Man liest ja so herum im Netz und macht sich seine Gedanken, mehr oder weniger:

“Vorne musste offensiver spielen, aber hinten auf jeden Fall dicht machen, damit du keinen reingewürgt bekommst.” So oder ähnlich funktionierten damals in der Pubertät Taktikgespräche für die nächste Beziehungsschlacht. Zumindest auf diesem Gebiet sei die Fußball-Metaphorik ad acta gelegt, aber in anderen Bereichen macht es ja durchaus Sinn, dem Fußball eine größere Bedeutung zuzuschreiben, als er eigentlicht hat und haben sollte. In der geschätzten Jungle World, die gerade ihren zehnten Geburtstag feiert, wird Eine politische Geschichte des deutschen Fußballs der vergangenen zehn Jahre versucht. Neue Erkenntnisse, viel Politik? Naja, eher Fußball-Historie mit zwei, drei Schlenkern, aber spannend trotzdem all die Irrungen und Wirrungen in Erinnerung gerufen zu bekommen.

Wenn man selbst regelmäßig mit seinen Freunden im Park kickt und gelegentlich in Biergarten-Gesprächen das eigene und das offizielle Sportgeschehen Revue passieren lässt, dann kam man in den letzten Wochen um ein Thema wirklich nicht herum: Was würde EPO bewirken? Und: Ist der Kerl, der jeden Sonntag wieder laufen kann wie ein Stier, stundenlang und ohne Anzeichen von Erschöpfung, eigentlich sauber? Tobias Hürter wagte einen Selbstversuch in Sachen EPO-Doping und schreibt darüber hier in der ZEIT.

Schwenk zum E-Sport: Zum Thema Ego-Shooter mag man ja wirklich nichts mehr sagen. Zwei Fronten, seit einer Ewigkeit keinerlei Bewegung in der Diskussion. Und dann kommen ab und an doch kleine Mosaik-Steinchen dazu, die zu denken geben. Das Pentagon veranstaltete am Unabhängigkeitstag einen hochdotierten Wettbewerb in Sachen Killerspiele. Man habe Probleme mit dem Nachschub von Rekruten, schreibt Florian Rötzer in einem Artikel zum Thema, der schon seit ein paar Tagen online ist. Deshalb wolle man das Image der Streitkräfte ein wenig aufhübschen bei den jungen Leuten, ein wenig Realität und Fiktion vermischen oder einfach den Killerinstinkt fördern. Diese Vorstellung ist so scheußlich, dass man fast dazu geneigt ist, einem weltweiten Verbot dieser Spiele zuzustimmen, nur damit diese Widerlinge nicht mehr ganz so simpel für ihr furchtbares Weltbild werben können. Und dabei ist ausgerechnet eines jener Spiele, die in diesem Artikel als besonders schlimm gebrandmarkt werden, unter meinen Lieblingsspielen.

die interessanten artikel
1. Vom Leben, Schreiben und Sterben des Jörg Fauser erzählt die Neue Zürcher Zeitung
2. Über zwei Comic-Neuerscheinungen jubelt die FAZ
3. Über die Angst der englischen Buchhändler vor dem letzten Harry-Potter-Band berichtet ebenfalls die FAZ

der schöne text
Das Gedicht “wejherowo” von Jan Wagner in der aktuellen Ausgabe des [poet]mag des poetenladens

der erste satz
Stromabwärts von Wien, aber noch lange vor Budapest, durchfließt die Donau ein weites Gebiet aus nichts als Verlassenheit uns Ödnis, in dem sich das Hauptbett des Flusses in unzählige, nach allen Richtungen sich teilende Nebenarme verliert und das angrenzende Land auf viele Meilen hinaus nur aus Sümpfen besteht, überwuchert von einem unüberschaubaren Meer verkrüppelter Weidenbüsche.
Aus Algernon Blackwoods Schauererzählung “Die Weiden” von 1907, die die Kanufahrt zweier Männer donauabwärts erzählt: In den Sümpfen kampieren die beiden auf einer Insel, die Natur zeigt sich von ihrer unheimlichsten und bedrohlichsten Seite – die Weiden rücken näher, das Schlagen eines Gongs duchdringt die Luft, bald fehlt ein Paddel und hat das Boot einen Riss. In der Neuausgabe dieser Erzählung im Verlag Heinrich & Hahn (Ton an! Es zwitschert…) ist auch Blackwoods nüchterner Reisebericht „Eine Kanufahrt auf der Donau“ enthalten – der Moment, dem die vorangehende Erzählung entsprungen ist, ist kaum auszumachen: So also entsteht Literatur.
(Ich habe das Buch für die Berliner Zeitung besprochen – wen´s interessiert: bitte hier entlang!)

der hörtipp
Das Deutschlandradio hat den Bachmannpreisträger Lutz Seiler eben darüber interviewt. Seine Gedichte kann man sich auf lyrikline.org vorlesen lassen.

Muss ich mich jetzt auch noch für Galatasaray interessieren? Das Schicksal der anderen beiden großen Istanbuler Clubs, Beşiktaş und Fenerbahçe, verfolge ich seit einiger Zeit sowieso. Als Beşiktaş letztes Jahr im UEFA-Cup gegen Leverkusen gespielt hat, war ich mir gar nicht so sicher, welcher Mannschaft ich die Daumen drücken soll. Dass Leverkusen ein deutscher Club ist, ist mir vollkommen egal. Auch das ewige Geheule, weil ein paar UEFA-Cup-Startplätze für deutsche Teams verloren gehen könnten, beeindruckt mich nicht weiter. Dann spielen eben weniger mittelmäßige deutsche Mannschaften mit. Nicht schade drum. Wichtiger ist da: Ich kenne das Inönü-Stadion, in dem Beşiktaş spielt. Das Stadion von Leverkusen kenne ich nicht und den Club finde ich spätestens seit dem Weggang von Berbatov stinklangweilig. In das Beşiktaş-Stadion dagegen habe ich mich verliebt. Wenn man vom Taksim über die Cad. Gümüşsuyu kommt und dann hinter den grauen Stadion-Dächern den Bosporus liegen sieht, wie er in der Sonne glitzert und funkelt, dann an den angeblichen Dezibel-Rekord der Fans denkt, dann … Nein, keine Gymnasiasten-Lyrik an dieser Stelle, lieber den Verweis auf ein paar Bilder. Das Stadion ist wunderschön.
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fragt der eine: was ist das netz? sagt der andere: die links sind das netz. fragt der eine: und die menschen? sagt der andere: nichts als lose und verzichtbare knotenpunkte. fragt der eine: daher die eitelkeit? sagt der andere: ja, daher die eitelkeit. fragt der eine: und die paranoia? sagt der andere: vielleicht ist das die kernkompetenz der medien: vor der wirklichkeit angst zu machen. fragt der eine: warum? sagt der andere: damit wir sie auch weiterhin um hilfe bitten.

Eben bekomme ich ein Mail von Johnny Amore: “Es ist vollbracht! Trotz einiger Hindernisse, hürdenhaft übersprungen, ist der *Superhero in Suomi gelandet. Er braucht auch weiterhin Eure Unterstützung! Wir können es nur gemeinsam schaffen!!” Recht hat er: Hier also geht´s zum Blog des *Superheros.

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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
  • Fauser, Jörg | 0 | 25.01.12 @ 8:42 pm | max

    (sorry, bei meinem Konsum grad hat nix andres Platz)

  • Hilfe für junge Talente | 0 | 19.01.12 @ 2:50 pm | max

    Sehr nette FAQ der Schriftstellerin A. L. Kennedy (von der ich zwar nichts gelesen habe bislang…).

  • Unglaublich bieder | 0 | 19.12.11 @ 11:40 am | karl

    “Das dubios finanzierte Haus des Christian Wulff, Bundespräsident, teilt uns etwas über seinen Bewohner mit”, lässt die taz einen Architekten hier erzählen. Die Biederkeit dieser Art Journalismus teilt uns jedoch viel mehr über dessen Macher mit, fürchte ich.

  • Musste auch gesagt werden

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