Ich werde jetzt für ein paar Minuten pubertär. Hilft ja nichts. Es geht um die Toten Hosen, über die man kein Wort verlieren müsste. Dass ich überhaupt noch mitbekomme, was diese Heinis heute machen, liegt nur daran, dass ich als jugendlicher Stöpsel bei meinem ersten Plattenkauf neben der “Walk among us” von den Misfits auch eine Platte von ihnen gekauft habe und wir es damals mordssubversiv fanden, im Sportunterricht “Ficken, Bumsen, Blasen” zu gröhlen. Saudumm, aber wir kamen uns recht cool punkmäßig dabei vor. Es ist mir heute peinlich. Wenn Campino heute irgendwo im Fernsehen auftritt, ist es mir peinlich und wenn auf einer Party ein Hosen-Lied gespielt wird und alle gröhlen, könnte ich im Boden versinken vor Scham. Zum Glück habe ich schon lange keinen so stillosen Plattenaufleger mehr erleben müssen. Sonst sind mir die Toten Hosen schlicht und einfach egal. Tote Hosen, Sportfreunde Stiller, Monrose – alles irgendwo das Gleiche. Dennoch bemerkenswert finde ich die Tatsache, dass es für dieses Karaoke-Spiel “Singstar” auf der Playstation seit ein paar Wochen eine Ausgabe mit Liedern ausschließlich von den Toten Hosen gibt. Bemerkenswert finde ich es deshalb, weil dann doch – wider besseres Wissen – eine ganz kurze pubertäre Wut in mir hochsteigt. Sie ist sofort wieder weg. Aber trotzdem. Ich stelle mir vor, wie ein paar Teenies in den MediaMarkt laufen, sich dieses Spiel kaufen, dann zuhause Alkopops trinken und Hosen-Songs mitgröhlen. Mordssubversiv werden sie sich dabei vorkommen, total dangerous, wie wir damals. Keinen Deut schlechter, besser und nicht weiter der Rede wert ist das. Das ist mir schon klar. Vielleicht kommt dieser kurze Moment der Wut eher durch das lächerliche Video zum Spiel auf der Website der Band. Meine Güte, ist das pubertär! So witzig! Haha! Und das ist dann der Moment, an dem auch ich pubertär kratzbürstig werde und mir denke: Muss man sich denn heute für gar nichts mehr rechtfertigen? Ist wirklich alles absolut scheißegal? Geht’s absolut nur noch ums Geld? Die Anworten kenne ich, verkaufen kann man alles und die Toten Hosen sind sowieso ein schlechtes Beispiel, ich weiß. Um die Toten Hosen geht es mir eigentlich gar nicht. Wie gesagt, die sind mir absolut egal.
Das waren meine pubertären fünf Minuten.

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