alleinstellungsmerkmal1
In meinem Beruf habe ich auch mit Journalisten zu tun. Oder zumindest sieht es auf den ersten Blick so aus, wenn jemand von einer Zeitschrift anruft und die Sonderausgabe zum Thema unseres Business ankündigt. Ein Interview mit dem CEO oder ein Artikel über die Firma, das wär doch schön.
Dieses Mal war es ein regelmässiger Einleger für die FTD [mit der er aber m.W. sonst nicht zusammenhängt], der gern etwas über uns gebracht hätte. Da hab ich mir doch mal ein Probeexemplar und die Unterlagen “für eine ziel- und themengerechte Ansprache potentieller Kunden” zuschicken lassen.

Unverhohlen wird dann der Beschiss geplant. Damit sich unser “Beitrag von anderen abhebt” wird unser Firmentext “nach redaktionellen Aspekten bearbeitet”, uns “selbstverständlich zur Freigabe vorgelegt” und dann “farblich unterlegt in das Gesamtbild der Reportage eingefügt”. Und dies alles gegen einen “Druckkostenzuschuß”.

Wie sich im Beispielheft zeigt, geschieht all das ohne jede Anzeigen-Kennzeichnung, Typo und farbliche Unterlegung mögen genügen. Und “Reportage-Teilnehmer” wie deutsche Banken, Grossunternehmen, Hochschulen nutzen das Instrument begeistert, deswegen ist auch tatsächlich die Hälfte des Blättchens farblich unterlegt, das “anspruchsvolle redaktionelle Umfeld” plaudert gefällig über die gleichen Themen.

Alternativ könne man auch eine klassische Anzeige schalten, praktisch findet das offenbar aber nur auf dem Umschlag statt.

Wäre jetzt wenigstens das Anschreiben in funktionierendem Deutsch, würden die Sätze nicht irgendwo beginnen und dann punktlos im Nichts enden, gäbe es einen inhaltlichen Faden…

Dass ein solches Umfeld weder den werbenden Unternehmen noch dem Veranstalter peinlich ist, will ich nicht verstehen. Der zuständige Sachbearbeiter nahm meine Fragen zur quasi nicht vorhandenen Trennung von werbendem und, nun ja, redaktionellem Inhalt jedenfalls freundlich entgegen und wollte sie “so weiterleiten”.
Vielen Dank dafür.

[update 2. Juni]
Die kleinen Aufmerksamkeiten sind natürlich erfreulich. Und wundern mich schon auch; lese ich doch oft genug bei bildblog oder erlebe es im blätternden Alltag, ist doch auch normal. Beinahe.

Wenn nicht jemand aus London anruft, statt aus Bonn. Von grösseren Magazinen mit diesem Geschäftsmodell, aufwendigen, mit Inhalt. Die schreiben über alle möglichen Businessfelder, Politik und ein bisschen Lifestyle. Etwas aufregender als Airline-Magazine.

Aber harte Verkäufer haben sie, wirklich aufdringlich. Und deutlicher als die aus Bonn:
“Outside Back Cover, One page advertisement, Three pages A4 size editorial (about 1,800 words), Email blast of a text summary of your article to our 46,000 subscribers database, Full on-line coverage of your article via our web-site.
Cost of partnership: (GBP) £ 6,750.00
”
Geht ja noch.

[update 11. Juni]
Weils grad so schön ist (ich könnt’ ja ewig weitermachen…) und das Wort independent vorkommt:

“1) 1 x Advertisement or 1 x 2 page co-published chapter with reprints.
2) Quotes & comments within the independent features we will be writing relevant to [your] offering.
3) Co-published chapter to be placed on the website – first as a daily news story and then archived.
We will be competitive on costs and feel that a rate of US$15,000 to be fair particularly as we are widely read in […] and are seen as the best Finance title with the best website in the region.”

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Zu diesem Eintrag gibt es 4 Kommentare.

  1. […] 1. “Welt des Journalismus” (zweitens-magazin.de, max) max wird betreffend einem “Einleger für die FTD” kontaktiert, lässt sich “ein Probeexemplar und die Unterlagen ‘für eine ziel- und themengerechte Ansprache potentieller Kunden’ zuschicken” und berichtet von seinen Erfahrungen: “Damit sich unser ‘Beitrag von anderen abhebt’ wird unser Firmentext ‘nach redaktionellen Aspekten bearbeitet’, uns ’selbstverständlich zur Freigabe vorgelegt’ und dann ‘farblich unterlegt in das Gesamtbild der Reportage eingefügt’. Und dies alles gegen einen ‘Druckkostenzuschuß’.” […]

  2. […] Welt des Journalismus (2) — zweitens-magazin.de Unverhohlen wird dann der Beschiss geplant. Damit sich unser “Beitrag von anderen abhebt” wird unser Firmentext “nach redaktionellen Aspekten bearbeitet”, uns “selbstverständlich zur Freigabe vorgelegt” und dann “farblich unterlegt in das Gesamtbild der Reportage eingefügt”. Und dies alles gegen einen “Druckkostenzuschuß”. (tags: journalismus medien marketing) […]

  3. heinrich Bauer
    04 Jun 09
    09:31

    Tja..die Damen und Herren…

    das ist doch eigentlich eine Werbebeilage….
    WERBEBEILAGE dies sagt doch schon das Wort Werbung.

  4. max
    05 Jun 09
    15:08

    Genau. So stehts aber nicht drauf.

  • Musste auch gesagt werden

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