Über keine Regel im Fußball wird soviel gestritten wie über das Abseits. Ich werde diese Regel jetzt hier nicht wiederholen. Die letzte große Änderung gab es 2005, als festgeschrieben wurde, dass ein Spieler aktiv ins Spielgeschehen eingreifen muss, um strafbar im Abseits zu stehen. Anfangs ging es da um rechte Wortglaubereien, was “ins Spiel eingreifen” genau bedeutet. Kurz nach der Regeländerung etwa wurde während des Confederations Cups erst Abseits gepfiffen, nachdem ein Spieler tatsächlich den Ball berührt hat, egal ob das Abseits schon zu Beginn eines 30-Meter-Sprints zu erkennen war oder nicht. Das war natürlich Blödsinn und wurde einigermaßen schnell korrigiert. Jetzt wird gepfiffen, wenn der Eingriff ins Spiel bereits absehbar ist. Seitdem funktioniert die Abseitsregel bei aller Unschärfe gut, wie ich finde, auch wenn alle fünf Tage irgendjemand daherkommt und im schlimmsten Fall dafür plädiert, die Abseitsregel komplett abzuschaffen, was – bei aller Liebe – von vollkommener Ahnungslosigkeit, mindestens aber Ignoranz gegenüber den grundlegenden Prinzipien des Spiels zeugt.

Äußerst lesenswert zum Thema und der eigentliche Grund meines Eintrags ist der im Guardian in der Kolumne “The Question” erschienene Text Why is the modern offside law a work of genius? von Jonathan Wilson. Wilson erläutert darin die Geschichte der Abseitsregel und erklärt, warum die die heutige Variante mit den schönsten Fußball ermöglicht, der je gespielt wurde. Überhaupt sollte man Wilsons Kolumne regelmäßig lesen, wenn man sich für Fußball jenseits von Stammtisch und Schulnoten für Spieler interessiert. Falls man jetzt Blut geleckt hat und die ganze Packung braucht: Wilson hat außerdem ein brilliantes Buch geschrieben, über das ich eigentlich schon längst etwas schreiben wollte. Es heißt: Inverting The Pyramid: The History of Football Tactics und sollte eigentlich mindestens Pflicht im Schulunterricht werden. In zwei Monaten beginnt die WM! Ich mein’ ja nur …

Zu diesem Eintrag gibt es 3 Kommentare.

  1. Slu
    19 Apr 10
    21:47

    Angefressen ob Deines Dümpelns in der Bedeutungslosigkeit der Managerliga?

  2. karl
    20 Apr 10
    09:30

    Warum? Wirkt das so? Bin eigentlich recht zufrieden mit der Liga-Rückrunde. Anders als die Hertha hab ich die prekäre Situation erkannt, rechtzeitig die Reißleine gezogen und mich von ein paar Obertröten getrennt, die sich offensichtlich nicht mit dem Team identifiziert haben. Oder hast du etwa Reformvorschläge für die Abseitsregel?

  3. Ben
    20 Apr 10
    17:17

    Ich stimme in allen Punkten zu. Die neuen Abseitsregeln sind klug und kommen dem Spielfluss zugute. Aber die Mehrzahl der Regeländerungen seit den 80ern Jahren waren eigentlich sinnvoll – wenn wir halt nur diese saudumme Golden/Silver-Goal-Phase nicht gehabt hätten.

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