Um gleich mal im Kunstpark so ein All-Area-Ding zu bringen, ich hab’ bei einem Kopenhagen-Trip Todd Haynes’ verrückten Bob-Dylan-Film “I’m not there” gesehen, der bei uns Ende Februar in die Kinos kommt. Dort gibt’s ja gleich massenweise Dylans: Richard Gere als Billy-the-Kid-Dylan. Heath Ledger als Film-Star-Dylan. Christian Bale als Religions-Dylan. Oder Cate Blanchett als elektrifizierter Rebellions-Dylan. Lauter Schauspielkönner die eine Facette des Singer-Songwriters in einer eigenen Story spielen.  Mal in leuchtenden Farben, dann wieder schwarz-weiß wie bei Fellini. Toll gefilmt. Und Haynes springt wie ein Derwisch umher zwischen seinen Geschichten. Das ganze hat natürlich das übliche Hollywood-Biopic bereits nach wenigen Minuten in Kleinholz verwandelt. Ist aber unglaublich spannend, teilweise nicht unanstrengend – wie Dylan halt selbst. Cate Blanchett spielt logischerweise am unglaublichsten, weil Dylan-Frau ist natürlich doch gewagt. Aber wie sie mit den Beatles Teletubbies spielt oder mit Ginsberg kifft, ist echt ‘ne Show. Und dann gibt sie auch noch eine tolle Rockversion von “Ballad of a Thin Man” zum Besten, wo ich im Kino gleich gedacht hab’, die singt ja auch nicht schlecht. Aber denkste! Der Todd Haynes scheißt nämlich auf das “Die Stars singen selbst”-Prinzip und hat schön mal Leute vom Fach ran gelassen. Und wie!

Denn der Soundtrack zu “I’m not there” ist vielleicht noch besser als der Film. Schlappe vier LPs sind das. 33 Songs vom Who-is-Who der aktuell ernstzunehmenden Musikgilde. Blanchett darf ihre Lippen nämlich zum Gesang von niemand anderes als Ex-Pavement-Schluffi-Gott Stephen Malkmus bewegen. Der zusammen mit den Million Dollar Bashers (einer extra für den Soundtrack zusammengefundenen Band aus Sonic Youth-, Wilco-Mitgliedern oder dem Dylan-Bassisten Tony Garnier) den Blues entdeckt, als hätte er Jahre lang nur darauf gewartet. Unglaublich finde ich das. Neben den Bashers ist Calexico die zweite Hausband von “I’m not there”. Geht’s noch besser?!? Die machen entweder mit Iron&Wine aus “Dark Eyes” schön glimmende Lagerfeuermusik, mit Charlotte Gainsbourg (die auch mitspielt) aus “Just like a Woman” einen gehauchten Traum oder stehen mit Jim James von “My Morning Jacket” mit der Zirkusnummer “Goin’ to Acapulco” sogar vor der Kamera. An Herrn James kann ich erinnern, Calixico hab’ ich nicht wirklich erkannt. Aber den Film sollte man sowieso öfter sehen. Cat Power stellt bei “Stuck inside of Mobile with the Memphis Blues again” ihre ganze Mississippi-Referenz unter Beweis. Dazu gibt’s auch noch Los Lobos, Sonic Youth, Sufjan Stevens, Richie Havens himself oder den Gänsehaut-Garanten Mark Lanegan. Den Vogel schießt Antony & The Johnsons ab. Der covert tatsächlich “Knockin’ on Heaven’s Door”. Kann man eigentlich nicht mehr bringen. Der zarte Antony schon! Das läuft beim Abspann, sozusagen als Bonusnummer. Ansonsten gibt’s im Film überwiegend die Originale. Am Ende sag’ ich mir: kauf dir endlich alle restlichen Bob Dylan Platten!!!

Zu diesem Eintrag gibt es 3 Kommentare.

  1. Nadja
    03 Jan 08
    23:33

    Na, da kannst Dich ja hinten anstellen.
    Cate Blanchett als Bob Dylan ist ja eh ne echte Trapper-Falle. Gibt, glaub ich, nur wenige (Männer), die da nicht im Boden versinken. Ich will auch gar nichts gesagt haben, auf jeden Fall nicht, bevor ich den Film selbst gesehen habe. Nur so viel: Bob Dylans Musik hat halt nichts mit Kunst, dafür umso mehr mit Gott zu tun.

  2. thomas
    04 Jan 08
    09:18

    Das lustige ist ja, das Blanchett gerade als mächtig rauer, kauziger und unwirscher Dylan so charmant ist. Sie hat aber auch den Vorteil, als einzige eine richtige Dylan-Geschichte spielen zu dürfen, die nicht allzu sehr um die Ecke daher kommt.

  3. nadja
    04 Jan 08
    10:58

    Okay, okay, ich schau mir das Teil also an. Der Cat Power Song ist mir auch auf der Spex Compilation aufgefallen. Da dachte ich zuerst: Mann, die klaut ja ganz schön dreist! haha….

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