Herr Tarantino, ist es nicht langsam mal genug mit der Retro-Welle?
Egal, die Grindhouse-Filme haben mich geprägt. Die Action vor der Leinwand war damals oft wilder als die Filme selbst! Der Saal voll Zigarettenrauch, Nutten und Freier in der letzten Reihe, dubiose Typen … Da lag immer Gefahr in der Luft. Es gab Messerstechereien zwischen Gangs!

Auszug aus einem Interview mit Quentin Tarantino im SZ-Magazin vom 13.7.07

Da bekommt man für das SZ-Magazin (hier der Artikel) so schöne Antworten von Quentin Tarantino und dann findet man als Autor des Textes alles am neuen Film Death Proof einfach nur blöd, aber über Geschmack lässt sich ja streiten. Tarantino habe ein allzu selbstverliebtes Experiment gewagt, er scheitere an den Maßstäben, die er sich selbst gesetzt habe. Zu viele Insider-Witze, aufeinandergetürmte Trash-Kino-Zitate, die zwar irgendwie Halbstarkencharme besäßen, denen man aber nicht mehr folgen möge und so weiter und so fort. Und auf Tarantinos Aussage, es gäbe im Genre-Kino auch Sub-Genres, zum Beispiel Zombiefilme, Geisterfilme, Slasherfilme, Monsterfilme, Female revenge movies, usw. fällt dem Autor nichts anderes ein als zu bemerken, da sei jetzt ja schon sehr speziell.

Ja, auwehzwick, SZ-Magazin! Schon klar, dein Autor wollte darauf hinaus, dass Tarantino ein absoluter Filmnerd sei, den kein normaler Mensch mehr begreifen könne. Aber ob die Beweisführung überzeugend kann, wenn man so tut, als höre man Begriffe wie Geisterfilm oder Zombiefilm zum allerersten Mal? Auwehzwick, das glaubt dem Autor doch kein Mensch! Gefallen muss einem das Zeug von Tarantino nun wirklich nicht und für Kill Bill war vielleicht tatsächlich ein wenig Hintergrundwissen in Sachen Samuraifilm ganz nützlich, aber Death Proof nicht verstehen? Das wirkt beinahe schon, naja, snobistisch. Als ob man sowas nur mit spitzen Fingern anfassen würde.

Ein Psychopath will Frauen umbringen. Ein paar bringt er auch um. Weil aber Frauen nicht umgebracht werden wollen, versuchen sie zu entkommen. Mit dem Auto. In typischen, wenn auch hervorragend gefilmten Verfolgungsjagden, wie es sie ähnlich im amerikanischen Kino millionenfach gibt. Zombies kommen nicht vor. Auch keine Geister. Dafür prima Musik und ein paar wüste Zoten. Am Schluss gibt es den Showdown, weil die Frauen sich wehren, wie in vielen anderen Filmen auch. Das ist alles, das ist der ganze Film. Das Ganze kann man als Zitat von Exploitationfilmen sehen oder als Exploitationfilm. Vollkommen egal. Aber nicht verstehen, weil zuviele Anspielungen vorkämen? Ach, dann versteht er es halt nicht. Leute bekehren ist eh blöd. Der mag einfach nicht. Kurzkritik von mir: Wahnsinnsfilm, voller Anspielungen. Gell. Und wenn man so etwas noch in einem Grindhouse sehen könnte …

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