der sanduhr” und david gugerli (sollte man sich merken: ein technik-historiker, immer interessant) über “morgenrot des mängelwesen”.
und nun gute nacht, ihr da draußen an den empfangsgeräten.

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