Ganz so wild wie ihr Name sind die „Wild Beasts“ nicht. Tom Fleming, Benny Little, Chris Talbot und Hayden Thorpe sehen nicht gerade so aus, als würden sie einen anfallen. Durch Flemings Falsettgesang wirkt die Popmusik der Provinzler camp, man denkt eher an einen festlich gedeckten Tisch mit Kronleuchter als an Urwald.
Bei dem Gesang und den Kompositionen auf „Limbo Panto“ fallen einem automatisch drei Namen ein: Antony Hegarty, Rufus Wainwright und Edwyn Collins – ja, auch der Sänger der schottischen 80’s Band „Orange Juice“ hat sich eingeschrieben in den Pop aus Kendal, einer Kleinstadt im Nordwesten Englands. Wer das nicht glaubt, der braucht sich hier nur einmal das Stück „The Devil’s Crayon“ anzuhören. Tom Fleming singt auch ein bisschen wie Freddy Mercury, dem er auch durch seine Barttracht Tribut zollt. Brillengestelltechnisch heißt das Vorbild jedoch „Hot Chip“. Kurz gesagt: Es wird mal wieder kräftig amalgamiert auf der Insel.
Interessant an dieser blutjungen Band ist allerdings weniger, dass sie so hip it hurts ist, sondern die Mischung aus Edwyn Collins und Antony Hegarty: Zwei Ikonen der Popmusik, hetero, Rock’n’ Roll, und irgendwie der Vergangenheit zugehörig die eine, schwul, nicht sehr Rock’n’Roll und sehr angesagt die andere. Das ist der großartigen Aspekte von Popmusik: Dass sie in der Lage ist, nonchalant Synthesen zu schaffen und damit die Dispositive in Unordnung bringt.
Denn geht man über Edwyn Collins und seine spätere Bühnenpräsenz als „Crooner“ zu Elvis zurück und dessen Hollywoodfilmen, fällt auf, wie „camp“ der junge King war. Und verfolgt man Antonys Hegartys Projekte, sein Album mit „Hercules and Love Affair“ dann merkt man, wie weit sich der „schwule“ Sound schon eingeschrieben hat in den popmusikalischen Mainstream. Ja, doch, „Wild Beasts“ sind eine Queer-Band wie aus dem Semesterplan der Gender Studies. Dazu passt auch, dass sie große Fußballfans sind.

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