Finde ich sehr mutig und extrem überraschend, dass die Berlinale-Jury „Tropa De Elite“ mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet hat. Eigentlich waren sich ja die Kritiker der Punkte-vergebenden Berliner Tageszeitungen einig, dass es sich bei dem brasilianischen Polizeifilm von José Padilha um einen lauten aber leeren Kracher handelt, der keine Stellung bezieht. Hab ihn aber auch gesehen und war richtig beeindruckt. Ein wirklich harter Brocken über den Einsatz der Spezialeinheit BOPE, die vor dem Papstbesuch 1997 in Rio noch einmal die Favelas säubert. Vor allem werden die Methoden der kleinen, aber schwerst ausgerüsteten und zu jeder Folter bereiten BOPE-Truppe vorgeführt. Dabei kriegen auch die reichen, weißen Jugendlichen ihr Fett weg, die mit ihrem Hobby Drogen die Kids der Favelas erst zum Dealen zwingen. Deshalb war der Film in Brasilien selbst auch so umstritten. Die Szenen im Ausbildungscamp von BOPE erinnern schwer an „Full Metal Jacket“ oder ähnliches. Und dass der Film aus der Sicht eines BOPE-Offiziers gezeigt ist, der mal ganz sympathisch die Nerven verliert und alles hinschmeißt, dann aber wieder zum mörderischen Schwein mutiert, dass also „Tropa de Elite“ zu keinem Zeitpunkt eine klare Stellung zu einem seiner Hauptfiguren bezieht, finde ich richtig gelungen. Auch der teilweise coole Sound und die bebende Handkamera sind niemals Selbstzweck, wie etwa bei den Kunstfilmen „Amores Perros“ oder „City of God“, sondern vom explosiven Anfang bis zum bitteren und folgerichtigen Ende ungewöhnlich souveräne Stilmittel. Dass es ein dermaßen harter Krieg ist, der in Rio zwischen den Drogenbanden und der Polizei tobt, war mir in diesem Ausmaß wirklich nicht klar. Und auf welcher Seite ich zu stehen habe, weiß ich auch nach dem Film nicht. Aber das ist wohl gut so.

Eine sehr schöne zehn Minuten Preview mit dem Filmbeginn und ein paar bösen Eindrücken aus dem BOPE-Camp gibt es hier. Natürlich findet man den kompletten Film im Original auch schon auf youtube. Wenn auch sehr kleinteilig. Denn obwohl 2,5 Millionen Brasilianer den Film im Kino zu einem riesigen Erfolg gemacht haben, sollen dazu noch sagenhafte 11,5 Millionen Raubkopien im Umlauf sein.

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Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.

  1. karl
    17 Feb 08
    07:23

    Der Film hört sich schwer nach einem Thema an, das wie gemacht ist für Jury-Chef Costa-Gavras, hab ich mir gestern gedacht, als ich über die Preisvergabe gelesen habe.

  2. thomas
    17 Feb 08
    09:44

    Ja, Costa-Gavras war da bestimmt sehr dominant. Als die beiden anspruchsvollen Jury-Damen Susanne Bier und Sandrine Bonaire kurzfristig abgesagt hatten und nur noch die Glamour-Vertreterinnen Diane Krueger und Shu Qi übrig geblieben sind, hatte ich mir um die Bären echt Sorgen gemacht. Jetzt ist es aber mit ein bisschen Anderson, ein bisschen Iran, ein bisschen Mike Leigh ganz gut gelaufen.

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