oh je: so viele pdf-magazine streunen also durch das internet – und vermutlich sind das noch längst nicht alle, da täglich ja ein paar dazu kommen, wie wir wissen.
… entlockt der moderator jakob schiefer seinen gesprächspartnern in der zehnminütigen radio-talk-show “buch heute”. zum beispiel: dass man, um hörspielsprecher zu werden, erst einmal auf partys, in soaps und neben wichtigen leuten zu erscheinen hat. oder: dass im kommenden jahr nur ein einziges buch in deutschland erscheinen wird. ein witz? ja, aber ein wunderbarer! wer´s nicht glauben will, soll hören: das gespräch mit der “hörbuch-päpstin anna-maria sterkowski-bahlsen” gibt´s hier, den durchschnittsroman erläutert dr. menzel, seines zeichens vorsitzender der “börsengemenschaft literatur ag”, hier. und da die projekt-übersicht plus vorschau auf die kommenden großen taten & themen.
nicht mein buch. ganz und gar nicht. deswegen liegt es seit viel zu vielen wochen schon vorwurfsvoll auf dem schreibtisch: die liebe sabine vogel von der berliner zeitung wartet auf eine besprechung davon. und mir graut´s. weil die gerstenberg zwar gar nicht schlecht schreiben kann, aber wie fast alle ihre leipziger kommilitonen schwer an diesem pathos trägt, das aus nichts anderem als heißer luft besteht. diese sie-sah-sie-dachte-sie-tat-literatur geht mir langsam wirklich auf die nerven, was denken die sich eigentlich dabei? denken die sich überhaupt etwas dabei? was wollen die erzählen? ich kapier´s nicht. zudem erinnert mich das andauernd an nenas hübsch naives “hast du etwas zeit für mich, dann singe ich ein lied für dich”, aber das waren eben die 80er, da war das noch ok! gerstenberg jedenfalls hat – “solche geschenke” besteht aus 14 luftballons – nicht allzuviel zu erzählen, sondern faktiziert stattdessen bedeutungsschwanger durch die gegend. wohl in der hoffnung, dass sich die leser in dieser feier des ach-so-lakonischen (dies wort gehört ohnehin verboten) wiedererkennen, weil sie ebenfalls seit jahren in dem wissen leben, dass sie viel ‘tiefer’ sind und fühlen, als die welt es ihnen zugesteht und ihr umfeld es je ahnen würde. dass just das der größte beschiss seit der erfindung des subjekts ist, übersieht franziska gerstenberg völlig. deswegen gefällt mir das nicht. und deswegen stand drei wochen gar nix in dem gerstenberg.doc, seit zwei wochen steht da immerhin der erste absatz – den ich auch ganz gerne mag – doch nun sitze ich wieder dumm davor. to be continued ist wohl nur ein anderer begriff für den writers block.
vor ein paar tagen habe ich versucht, diesen artikel zu kommentieren, nur leider ist mein kommentar bislang nicht erschienen. nun muss ich natürlich davon ausgehen, dass er dem autor des zugehörigen artikels nicht gepasst hat (ich schwöre: „langsam nervt´s“ war die einzige ausfälligkeit, ansonsten war er absolut nüchtern formuliert. doch berichtigte er eben einige der falschaussagen von f!xmbr). was mich nur erneut darin bestätigt, dass diejenigen, die am lautesten nach aufklärung schreien, weil sie hier und da und dort verschwörungen vermuten, am freimütigsten zensieren – und sich also zuallererst selbst der verschwörung schuldig machen. weiß man das, werden die kommentare wertlos – da sie auf einer auswahl beruhen, die von objektivität nichts wissen will. natürlich darf ein blogger das, nur schade ist es halt, schließlich liest man blogs gerade auch deswegen: um eine diskussion zu verfolgen, um andere meinungen als die des verfassers zu erfahren, um noch mehr informationen zu sammeln, um die eigenen ansichten gegenebenfalls zu revidieren oder zumindest zu erweitern. und um andere blogs kennenzulernen natürlich. weil das so ist, gibt es natürlich eine menge hohle kommentare, die mit dem satz „finde ich auch“ nichts weiter als werbung für den eigenen blog machen wollen. über dieses „re-stating the obvious“ hat sich sven schon vor längerem recht schön ausgelassen.
tatsächlich sind das immer einzelfall-entscheidungen. täglich löscht man ein paar spam-comments, wir hier haben bislang nur einen wohl wirklich ernst gemeinten kommentar entfernt, weil er ohne name und emailadresse hinterlassen war, und das finde ich nunmal so unhöflich wie unanständig. allerdings geht das nicht allen so: über den artikel “anonyme hetzer und spinner“ haben sich einige ziemlich aufgeregt, weil sie ihn als aufruf zur rechte-beschneidung empfanden, ich finde ihn gar nicht so falsch. obwohl er natürlich am kernproblem nichts ändert, da viele es nicht einmal für nötig befinden, ihre hetze und spinnerei zu anonymisieren.
vor allem für tageszeitungen ist das ein relatives problem, da die nicht so schnell wie blogs reagieren können – tragisch vor allem deswegen, da diese bühne ja doch eine nochmal deutlich größere ist als die der blogs. karl hat das hier ja bereits dokumentiert – in sachen faz und el masri – auch stefan niggemeier hat´s – in sachen welt – versucht und musste die kommentare aber leider bald wieder schließen, weil es zu direkten drohungen kam. bleibt einem nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass die räudigen köter nur bellen und das beißen längst verlernt haben.
nachtrag um kurz vor eins: sehe eben, dass heute auch thomas knüwer in seinem handelsblatt-blog “indiskretion ehrensache” über das kommentar-problem schreibt. er prophezeit eine ungestörte Vermehrung der Brüllaffen – schön zu lesen!
in die “aufzeichnungen, die dem durcheinander in meinem kopf entsprechen” von franz schuh namens “schwere vorwürfe, schmutzige wäsche” kann man hier hineinhören – vom autor selbst gelesen natürlich.
