TV-Tipps zu posten, ist mir eigentlich zu blöd. Aber weil ich es gerade sehe und dieses Thema selten so konsumerabel aufbereitet sein wird wie im Fernsehen, mache ich es trotzdem einmal. Auf dass mich manch einer danach nicht mehr für paranoid hält!
Arte zeigt heute ab 20.40 Uhr verschiedene Dokumentationen zum Thema: Wir werden alle überwacht!

Nachtrag (20.6.): Allmählich bin ich mir sicher: Von arte-Dokumentationen bekommt man Augenkrebs. Sie sehen immer, immer gleich aus: Ein bedeutungsschwangeres Statement wird in die Kamera gesprochen, danach gibt es in ähnlicher Länge Bilder ohne inhaltlichen Wert. Hauptsache, es sieht irgendwie funky aus. Dann kommt das nächste Statement, wieder funky Bilder, Statement, Bilder, Statement, Bilder. Und danach sagt sogar die Oma über den Inhalt: Das war mir vorher klar. Scheußlich, wenn offensichtlich sogar ein Kultursender schon der Überzeugung ist, dass seine Zuschauer höchstens 20 Sekunden konzentriert bei der Sache bleiben können.

Neuer TV-Tipp: arte lieber nicht anschauen! Themen mögen gut sein, die Machart macht blöd.

man hätte es wissen müssen: was die faz dem zeit-interview mit martin walser und günter grass vorab entnommen hatte (s.u.), diente nur dem basteln einer hübschen headline und ist ansonsten eher nebensächlich (da hoffte man wohl wieder einmal auf einen “journalistischen erstschlag”). tatsächlich nämlich ist das ganz und gar kein reißerisches, sondern eben ein ehrliches und so schönes wie interessantes wie unterhaltsames gespräch zweier alt-autoren und zweier literaturkritiker.

bereits im frühjahr ist die wunderbare anthologie “pop seit 1964“ bei kiwi erschienen, hat über 400 seiten, kostet dafür aber nur glatte 15 euro. „pop und literatur – wann immer die beiden aufeinander treffen, knallt es“, beginnt das vorwort der beiden herausgeber eckhard schumacher und kerstin gleba. der band versammelt (wie der titel bereits zart andeutet…) nicht nur die üblichen verdächtigen der neunziger jahre – stuckrad-barre, lottmann und so weiter – sondern vor allem in den frühen jahren so diverse gestalten wie handke, jelinek und fauser, aber natürlich auch fichte, artmann, glaser, dath & meinecke. ein wirklich gute und beeindruckende tat von gleba und schumacher – weil eben nicht nur die einzelnen autoren zur sprache kommen, sondern zudem die hin-und-hers zwischen ihnen lesbar werden. hier geht´s zu einer kritik der taz, hier zu einem podcast der deutschen welle über das buch. wer dann noch nicht genug hat, möge sich den anlässlich des buches enstandenen blogger-sind-auch-popper-text der netzeitung zu gemüte führen.
und wer´s noch rechtzeitig liest: heute abend um acht unterhält sich schumacher im münchner literaturhaus mit moritz von uslar und thomas meinecke über pop, und die kammerspiele- und „shoppen“-schauspielerin anna böger liest zwischendrin auszüge aus „pop seit 1964“.

einmal erging es mir bereits ähnlich: bei meinem praktikum in der medienredaktion der süddeutschen – über drei jahre ist das nun her – stand ich morgens auf, ging in die redaktion, blieb bis sieben oder acht uhr, ging dann nach hause und auch bald ins bett. außerhalb dessen, was ‚in der szene’ geschah, gab´s nix mehr. und jetzt ist das schon wieder so: anstatt bei der netzeitung und bei perlentaucher und der berliner zeitung und so weiter vorbeizuklicken, aktualisiert man nun morgens zuallererst die rss-feeds der blogs und schaut also nicht mehr, was in der welt passiert ist, sondern wer gerade mit wem und wer gerade gegen wen ist in der blogosphäre. und steckt da irgendwann so dicke drin, dass man seine freunde plötzlich mit begriffen ohrfeigt, von denen die absolut keine ahnung haben.
so geht das nicht weiter. deswegen gelobe ich mindestens eine woche ohne meta-blogging und überhaupt eine drastische einschränkung der unverständlichkeiten für unbedarfte, dafür eine rückkehr des blicks nach außen – wozu blogs ja eigentlich auch gut sein sollen (für andere meinung: bitte sich der kommentarfunktion zu bedienen). denn dieses sich-immer-tiefer-hineinzirkeln bringt niemanden was – nicht dir, nicht mir, nicht der – ja: demokratie.
dafür bringt das was fürs hirn:
1. im freitag schreibt der schriftsteller leander scholz – sein letztes buch “fünfzehn falsche sekunden“ fand ich ganz wunderbar, der stephan maus allerdings nicht (was immer zu lesen lohnt) – “vom verschwinden des volkes“, untertitel: „Europa ist ein Staat, der wie ein Staat handelt, ohne ein Staat zu sein“.
2. im dwdl-medienmagazin findet sich eine schöne zusammenfassung der größten dummheiten & idiotien deutscher tv-zeitschriften, von „jetzt noch aktueller“ über „den „tv guide“ bis hin zu „exklusiv in tv14“.
3. in der wochenendausgabe der neuen zürcher zeitung (wenn man sie mal als altbacken anerkannt hat, ist sie die wunderbarste zeitung von welt!) findet sich wie immer das literatur-und-kunst-spezial, das mal besser und mal schlechter ist. diesmal ist es wunderbar – sowohl wegen des themas als auch der autoren. thema sind die fünfziger jahre, es schreiben unter anderem hans magnus enzensberg (kennt jeder) über “die falschen fünfziger”, barbara vinken (sollte man kennen) über “die rundungen der sanduhr” und david gugerli (sollte man sich merken: ein technik-historiker, immer interessant) über “morgenrot des mängelwesen”.
und nun gute nacht, ihr da draußen an den empfangsgeräten.

Ob die Welt das wirklich braucht? Will man wirklich wissen, wie das Biergarten-Debüt von Mark van Bommel gelaufen ist oder ob die Miss FC Bayern des Monats April Kickboxen betreibt und eigentlich auf Football steht? Solche Fragen stelle sich der echte Fan erst gar nicht, wenn er sich die Video-Schnipsel auf dem neuen YouTube-Channel des FC Bayern München anschaut! Da ist natürlich alles wichtig! Der Content kommt aus dem vereinseigenen FCB.tv. Da werden dann Homestories, Interviews, kurze Trainingseindrücke oder ähnlich Weltbewegendes gezeigt. Fans dürfen eigene Videos hochladen und kommentieren, wie super sie den Club, das Portal und überhaupt finden. Herr Hoeneß wird sich freuen, dass manch einer schon nach Untertiteln ruft. Schließlich sei man ja international.

“Dies ist ein weiteres wichtiges Standbein innerhalb unseres Medien-Portfolios und unserer Internet-Strategie”, meint Herr Rummenigge auf Focus Online. Ein weiteres Standbein dieser Strategie: Spielausschnitte wird es auf dem Video-Channel wohl trotzdem nicht zu sehen geben. Das wirklich Interessante muss nämlich Geld kosten. Das ist klar, standbeinmäßig.

(via popkulturjunkie)

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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
  • Fauser, Jörg | 0 | 25.01.12 @ 8:42 pm | max

    (sorry, bei meinem Konsum grad hat nix andres Platz)

  • Hilfe für junge Talente | 0 | 19.01.12 @ 2:50 pm | max

    Sehr nette FAQ der Schriftstellerin A. L. Kennedy (von der ich zwar nichts gelesen habe bislang…).

  • Unglaublich bieder | 0 | 19.12.11 @ 11:40 am | karl

    “Das dubios finanzierte Haus des Christian Wulff, Bundespräsident, teilt uns etwas über seinen Bewohner mit”, lässt die taz einen Architekten hier erzählen. Die Biederkeit dieser Art Journalismus teilt uns jedoch viel mehr über dessen Macher mit, fürchte ich.

  • Musste auch gesagt werden

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