Also eine Verschwörungstheorie. Vielleicht. Dass man der Intitiative Neue Soziale Marktwirtschaft mittlerweile alles zutraut, daran ist sie wirklich selber schuld. Wer versucht, bei größtmöglichem gesellschaftlichen und politischen Einfluss so wenig wahrnehmbar wie möglich zu sein, der braucht sich nicht zu wundern. Die Initiative betreibt perfekt getarnten Lobbyismus mit dem Ziel, eine gesellschaftliche Akzeptanz für “marktwirtschaftliche Reformen” zu schaffen, die sie gerne so wirtschaftsliberal wie möglich hätte. Mehr darüber erfahren kann man z.B. über F!XMBR oder hier im ZEIT-Archiv, beim Tagesspiegel oder im freitag. Nun gut!

Folgende Geschichte also: Vor ein paar Tagen haben einige bekanntere Blogs auf ein Watchblog verlinkt, das sich vorgenommen hat, dieser Initiative ein wenig auf die Finger zu schauen. Das dürfte die Bekanntheit dieses Blogs erheblich gesteigert haben. Gestern war es plötzlich nicht mehr erreichbar. Der Bloghoster wordpress.com hat es von Netz genommen mit der Begründung, die Nutzungsbestimmungen seien nicht eingehalten worden. Warum, wieso, ob überhaupt weiß niemand so genau. Blogbar vermutet, es könne am Namen oder an den Keywords liegen, die, wie es in den Terms of Use heißt, nicht verwendet werden dürften, um Nutzen oder Vorteile aus dem Namen oder der Reputation anderer zu ziehen. Die Macher des Watchblogs reden von Denunziation und vermuten, die INSM hätte ihre Finger im Spiel gehabt. Ob das wirklich so war, wird man höchstwahrscheinlich nie wissen. Mittlerweile ist dieses Watchblog übrigens wieder online unter neuem, deutlich als Watchblog erkennbarem Namen insmwatchblog.wordpress.com

Die Geschichte geht weiter, noch verschwörungstheoretischer, aber wen wundert das denn? Seltsamerweise wird auf wordpress.com ein anderes Blog gehostet, das ebenfalls Tags, Keywords, Namen usw … der INSM verwendet, ohne das dies anscheinend ein Problem ist.

http://initiative neues soziale markt wirtschaft. wordpress. com

Diese Seite enthält eins zu eins Kopien von Posts des offiziellen INSM-Tagebuchs http://www. insm- tagebuch. de. Das Interessante ist: Ein Impressum ist dort nicht angegeben. Die Kontaktseite zeigt immer noch den Standard-Text nach dem Aufsetzen eines WordPress-Blogs. Kommentare darf dort niemand hinterlassen und wenn es angeblich Kommentare gibt, dann enthalten sie exakt den geposteten Text nocheinmal. Wahrscheinlich dient diese zweite Seite zur Suchmaschinenoptimierung. Wer weiß … Falls diese Seite tatsächlich von der INSM stammen und auch die restliche Geschichte stimmen sollte, dann würde das all die Methoden, die der INSM sowieso schon nachgesagt werden, nur bestätigen: Verschleierung, Tarnung und ein wenig Druck ausüben. Wie die Wirklichkeit in diesem Fall wirklich ist, sei hier dahin gestellt.

Das Schlimmste an der ganzen Geschichte ist doch: Man ist mittlerweile sofort geneigt, das alles zu glauben. Man hält es sogar für normal. So läuft es halt.

Mit fairen, demokratischen Prozessen haben diese Lobbyismus-Geschichten, egal aus welcher politischen Richtung, sowieso nichts mehr zu tun. Darüber gibt es doch hoffentlich keine Diskussion, auch wenn’s schon immer so war und immer so sein wird. Menschen, die deshalb den Glauben an die Demokratie verlieren und sich am Ende noch kritisch dazu äußern, wirft man dann Verschwörungstheorien oder Hysterie, wenigstens jedoch Politikverdrossenheit vor. Es ist so ein mieses, langweiliges Spiel.

PS am 13. Mai: Hier auf Perspektive 2010 ein interessanter Text der Journalistin Brigitte Baetz über ihre und die Erfahrung anderer in der journalistischen Praxis. Verschwörunstheorie ist da nix mehr.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.

  1. Sallust
    16 Mai 07
    17:47

    Man sollte endlich aufhören, ständig von “Verschwörungstheorien” zu reden und damit den Blamern auf den Leim zu kriechen. “Verschwörungspraxis” ist der richtige Begriff, seitdem ich vor 2000 Jahren die Verschwörung des Catilina aufdeckte – könnt ihr euch erinnern? Eine feine Verschwörungspraxis der jüngeren Geschichte war übriges die “Harzburger Front”, die zusammen mit dem größten Medienkonzern der Zeit die Weimarer Republik recht erfolgreich angriff – Parallelen zu heute?

  2. karl
    17 Mai 07
    09:09

    ganz vage erinnere ich mich an diese sache mit dem herrn catilina. aber war deine leistung dann nicht eher die aufarbeitung der historie zwanzig jahre später und weniger die konkrete investigation bzw. aufdeckung? lang, lang ist es her. spass beiseite: vielleicht hast du recht und man sollte praxis auch praxis nennen.

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