Ein schönes Video-Performance-Projekt hat der Schweizer Künstler Guillaume Reymond am Start (Dank dir für den Hinweis, Hansbap). Es heißt GAME OVER und wurde bzw. wird immer noch in Stop-Motion-Technik realisiert. Bisher gibt es vier kurze Filme, in denen alte Atari-Konsolenspiele in einem Theaterparkett mit einer Vielzahl Menschen nachgespielt werden, die im Abspann unter der schnöden Bezeichnung “Pixels” genannt werden, was ich – nebenbei bemerkt – schon ziemlich future finde von wegen “Menschen nur noch Nummern” oder so.
Der Inhalt der ganzen Sache ist natürlich ziemlich retro. Zurück zu den Anfangstagen unseres geliebten multimedialen Wohnzimmers. Und prompt stellt sich beim Zuschauen jenes wohlige Gefühl ein, dass der Besuch bei den Nachbarsjungen vor Jahren auslöste, die eine solche Atari-Konsole ihr Eigen nennen durften. Ohne zu wissen, ob ich da jetzt einiges verkläre, bin ich mir dennoch sicher, schon als Pimpf gespürt zu haben, dass diese Geräte unser aller Spielen verändern werden. Mit Fang-den-Hut war das zumindest nicht mehr zu vergleichen, sondern erinnerte eher an die Besuche in der Physik-Abteilung des Deutschen Museums, wo beim Drücken der Knöpfe an den Glaskästen auch tatsächlich etwas passierte. So naheliegend der Titel GAME OVER hier auch sein mag, so gelungen finde ich ihn auch, da ich genau daran denken musste, dass Spielen just mit dem Auftauchen der Spielekonsolen eine schwer technologisierte Sache wurde. Nach den ersten paar Nachmittagen meines Lebens vor so einem Gerät dauerte es schon eine geraume Zeit, bis ich herkömmliche Brettspiele am Wohnzimmertisch wieder als gleichwertig in Sachen Spaß empfand. Game over für Fang-den-Hut sozusagen – zumindest eine Zeit lang!
Auf der Website des Grafikbüros NOTsoNOISY von Guillaume Reymond gibt es bisher vier Video-Performances zu vier Spielen. In allen Videos ist der alte Fiep- und Piep-Soundtrack der Spiele mit menschlicher Stimme vertont. Zuletzt wurde TETRIS nachgebaut. Außerdem gibt es noch SPACE INVADERS, bei dem die Menschen in den Theaterreihen so wunderbar wackeln, wie es damals die Pixel-Raumschiffe getan haben, und – natürlich – den Klassiker-Klassiker PONG.

Mein Liebling ist jedoch POLE POSITION. Nach wenigen Sekunden vergisst man, dass da Menschen in den Reihen herumrutschen, dann hinein in die Nachtfahrt und – crash – gegen die Wand! Wunderbar!

Ebenfalls auf der Seite des Künstlers befindet sich dieser TV-Werbespot für Pole Position aus dem Jahr 1982, der wirklich ein Augen- und Ohrenschmaus ist. Starke Mucke, hat man gleich Lust auf das Spiel. Sensationsheischender könnte man auch die Games von heute kaum bewerben. WROOOM! CRASH!

Schlagwörter: , ,
»

Zu diesem Eintrag gibt es noch keinen Kommentar.

  • Musste auch gesagt werden

This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Germany.