Vor der eidgenössischen Abstimmung “für die Ausschaffung krimineller Ausländer” in einem Monat fallen auch Kleinigkeiten in der Tagespresse auf, schliesslich wird das Volk zu einem nicht geringen Teil Stimmungsdemokratie betreiben.

Heute im gedruckten Tagesanzeiger, bereits seit gestern in der Online-Version: eine kurze Meldung des Journalisten Stefan Hohler (Kürzel beim Tagi: hoh) über die Verhaftung von neun Ausländern bei drei Anlässen rund um Zürich. Für fünf der Verhaftungen wird eine Begründung geliefert, für die restlichen vier nicht:

“(…) in Volketswil nahmen die Polizisten vier Nigerianer fest. Einer trug ein als gestohlen gemeldetes Handy auf sich. Die anderen sind illegal in der Schweiz.” – Alles klar, Verdacht auf Diebstahl, illegaler Aufenthalt.
“In einem Sexclub in der gleichen Gemeinde wurde ein Kosovare verhaftet.” – Mir wäre neu, dass man sich nicht in einem Sexclub aufhalten dürfte, aber ok, ist halt ein Kosovare.
In Uster verhafteten die Beamten in einer Notunterkunft zwei Nigerianer sowie zwei Männer aus Gambia und Bangladesch. Ein Nigerianer hatte Marihuana und über tausend Franken in drogenhandelsüblicher Stückelung bei sich.” – Alles klar, Drogenbesitz und Verdacht auf Drogenhandel. Die anderen sind aus Gambia und Bangladesch, das sollte ja wohl reichen.

Ich frage mich schon, ob das reine Schlamperei in der Redaktion ist, oder ob es hier einfach nicht mehr auffällt, wenn Ausländersein mit Gesetzesbruch gleichgesetzt wird. Die Ausschaffungsinitiative geht ja von der Schweizerischen Volkspartei aus, die es gut versteht, ihre chauvinistische Lautsprecherei zum Mainstream zu machen.
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Zu diesem Eintrag gibt es 1 Kommentar.

  1. Giaco
    12 Nov 10
    19:47

    Ich möchte den hoh-Artikel an sich nicht verteidigen. Aber:
    Vielleicht ist der Artikel ursprünglich länger gewesen und wurde dann gekürzt? Manchmal fällt so etwas extrem auf, weil der Detaillierungsgrad eines Artikels plötzlich stark abfällt, v.a. gegen Ende. Und hier könnten einfach nur zwei erläuternde Nebensätze dem Rotstift zum Opfer gefallen sein.
    Diese dritte Möglichkeit fehlt mir in Deinem Beitrag, Max, oder hast Du das etwa unter “Schlamperei” auch mit erschlagen?

    Ich weiß vom Kontext zu wenig, um das Richtige benennen zu können.
    Wenn nächstens die Prozentrechnerei kommt, etwa Steigerungsraten von Ausländerdelikten im Vergleich zum Vorjahr und/oder die immer beliebten Kriminalitätsratenvergleiche pro 100 Schweizer versus pro 100 Ausländer (eingeschränkt auf solche aus nicht-EU-Länder oder aus nicht deutsch-sprachigen Ländern oder aus anderen “geeigneten” Herkunftsländer), dann kann man rückwirkend meinen Erklärungsgrund und den der Schlamperei getrost vergessen.

  • Musste auch gesagt werden

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