Sowas kommt beim Superbösewicht-Persönlichkeitstest heraus, wenn man seine Sympathien für den Feminismus äußert. Einmal falsch geklickt und schon ist man der mütterliche Typ. Ist das aus feministischer Sicht jetzt gut oder schlecht? Immerhin hätte es fast zu Magneto gereicht …

Your results:

You are Mystique

Mystique
70%
Magneto
58%
The Joker
56%
Riddler
56%
Dark Phoenix
56%
Apocalypse
51%
Venom
50%
Poison Ivy
48%
Catwoman
42%
Juggernaut
38%
Mr. Freeze
36%
Dr. Doom
35%
Lex Luthor
30%
Green Goblin
22%
Two-Face
14%
Kingpin
9%
Sometimes motherly, sometimes a beautiful companion, but most of the time a deceiving vixen.


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Ums Boxen ging es sowieso nicht am Samstag Abend auf RTL, als Henry Maske sein großes Comeback feierte gegen einen deutlich unterlegenen Virgil Hill. Böse geunkt wurde ja, Maske könne nur verlieren und würde wie ein geprügelter Hund nach Hause schleichen. Der sportliche Wert der Veranstaltung wurde im Vorfeld allerorten tief im Minus-Bereich veranschlagt. Der Kampf war dann auch stinklangweilig, was Maske nicht weiter zu stören braucht. Gewonnen ist gewonnen.

Bitter ist nur, was der Sport selbst dem Sender RTL in seiner Sportveranstaltung war: absolut lästig. Der Kampf: 14 Runden Werbung mit 12 Boxunterbrechungen, kaum Wiederholungen, Zeitlupen, Analysen oder ähnliches, in den Rundenpausen schon gleich gar nicht, wäre zwar interessant, brächte aber kein Geld. Gefühlte tausend Mal musste man sich anhören, welche Autofirma in ihrer grandiosen Güte den Abend präsentiert (oder war es eine Reifenfirma, Rasiergel, Waschmittel, Hundekuchen? Bekommt das überhaupt irgendjemand mit bei dieser Form der Belästigung? Nebenbei: Wer präsentiert denn gleich nochmal die Sportschau?) Als dann der finale Gong ertönt, der Kampf zu Ende ist, die RTL-Uhr aber immer noch einige Sekunden anzeigt, war das nicht einmal eine Bemerkung wert. Stattdessen die Bestätigung der eigenen Wichtigkeit in allen Tonlagen: Sensation! Wahnsinn! Sportgeschichte sei geschrieben worden! Maske einer der Allergrößten! Hier bei RTL!

Und irgendwann tat einem sogar Maske trotz Sieg und Millionengage leid. Wollte er also tatsächlich nochmals boxen, um seinen Karrieremakel zu korrigieren, trainierte hart, machte sich auch gar nicht lächerlich und trotzdem wird sein Boxabend als Farce in Erinnerung bleiben. Ums Boxen ging es gar nicht bei RTL.

PS: Ja, man darf sich immer noch über Fernsehwerbung aufregen.

Mein Gott, diese Jugend! Schlimmer geht’s nimmer und dümmer auch nur mit einer gehörigen Portion Anstrengung. Der Gras-König im Viertel, Johnny Truelove, muss Schulden eintreiben von einem seiner Dealer-Gehilfen. Weil dieser aber nicht spurt und die 1200 Dollar nicht zahlen will, entführen Johnnys Kumpel den kleinen Bruder des Schuldners. Irgendwann merken sie: Entführung ist ein Verbrechen, das auch bestraft werden kann, also erschießt man den Entführten lieber anstatt ihn freizulassen. Und das, obwohl der Entführte es unglaublich lässig findet, entführt zu sein, stundenlang Konsole spielen und endlich all die Drogen nehmen zu können, die zuhause bei seinen Eltern verboten waren. Doch das hilft ihm auch nichts mehr. Irgendeine seltsame Drogenlogik und, hüstel, die Dynamik der Ereignisse fordern seinen Tod.

Eine unglaubliche Geschichte, aber weil True Crime darunter steht, musste sie ja irgend jemand verfilmen, um der Welt absolute Verkommenheit zu diagnostizieren. Der Regisseur Nick Cassavettes hat das mit Alpha Dog übernommen. Der Fall gegen den echten Johnny Truelove wird demnächst verhandelt und es gab gehörig Streit, ob dieser Film durch vorschnelle Schuldzuweisung nicht Einfluss auf das laufende Verfahren nehmen würde. Nun ja, Johnny ist im Film der Bösewicht, doch Schuld haben natürlich – alle und jeder: Drogen, Vorstädte, Langeweile, Hiphop, Metal, Gangsterposen, Konsolen, Eltern, Medien, Pornos, ach überhaupt: die verkommene, verlogene Gesellschaft an und für sich. Cassavettes hat das alles, wie er sagt, sauber recherchiert, weil seine Kinder in besagtem Alter sind. Leider hat er sich auch noch einen ganz originellen Trick überlegt, der den Film erst so richtig ärgerlich macht: Es soll alles so aussehen, wie es in all den verwerflichen Medien immer aussieht. Also will das Ganze teils Hiphop-Video, teils pseudo-zufälliges Reality-TV sein, mit gestylten Homies und anschmiegsamen Bitches, die sich in anbiederndster Jugendsprache immer wieder selbst bestätigen, wie toll und krass sie sind. Dazu wird auch noch die Handlung verhackstückt, weil philosophisch gesehen: adäquater Ausdruck dieser modernen, undurchschaubaren Wirklichkeit. Und schließlich hampelt noch ein Justin Timberlake so lächerlich durchs Bild, dass es jetzt heißen wird, er sei ein wirklich guter Schauspieler. Fürwahr: ein Ausdruck dieser verkommenen Welt. Dafür braucht es auf jeden Fall einen Film.

Willst du Nudeln?
Aus: Berliner Zeitung, 30.11.2006

Der Blick des Schriftstellers Ralf Rothmann reicht weit über ihn selbst hinaus, „das Beiseitestehen und Beobachten ist meine Haltung schon seit der Kindheit“, sagte er vor Jahren in einem Interview. Und was hat er nicht alles beobachtet: wuchs im Pott auf, floh aus der dumpfen Enge nach Berlin, schlug sich dort mit Gelegenheitsjobs durch, bevor er sich endlich ganztägig an einem Kreuzberger Schreibtisch niederließ – um auf dem Papier aus eben diesen Erfahrungen seiner literarischen Vorzeit zu schöpfen. Daher die einzigartige Authentizität, die seinem Tonfall innewohnt; und daher die umfassende Autorität dieses Erzählers, die nicht allein dem Erleben am eigenen Leib, sondern vor allem seiner Hellhörigkeit für die Tragik des Sozialen zu verdanken ist.
Ein erster Satz dieses Autors ist deshalb kein simples Wortnacheinander, sondern ein Satz mitten hinein in Biografien, Gedanken und Gedächtnisse. „Es lohnte sich nicht, so kurz vor Feierabend zum Alten zu gehen“, beginnt die erste Geschichte seines neuen Erzählbands „Rehe am Meer“; eine zweite: „Schließen Sie ab, habe ich ihm gesagt, mehr als einmal, lassen Sie nichts rumliegen, die klauen Ihnen sogar Aschenbecher.“ Ein ums andre Mal spürt Rothmann dem nach, was man Heimat nennt, aufmerksam gleichermaßen für das Wetter, das Milieu, das Ungesagte.
Die Behausungen des Menschlichen erkundet auch die titelgebende Geschichte. Die Ich-Erzählerin lässt sich ein zum Verkauf stehendes Haus zeigen: eben jenes, in dem ihre gerade in der Scheidung steckende Ehe stattfand. Der sie durch die Räume führt, weiß davon nichts – und erregt sich über ein paar Handabdrücke in der Wand. „Albern, oder? Was meinen Sie, was so ein Quadratmeter frischer Lehmputz kostet. Und dann drücken die – Vater, Mutter, Baby – ihre Pfoten da rein! Für die Ewigkeit wahrscheinlich. Aber die ist ja nun auch vorbei.“
Auf der Dachterrasse stapft die Frau in Socken durch den hohen Schnee, ein paar Rehe im Blick, die durch das Packeis am Strand stöbern – die Schuhe musste sie unten ausziehen, wegen des neuen Bodens. Noch einmal hinterlässt sie Abdrücke: „‚Na bitte, jetzt haben Sie nasse Strümpfe gekriegt!’ Kopfschüttelnd zeigte er auf meine Füße. ‚Da sieht man schön Ihre Spuren im Haus.’“
Solchen unheimlichen Zufällen und heimlichen Konstellationen hat sich Ralf Rothmann mit seinem elliptisch verdichteten Erzählen schon immer angenommen: Ereignisse, Begegnungen, Entscheidungen, die – obwohl sie auf den ersten Blick so ganz und gar alltäglich scheinen – ein Leben verändern können, weil sie Verborgenes belichten und an die großen Themen wie Freiheit, Tod oder Sexualität rühren. In „Rehe am Meer“ aber ist es deutlicher als in seinen bisherigen Werken die Sprache, die er dafür in die Pflicht nimmt.
So kehren auch in „Willst du Nudeln“ die Worte wieder: Zweimal fällt der titelgebende Satz in dieser Erzählung – einmal sagt ihn einer, der nun tot ist, das andre Mal ein Klemptner, der sich ungefragt und rührig um die Hinterbliebene kümmert. „Tausend Mönche“ wiederum berichtet von Zweien, die sich stets verlesen. Aus der banalen Kleintransporter-Aufschrift „Ofenabriß“ wird in des Mannes und des Mädchens Augen das Wort „Offenbarung“. So buchstäblich und makellos durchdringen sich Profanes und Metaphysisches nur, wenn Ralf Rothmann davon schreibt. Denn er ist einer der berührendsten Gnostiker der Gegenwart.

Ralf Rothmann: Rehe am Meer. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006. 213 Seiten, 19,90 Euro.

Das meint der doch nicht ernst!
Aus: Der Bund, 16.10.2006
Wolf Haas schreibt keinen Liebesroman, redet aber ein Buch lang über ihn
Eine gute Unterhaltung: Ein Autor namens Wolf Haas und eine “Literaturbeilage” deuten, besprechen und kritisieren ein Werk, das es nicht gibt.

Liebesroman, Liebesroman, Liebesroman – immer wieder stach einem dieses Etikett in den Vorankündigungen des neuen Buches von Wolf Haas ins Auge. Haas war bislang durch schräg schlaue Krimis aufgefallen, seine 2003 abgeschlossene Hexalogie über den austro-sarkastischen Privatdetektiv Brenner gehört wohl zu den bekanntesten Geheimtipps. Und nun also das: Selbst der Klappentext von „Das Wetter vor 15 Jahren“ wagt es scheinbar treudoof, die ach so schlichte Vokabel „Liebesroman“ in den Mund zu nehmen. Das kann der Haas doch nicht ernst meinen! Doch, doch. Allerdings ganz anders, als man dachte.
Wolf Haas hat dem Literaturbetrieb ein Kuckucksei ins traute Nest gelegt. Nicht, dass er zu faul zum Brüten wäre, im Gegenteil; denn eigentlich hat er gleich zwei Bücher in einem geschrieben. Das eine handelt von Vittorio Kowalski, dessen unvergessener Jugendurlaubsliebe Anni, dem Wetter der vergangenen 15 Jahre in einem österreichischen Urlaubsort, einer Luftmatratze, die bestialisch stinkt und einem finalen Knall. Das Problem dieses Romans: Er existiert nicht. Dafür handelt das Buch namens „Das Wetter vor 15 Jahren“ von nichts anderem. Darin nämlich unterhalten sich ein gewisser „Wolf Haas“ und eine gewisse „Literaturbeilage“, die gerne „würklich“ und „ürgendwie“ sagt, über diesen Liebesroman von Haas, den es gar nicht gibt und somit also doch irgendwie gibt. So imaginär zumindest. Ab und an wird daraus zitiert, auch von ersten Rezensionen ist die Rede.
Eine wunderbare Unterhaltung: Wenn die „Literaturbeilage“ kritisch sein will, bemängelt sie eine Stelle als „too much“, wenn sie intelligent sein will, spricht sie über Phallus-Symbolik und Atem-Metaphorik; über kleine Anerkennungsgesten vom Herrn Künstler freut sie sich immer. Ein nicht arg böser, teilweise sogar liebevoller Seitenhieb auf den Jargon und das Gebaren einer Branche, die desöfteren mehr in den Buchstaben findet, als der Schriftsteller sich dabei gedacht hat. Ähnlich sympathisch aber mit Macken hat Haas sein Selbstporträt skizziert.
„Autoren beklagen sich ja oft bitter darüber, dass in der Zeitung schon vorab die ganze Handlung verraten wird“, meint die Literaturbeilage bald am Anfang des Gesprächs. Und Wolf Haas antwortet: „Deshalb schreibe ich keine Krimis mehr. Da stört es ein bisschen, wenn man vorher schon alles weiss. Aber bei normalen Büchern sehe ich es eher als Hilfe. Als Teamarbeit. Klappentext und Kritiker erzählen vorab die Geschichte, und als Autor kann man sich auf das Kleingedruckte konzentrieren.“ Zu unserem Glück hat Wolf Haas noch nie „normale Bücher“ geschrieben und sich immer schon aufs Kleingedruckte konzentriert. Nur puzzelt der Leser eben diesmal nicht die Indizien eines Mordfalls zusammen, sondern die einer rührend romantischen und tragisch komischen Liebesgeschichte. Der Leser als Detektiv – auf der Spur eines Autors, der wieder einmal mit einfach grosser Geste zeigt, dass ein wenig Hinterfotzigkeit der Literatur nur gut tut.

Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren. Hoffmann und Campe, Hamburg 2006. 224 Seiten, 33,50SFr

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