Äußerst lesenswert ist Hans Schmids dreiteiliger “Bericht über eine Reise nach Absurdistan” auf telepolis. Der Autor versucht darin, quasi als Rahmenhandlung, Mario Bavas Film Ecologia del delitto von 1971 zu erwerben, einen Film, der von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien 1983 indiziert wurde und somit nicht mehr verkauft werden darf. Natürlich geht es um Zensur und Meinungsmache, Inkompetenz und Ignoranz, um den Unterschied zwischen “gutem Töten” und “bösem Töten” und um die absurde Tatsache, dass ein paar Filmsekunden darüber enstcheiden, ob ein Film jugendgefährend ist oder nicht.

Eine – zugegebenermaßen polemische – Stelle mag ich besonders gern. Der Autor schreibt da über Ten Little Indians von George Pollock, eine Agatha Christie-Verfilmung.

Ich verlange nicht, dass Ten Little Indians auf den Index kommt. Es stellt sich aber die Frage, was Bava falsch gemacht hat und Pollock richtig. Zunächst ist da natürlich die Gewalt. Hitchcock war irgendwann angewidert von Filmen, in denen es “Peng” macht und dann fällt die Leiche um. Deshalb zeigte er in Torn Curtain (Der zerrissene Vorhang) und in Frenzy, dass es viel schwieriger ist, einen Menschen umzubringen, als es uns im Kino meistens vorgegaukelt wird. Bava empfand das wohl so ähnlich. Pollock dagegen hielt sich an die Regeln. Bei ihm ist man weit weg, wenn eine Frau in einen Abgrund stürzt und zerschmettert wird, und er schneidet, bevor das Messer in den Körper eindringt. So ist das Töten, weil “nicht brutal”, erlaubt. Das führt zu kuriosen Sätzen wie dem in der Indizierungsentscheidung der BPjM (Blutrausch): “Die dargestellten Tötungs- und Verletzungshandlungen sind grausam und unmenschlich.” Mir gruselt vor Leuten, die solche Sätze schreiben. Ich dachte, wir hätten uns nach 1945 darauf geeinigt, dass das Töten von Menschen (Bava lässt das auch für die Tiere gelten) prinzipiell grausam ist. Deshalb haben wir die Todesstrafe abgeschafft, statt nach der “humansten” Hinrichtungsmethode zu suchen.

Teil 1: Wie ich einmal versuchte, einen indizierten Film zu kaufen

Teil 2: Einmal gefährdungsgeneigt, immer gefährdungsgeneigt

Teil 3: Amokläufer unter sich

Zu diesem Eintrag gibt es 1 Kommentar.

  1. nadja
    12 Mai 09
    19:05

    Super Stelle. Finde ich auch lustig. Und: “Kulturgut und Böse” – was für ein genialer Titel! Der sollte prämiert werden.
    Bester Blog-Post-Titel seit Gründung von zweitens-magazin.de. Was meint ihr?

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