Als das Gerede von der Wirtschafts- respektive Finanz- respektive Zeitungskrise anfing, habe ich mir schon ein paar Sorgen gemacht. Allerdings konnte ich noch jedes Mal, wenn mich jemand nach meinen persönlichen Erfahrungen damit befragte, fröhlich zugeben, dass mich das überraschenderweise nicht weiter tangiert.

War ja auch so: Nachdem Montgomery die Berliner Zeitung übernahm und zu sparen versuchte, was das Zeug hielt, waren wir Freie mal kurz kalt gestellt. Aber wirklich nur sehr kurz. Und dann lief wieder alles weiter wie zuvor.

Als die Netzeitung von eben demselben Montgomery bzw. seinem Stellvertreter auf deutscher Erde Josef Depenbrock für 2009 einen Etat bekam, der keine freien Mitarbeiter mehr vorsah und die vier Autoren der Medien-Kolumne “Altpapier” (von denen ich eine bin) Ende November 2008 also erfuhren, dass sie ab Januar 2009 nicht mehr gewünscht wären, bekamen wir sogleich vier oder fünf (allesamt bedenkenswerte) Angebote für dessen Fortführung. Wir sind dann bei dnews gelandet.

Dann wurde auch noch der Freitag von Jakob Augstein aufgekauft und relauncht, was zwar die Länge der Texte verringerte, durch den Ausbau der Website aber zusätzliche (auch Verdienst-)Möglichkeiten bot.

Und ich dachte: Was für eine Krise?

Nun gut, diese naiven Zeiten sind vorbei, jetzt nähert sich die Krise auch mir. In bislang kleinen Schritten zwar, allerdings mit unverkennbarer Ausrichtung.

Für dnews habe ich in den vergangenen Monaten nicht nur das “Altpapier” geschrieben, sondern ab und an auch Literaturkritiken. Damit ist´s nun vorbei, wie mir der zuständige Redakteur schrieb, da der Kulturteil “zurückgenommen” werde.

Ich will das auch gar niemandem übel nehmen. Mich hatte es ohnehin gewundert, dass ein Nachrichtenportal sich Literaturkritik leistet (eine Tatsache, die ja auch schon genug über meine Meinung über die Online-Presselandschaft sagt). Und wenn es die Leser nicht interessiert, lässt man das als Redaktion eben. Ich frage mich nur, ob Klicks tatsächlich Auskunft geben können über das Informationsbedürfnis der User. Demnach müsste ich auf meiner Website dann einfach nur noch Sexgeschichten anbieten, denn die bringen mir viele Klicks. Will ich aber nicht. Q.e.d.: Geld verdiene ich mit dieser Seite natürlich so gut wie keines.

Nur wenige Tage später erreichte mich dann eine Nachricht der Literaturchefin des Berner Bund, für den ich zwar nicht viel, aber sehr gerne (und ertragreich) geschrieben habe. Sie ist gekündigt worden. Wie viele ihrer Kollegen und Kolleginnen. Denn: Der “Bund” wird ab Herbst ein Kopfblatt des Zürcher “Tages-Anzeigers” und wird selbst nur noch über bernische Themen schreiben (Artikel aus der Basler Zeitung/PDF). Das heißt, dass beispielsweise auch die Literatur vollumfänglich von Zürich “bezogen” wird. Aus dem Geschäft bin ich also ebenfalls `raus.

Es mag nun eine unzulässige Pauschalisierung sein, da ich nur aus persönlicher Erfahrung sprechen kann, aber: Eines der ersten Opfer der Zeitungskrise ist – zumindest in meinem Fall ganz klar – die Literaturkritik.

Was ich außerdem nicht mehr übersehen kann: Ich werde mehr und mehr von öffentlichen Institutionen bezahlt. Und damit meine ich nicht nur solche Ausnahmeprojekte wie die Ausstellung, die ich 2007 für das Nürnberger Kulturreferat mitgestaltet habe, sondern eben einen Gutteil meiner ganz normalen Auftraggeber: den epd medien, das Grimme Institut und auch das Münchner Kulturreferat, das den KLAPPENTEXT finanziell fördert.

Bekommen wir also, was wir niemals wollten: dass der Journalismus zunehmend verstaatlicht wird? Wenigstens bei “meinem” Journalismus sieht es arg danach aus.

Zu diesem Eintrag gibt es 3 Kommentare.

  1. slu
    20 Jun 09
    22:39

    Bedauerliche news. Hoffe Ihr nutzt trotzdem weiter fleissig dieses feine fleckchen netz… wünscht sich slu, der treue konsument :)

  2. katrin
    21 Jun 09
    09:56

    Klar, bleibt ja dann wieder mehr Zeit dafür …

  3. […] Altpapier und das Anfangen beim Literaturportal Bayern bestätigt im Übrigen eine weiteres Mal meine Erfahrung, dass – zumindest was mich betrifft – Journalismus ich meine Journalismus, nicht PR zunehmend […]

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