ich wusste gar nicht, dass die beiden eine freundschaft verbindet – aber ohnehin tut das nichts zur sache. immerhin ließen sich der günter grass und der martin walser nun gemeinsam von der zeit interviewen (wie die faz berichtet) und nahmen dabei – in sachen elke heidenreich – kein blatt vor den mund. grass spricht von “dummheit und unverschämtheit”, walser geriert sich nicht minder getroffen. erzürnt scheinen die beiden wegen heidenreichs ausspruch, die arbeiten der beiden seien “ekelhafte altmännerliteratur”. ich mag die heidenreich und ihr “lesen!” ebenfalls nicht, weil der titel schlichtweg eine lüge ist, ihre sendung richtet sich tatsächlich vor allem an nicht-literarisch-interessierte, sondern herzschmerz-buchstaben-konsumenten, i.e. eric-emmanuel-schmitt- und paul-coelho-fans. mit “altmännerliteratur” trifft sie die sache allerdings durchaus auf den punkt (ist ja per se auch nix schlechtes bei). und ja: manchmal kann man das schon ein bisschen eklig finden. “tod eines kritikers” z.b. – brrr…
Köpfe einziehen und beten – mehr kann man jetzt gar nicht mehr machen! Lothar Matthäus ist wieder auf Jobsuche, weil Trapattoni wohl nicht mehr so recht mit ihm konnte. Deshalb hat man Matthäus heute bei Red Bull Salzburg vor die Tür gesetzt, was diesen Club ja beinahe schon wieder ein bisschen sympathisch macht. Vereinsschädigende Äußerungen, andere Auffassungen vom Fußball – so lauten wohl die Gründe. Laut kicker war Matthäus bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Angeblich mag ihn ein reicher Mensch zu Beitar Jerusalem locken. Und wieder kann man nur beten, dass das so schnell wie möglich passiert.
Ich kann mir nämlich schon denken, was spätestens übermorgen passiert: Er will wieder Nachfolger von Ottmar Hitzfeld beim FC Bayern werden. Und weil ihn hoffentlich, hoffentlich niemand fragen wird, wird er sich wieder selbst in Gespräch bringen, wie schon tausende Male zuvor, zuletzt erst im Februar 2007 (nachzulesen zum Beispiel hier bei sportgate oder hier im Forum von soccer-fans.de).
Hoffentlich ist das nur ein Witz von Uli Hoeneß, wenn er meint, die Greenkeeper-Sache sei ausgeräumt. Und selbst wenn die Sache tatsächlich ausgeräumt sein sollte, dann denkt Hoeneß hoffentlich nicht im Traum daran … Nein, daran darf ich gar nicht denken. Falls er doch, dann soll er bitte, bitte z.B. diesen Text aus der FAS lesen. Da sind die Großtaten des Herrn Matthäus der letzten Zeit zwar noch gar nicht drin, aber schlimm genug! Weiterbeten! Alle zusammen!
Ich mag es ja wirklich, wenn ich beim Lesen noch etwas lerne. Ich wage sogar zu behaupten, ich lese oft genug genau zu diesem Zweck. Und manchmal wird man tatsächlich eiskalt erwischt von einem Schauer der Erkenntnis. Vollkommen überwältigt hat mich Folgendes und wieder bin ich der netzeitung.de sehr dankbar, dass sie mir einmal mehr geholfen hat beim Verstehen dieser undurchschaubaren Welt:

Quelle: netzeitung.de
Naiv wie ich bin, dachte ich bisher immer, es gehe um Liebe auf diesen Messen und um Erotik mit Samt und Kerzen und Schaumbad und so. Und dass es einen Zusammenhang zwischen Sex und Geldvermehrung gibt, war zumindest für mich so neu, dass man ruhig “Topnews” oder – ganz im Stile von Spiegel Online – “Eilmeldung” darüber schreiben hätte können.
Sibylle Berg, die ich eigentlich immer recht gerne lese, schreibt jetzt regelmäßig in der Readers Edition eine Kolumne namens Bergbriefe. In besagter Sex-Sells-Kolumne über die Schweizer Extasia 04 weiß sie aber gar nicht so viel Neues. Die meisten Gäste seien Männer und peinlich, die Frauen sähen so aus, wie es sich die Peinlichen wünschten. Und überhaupt erscheint der Autorin das Menschsein, von einer Erotikmesse aus betrachtet, eher übel und traurig. Naja, wird sie schon recht haben – oder gehabt haben. Wirklich aktuell scheinen diese Kolumnen in der Readers Edition nämlich nicht zu sein. Wie ich in einer einschlägigen Schweizer Boulevard-Zeitung recherchieren konnte, war die Extasia 04 tatsächlich 2004. Dieses Jahr gibt es die Extasia 07. Soweit die “Kulturnews”.
Würd ja nix machen bei guten Texten, deshalb fällt mir hier noch ein älterer ein zum Thema: “Shuttle-Bus von Sodom nach Gomorra”. Stephan Maus hat den mal für die SZ geschrieben. Lesen kann man ihn hier auf der Homepage des Autors. Er schrieb damals über die Venus 2003. Ich glaube fast – nein, nach nochmaligem Lesen bin ich mir eigentlich sicher: Es ging wohl bereits 2003 ums Geld auf diesen Erotikmessen. Vielleicht gehe ich mal selber hin, um die allerletzten Zweifel auszuräumen.
Nachtrag um 15.40 Uhr, weil Super-Idee: Ich werde dann auch einen Text über Erotikmessen schreiben, weil heutzutage ja alles ganz anders sein könnte. Vorher kann man sowas ja nicht wissen! Aber ich weiß schon vorher, wie ich den Text nennen werde. Achtung, jetzt kommt’s! Tata! “Sex sells 2.0″ Absoluter Wahnsinn, oder? Sage da noch einer, er verstünde mehr vom Zeitgeist als ich …
Das G8-Theater ist zwar mittlerweile vorbei, aber auf den allerschönsten Kommentar von allen zu diesem Thema möchte ich doch noch hinweisen, weil ich ihn gerade erst entdeckt habe.
Bietet der Sport nicht immer wieder die wunderbarsten Erklärungsmodelle für unser aller Leben, möchte ich da glatt ganz schwülstig fragen. In diesem Fall ist es der Schachsport: Matt auf G8
ja, es gibt noch eine welt jenseits des zweitens-magazins. hier ein ausschnitt davon:
norbert bolz spricht mit dem handelsblatt über web 2.0 – norbert bolz halt… keine ahnung, wie es dem immer wieder gelingt, die medien mit allerweltsweisheiten zuzupflastern – allerdings ist dieses interview absolut in ordnung. auch weil er dinge sagt wie: “Ich habe das Gefühl, der Teufel hext uns die Zeit ab.”
zeit-online über “orwell im netz”: “Mit simpler Bannerwerbung fing alles an. Mittlerweile spähen Konzerne und Marketingagenturen Internet-Surfer als potenzielle Kunden regelrecht aus – mit immer raffinierteren Methoden. Dagegen kann man sich aber schützen…”
charlotte roche und gert scobel machen zusammen eine sendung – im tv erst des nächstens am 15., online bereits am 14. um 20 uhr. thema: wie viel rausch darf sein? wohl für den einen oder anderen nicht ganz uninteressant…
thierry chervel über die klage der faz und der sz gegen den perlentaucher: “Der Ton in der Berufungsinstanz ist merklich schärfer geworden…”
sabine vogel in der berliner zeitung über die neue protestkultur: “Seifenblasen konterkarieren das staatsmännische Textgeblubber, die Ordnungsmacht steht einer Spaßguerilla gegenüber, die sich mit kreativer Ironie und demonstrativ harmlosem Dadaismus bewaffnet hat…”
das upload-magazin zieht eine erste bilanz nach ausgabe nummer eins: “Viele Links, über 350 angemeldete Leser, eine technische Panne, ein ungelöstes Rätsel und erste Ideen für die nächste Ausgabe…”
