Was Frau Stürmer zur EM gesanglich beitragen wird, ist immer noch nicht bekannt. Wir sind weiterhin gespannt, das hat sich nicht geändert seit dem Beitrag EM-Hymnen (Teil 1). Echt jetzt! Bekannt ist mittlerweile, dass Shaggy mit offiziellem UEFA-Siegel den EM-Song “Like A Superstar” verbrechen durfte. Der Song, ja mei, geht schon so einigermaßen. Ein paar Beats, Sprechgesang, nix zum Mitsingen, vielleicht ein wenig Hüftwackeln, als ob durch ein durchschnittliches Lied eines Karibik-Stars so etwas wie jamaikanisches Flair aufkommen könnte auf den nicht gerade für ihre Bombenstimmung bekannten Tribünen der Schweiz und Österreich. Das Video zum Song vernichtet diese kleine Hoffnung jedoch vollständig.

Die beiden EM-Maskottchen Karius und Baktus aka Trix und Flix schießen sich den offiziellen EM-Ball zu auf akurat gekämmten Bergwiesen, machen ein paar Hampelmann-Tricks, die mit Fußball gar nichts zu tun haben, bevor sie, getrieben von den Beats, zum Breakdancen anfangen. Im Hintergrund gibt es schneebedeckte Berggipfel zu bestaunen, alles in einer dermaßen flächigen, klinisch-reinen Computer-Animation präsentiert, die jegliche Hoffnung zunichte macht, dass diese Bergluft tatsächlich Sauerstoff zum Atmen enthalten könnte. Wie zum Beweis dribbeln sich die Maskottchen bald durch ein zwar brav um den zentralen Brunnen gebautes, jedoch völlig entvölkertes Bergdorf, das nur die Vermutung zulässt, man habe extra für die EM sämtliche Spuren menschlichen Lebens mit dem Kärcher entfernt. Was mit den Menschen selbst passiert ist, möchte man sich gar nicht mehr vorstellen. Schließlich finden Trix und Flix doch noch ihren Weg in ein scheinbar vollbesetztes Stadion: Zumindest das Blitzlichtgewitter auf den Rängen während des lächerlichen Maskottchen-Tanzes im Mittelkreis könnte darauf hindeuten, dass dort Menschen sitzen, und doch zeigt es erschreckend deutlich, wie man sich das ideale Fußball-Publikum vorstellt: als gesichtslose Masse von Jubelpersern, die ein wenig Hintergrundstimmung für das Fernsehen produziert, und wer “Arschloch” schreit, fliegt raus!

Es ist immer wieder erschreckend, dass Menschen, die sich doch eigentlich professionell mit der Produktion von Bildern beschäftigen, offensichtlich keine Idee davon haben, was sie da tun. Nicht den Hauch einer Ahnung von der Semiotik der Zeichen, aber Geld dafür bekommen! Und falls diese Menschen doch Bescheid wissen sollten, was ich in meinem unerschütterlichen Glauben an das Gute eigentlich ausschließe, dann ist so ein Video entweder zynisch oder wirklich gewollt bösartig. Das Video kann und sollte man sich hier auf youTube anschauen.

Die Reihe “EM-Hymnen” wird selbstverständlich fortgesetzt. Es gibt auch Gutes, ich bin mir sicher!

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