Irgendwie ist es ja auch ganz schön, wenn im Popjournalismus zur Abwechslung mal wieder etwas los ist. Lange genug hat er sich durch Anti-Hype-Marketing selbst in die Peripherie abgeschoben. Dass gerade etwas los ist, steht außer Frage: Momentan treiben die Musikkritiker die Londoner Band Hot Chip durchs Dorf.
Tobias Rapp, nachwachsender Pop-Grande, hat den Hype mit seinem Aufmacher vor (gefühlten) fünf Monaten in der Spex losgetreten und in den letzten Tagen trottete der Tagesjournalismus hinter her: Hot Chip sind Hot Shit und darüber hinaus wat janz Besonderes.
Geschmacksurteile stehen hier nicht zur Diskussion (wenn mich persönlich die nerdigen Briten mit ihrem neu erfundenen Schlaumischlumpf-Pop auch ein bisschen nerven) eher soll hier mal kurz Augenmerk auf das momentane Wesen des Hypes geworfen werden.
Auf den Titel mit der Band und dazu ein Artikel, der Attribute wie “vollkommen andersartig” oder “ganz neues Format” enthält: Das wirkt immer noch, auch oder gerade im Zeitalter der totalen Indifferenz durch die Differance. Darüber hinaus wird der Entschleunigung, dem trotzigen Geheimmotto der Musikkritik in Zeiten der musikalischen Allround-Verfügbarkeit, der Vorgriff zu Seite gestellt. Man schreibt also entweder über Alben, die seit Jahrzehnten im Regal versauern oder über die, die noch gar nicht erschienen sind.
Die Basis des Hypes wäre damit Beschaffung, Planung und Strategie. Plus der Kalkulation, dass die Meute dem präparierten Fuchs auch nachjagt. Zurückübersetzt: Dass die Journaille durch den Zeitvorsprung, den ihr der Vorgriff eingebracht hat, handwerklich besonders wohlgefällige Artikel schreibt, die dann die Einzelthese zum Hype adeln. Der Hype und der Schlaumeier gingen damit Hand in Hand, womit wir wieder bei der Band Hot Chip wären.

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