wer es irgendwie schafft, sollte sich am mittwoch, den 13.6., sigrid behrens anhören, wenn sie in der münchner seidlvilla aus ihrem buch “diskrete momente” liest. behrens porträtiert darin die bewohner eines mietshauses, indem sie sie anspricht, in ihre köpfe dringt, gleichsam zwiegespräche mit deren bewusstsein führt. zudem gehört sigrid behrens zu den autoren, die das lesen sehr eindrucksvoll beherrschen. und wer mir jetzt nicht glaubt: hanser hat sowohl eine leseprobe (pdf) als auch eine hörprobe (mp3) online gestellt. zwei kurze rezension des buches finden sich zudem hier (taz) und hier (nzz)

… noch zwei links in sachen computer und dessen historie.
zum einen: kara swisher und walt mossberg, die macher von all things digital, haben auf der d5-konferenz steve jobs und bill gates gemeinsam vor eine kamera bekommen (das erste mal seit 10 jahren) und 90 minuten lang interviewt. die sieben teile des recht unterhaltsamen films kann man sich auf der all-things-digital-website anschauen.
zum anderen: die absolut wunderbare website don´t click.it erzählt von und experimentiert mit dem allgegenwärtigen klick, und das ganz ohne, dass man irgendwohin klicken muss oder auch soll. sehr, sehr schöne seite! (via dr. sno, allerbesten dank dafür!)

aufräumen bringt eben doch etwas. nämlich in dem fall eine ausgabe der konkret vom september 1968 zutage, deren besitz ich beinahe schon vergessen hatte. weil das so wunderschön ist, hier ein scan des titelblatts (klicken fürs lebensgröße-pdf):

konkret_titel_1968_klein.jpg

geschäftsführender redakteur war damals übrigens stefan aust, der heute chef des spiegel ist, den inhalt der oben angeteasten artikel-serie über “die methoden des spiegel” sollte er also kennen. zitat: “selbst die spiegel-story, die sich als journalistische einheit gebärdet, erweist sich [...] als präziser scherbenhaufen im dienste präziser ideologischer und kommerzieller interessen.” jetzt fragt man sich natürlich: hat stefan aust daraus nichts gelernt? oder eben alles? mehr zu dessen ideologischen und kommerziellen interessen erfährt man in diesem taz-artikel sowie dem zugehörigen buch “der spiegel-komplex” von oliver gehrs.

Bisher dachte ich immer, die Menschen, die im Fußball-Stadion so freudig und begeistert die Nationalhymne mitsingen, würden wenigstens den Text davon kennen – wenn sie schon unbedingt die Hymne singen müssen. Die Ähnlichkeit eines Länderspiels mit einer Karaoke-Veranstaltung war mir bisher wirklich nicht so recht klar, aber da läuft ja tatsächlich auf den Videoleinwänden der Text der Hymne mit, passend zur Musik zum Mitsingen.

Ob mich das in meiner Hymnen- und Fahnenskepsis jetzt beruhigen oder mir Angst machen sollte, weiß ich nicht. Einerseits beruhigen: So wichtig scheint das den Menschen gar nicht zu sein, wenn sie keine zwei Minuten Zeit haben, um den Text zu lernen. Warum singen sie die Hymne dann? Wahrscheinlich, weil sie jeder singt. Das ist dann wieder das Beängstigende daran. Wieder einmal: Komische Welt. Fragen über Fragen. In diesem Sinne: Brüh im Lichte dieses Glückes …

etwas verspätet, aber offenbar doch noch nicht ganz durchgedrungen (oder interessiert das gar niemanden?): die 18 kandidaten für das 31. klagenfurter wettlesen stehen fest. sie heißen: jörg albrecht, martin becker, christian bernhardt, jan böttcher, andrea grill, björn kern, peterlicht, jagoda marinic, milena oda, kurt oesterle, ronald reng, silke scheuermann, fridolin schley, jochen schmidt, lutz seiler, thomas stangl, michael stavaric und dieter zwicky. ja, richtig gelesen: nur vier frauen sind diesmal dabei, eine tatsächlich mehr als miese quote (nicht einmal 25%!).
ein teil dieser autorInnen ist mir zugegebenermaßen überhaupt kein begriff, andere dagegen verehre ich sehr, dass ich gar nicht weiß, für wen ich da die daumen drücken soll. hilft ja ohnehin meist nix…
dennoch: meine persönlichen favoriten sind thomas stangl und michael stavaric, und die kann ich getrost so nebeneinander stellen, denn die machen tatsächlich völlig unterschiedliche sachen. die beiden wunderbaren stavaric-romane “stillborn” und “terminifera” habe ich für die berliner zeitung besprochen, hier “stillborn”, hier “terminifera”. meine kritik von stangls neuestem werk “ihre musik” hat die stuttgarter zeitung leider nicht auf ihrer seite – zum glück habe ich sie ja hier bereits gepostet. schwer beeindruckt hat mich auch stangls erstling “der einzige ort”, der die reisen zweier entdecker des 19. jahrhunderts nach timbuktu ineinander schneidet (mit dem bewusstsein und seinen fehlenden rändern hat er´s ohnehin) – selten hält man so ein buch in händen, das man gar nicht langsam genug lesen kann.
von einigen der anderen autoren kann man auch ein wenig online lesen oder zumindest etwas mehr über sie erfahren, deswegen hier die entsprechenden links zu jörg albrechts schöner seite fotofixautomat, zu christian bernhardts seite, auf der man auch etwas anhören kann; dann zu peterlichts homepage und einem porträt von ihm bei laut.de; hier wiederum geht´s zu milena oda und hier zu kurt oesterle. dann kann man noch jochen schmidts wunderbares blog schmidt liest proust nachlesen (mittlerweile ist er damit fertig) oder seine seite bei der chaussee der enthusiasten besuchen, deren mitbegründer schmidt ist.
bestimmt findet sich auch zu den anderen autoren einiges im netz, das werde ich in den nächsten tagenoderwochen nachtragen, da dieser post nun ohnehin schon lang genug andauert. bis dahin, fürs erste und weitere sei die autorenliste auf der bachmannpreissite empfohlen.

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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
  • Fauser, Jörg | 0 | 25.01.12 @ 8:42 pm | max

    (sorry, bei meinem Konsum grad hat nix andres Platz)

  • Hilfe für junge Talente | 0 | 19.01.12 @ 2:50 pm | max

    Sehr nette FAQ der Schriftstellerin A. L. Kennedy (von der ich zwar nichts gelesen habe bislang…).

  • Unglaublich bieder | 0 | 19.12.11 @ 11:40 am | karl

    “Das dubios finanzierte Haus des Christian Wulff, Bundespräsident, teilt uns etwas über seinen Bewohner mit”, lässt die taz einen Architekten hier erzählen. Die Biederkeit dieser Art Journalismus teilt uns jedoch viel mehr über dessen Macher mit, fürchte ich.

  • Musste auch gesagt werden

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