Das Dok.Fest München ist dieses Jahr leider ein wenig an mir vorbeigegangen, doch immerhin einen Film habe ich gesehen, der mich schwer beeindruckt hat: Comeback von Maximilian Plettau. Es ist einer dieser Filme, in dem sich Thema, Stil und Zufall wunderbar ergänzen.

Der ehemalige Deutsche Meister im Supermittelgewicht Jürgen “The Rock” Hartenstein trainiert wie ein Verrückter, um nach zweijähriger Boxabstinenz wieder auf Karrierespur zu kommen. Plettau begleitete Jürgen, bis es endlich zu einem kleineren Kampf in Philadelphia kommt, der den Wiedereinlass in den Profi-Boxwelt mit Sponsoren, Managern, usw… bedeuten soll. Man sieht dem Boxer bei seiner Arbeit als Türsteher in München zu, beim einsamen Training, mal im dunklen Dachgeschoss schwitzend am Boxsack, mal mit seinem Trainer Markus Kone, mit dem er ein Gym ausbaut, das mittlerweile in Giesing tatsächlich existiert. Ausflüge zur Großmutter, ein wenig Yoga. Das war’s. Für Heldengeschichten, wie sie Hollywood so gerne erzählt, taugt das alles nichts, auch wenn die Geschichte Rocky Balboas natürlich immer mitschwingt, etwas beim Treppenlauf an der Bavaria. Dennoch: Keinerlei Glamour, ein karges, wortloses Leben, teilweise bei Wasser und Brot, weil das Geld zu nichts anderem reicht. Training, Arbeit, Training, Arbeit, dazwischen immer wieder Telefonate mit einem Box-Veranstalter in den USA. Here is Jürgen from Germany. Do you have some news for us? Und wieder nichts.

Der Film ist Direct Cinema im besten Sinne, reine Beobachtung, ruhig und meditativ und doch beginnt man sich im Kinosessel zu winden vor Aufregung, als es endlich klappt mit dem einen Kampf in den USA. Beinahe wie ein schlechter Witz wirkt da der Name der schäbigen, ersten Unterkunft in Amerika, die tatsächlich “American Dream Hostel” heißt und ganz und gar von der Nicht-Existenz desselben zeugt. Nur ein einziges Mal verlässt der Film seine beobachtende Haltung und gestattet sich so etwas wie einen Kommentar. Während der ersten Runde ist der Kampf in Zeitlupe aus der Totalen gefilmt, Trommeln untermalen den ersten Schlagabtausch der Boxer. Hier ist er, der Moment, an dem alles möglich wäre, der Schicksalsmoment, den Hollywood so gerne überhöht und in dem auch Comeback seinen Höhepunkt findet. In der zweiten Runde geht es dann schnell: Der Regisseur nimmt wieder die Rolle des Beobachters ein, Jürgen geht einmal zu Boden, ein zweites Mal und der Kampf ist vorbei. Dass Philadelphia am gleichen Abend ausgerechnet auch noch von starken Gewittern heimgesucht wird und man Blitze zucken sieht vor dem Fenster des Raumes, in dem Jürgen kurz vor seinem Kampf nervös wartet, ist beinahe schon zu schön, um wahr zu sein.

Da ackert einer monatelang für seinen großen Traum, übt Verzicht, quält sich, glaubt an sich, ist nur auf ein Ziel fokusiert, läuft dann in ein, zwei Schläge und alles ist vorbei! Man ist schwer versucht, den Sport mal wieder als das wahre Sinnbild des Lebens zu sehen. Ich verkneife es mir.

Während des Abspanns hört man Jürgen wieder telefonieren, mit einem anderen Box-Veranstalter aus den USA: Jürgen from Germany. Do you have some news for me?

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