Eine Lese-Empfehlung zum Thema “Zukunft, wie sie leider sein wird”:
Über die idealen Waffen für einen globalisierten Ausnahmezustand schreiben Olaf Arndt und Wolfgang Pircher in ihrer dreiteiligen Artikel-Serie “Schmerzmaschinen” auf telepolis. Gestern ist der letzte Teil dieser unbedingt lesenswerten Reihe erschienen, der einen Bezug zwischen Nicht-tödlichen Waffensystemen und der Folterdebatte herstellt. Die bekannteste dieser Waffen ist der Taser, der im Polizeieinsatz bereits verwendet wird. (Zum Beispiel hier auf wired.com und hier beim Hersteller gibt es mehr Infos darüber.) Taser und Active-Denial-Systeme (ADS) sind Waffensysteme, die nicht töten, stattdessen “nur” direkten Einfluss auf das zentrale Nervensystem nehmen, indem sie maximale Schmerzen durch Strahlung und Strom hervorrufen, die niemand ein zweites Mal erleben will. Volkserziehung nach Methoden der Schwarzen Pädagogik. Körperliche Schäden entstehen dadurch angeblich keine und wen interessieren schon seelische? Die Befürworter solcher Waffensysteme beschreiben die immergleichen Szenarien: Eine Menschenmenge gerät außer Kontrolle, man stelle sich nur vor: Hooligans! Die Polizei habe nur zwei Möglichkeiten: scharf zu schießen und eventuell Unschuldige zu treffen oder zu beobachten, ohne einzugreifen. Nich-tödliche Waffen wären das Bindeglied zwischen Warnschuss und Schuss, ideal um Menschenmengen zu kontrollieren. Spätestens wenn man die Sätze eines Botschafters einer Hersteller-Firma liest, weiß man, woher der Wind weht: In Heiligendamm sei nicht genug getasert worden, wenn man die Anzahl der Verletzten beziffert sähe. Das kurze Zufügen von “Vernichtungsschmerzen” scheint nicht als Verletzung zu gelten, doch die dahinterstehende Strategie ist natürlich viel perfider, wie die beiden Autoren schreiben:

In einer Welt, die größte Mühe darauf verwendet, die gesamte Lebenszeit möglichst schmerzfrei zu gestalten, ist ein “unpopuläres Gefühl” wie Schmerz das adäquate Mittel, um zu signalisieren, dass wer ihn fühlt, falsch denkt und lebt. Der Schmerz, der eine Zone versiegelt, ist somit der Vorbote einer anderen schmerzlichen Erfahrung, der Exklusion: der aufgezwungenen Unfreiheit im Gefängnis oder Lager. Zäune, Bewachungstechnologie und Bewegungsverbote zählen zum Standard des Freiheitsentzuges.

Man lese und denke sich den Rest selbst! Hier geht es zu den drei Teilen: Die politische Technologie der Pein, Medizinische Aspekte der Schmerzerzeugung und Die Gesellschaft ohne Schmerzen.

Zu diesem Eintrag gibt es 1 Kommentar.

  1. alex
    20 Sep 07
    23:49

    Schon mehr als 200 menschen sind durch TAser gestorben in USA

    . Sicherheitskräfte die Elektroschockwaffe verwenden und…bringen jemandem um.
    hier das schlimmste video den ich je gesehen hab, nichts für schwachen nerven.
    http://angelsmagazine.blog.de/2007/09/20/usa_polizei_darf_toten_schock_video~3012756

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