Schuld an der Niederlage von Borussia Dortmund in Hannover ist der Behaviorismus. Das hört sich kompliziert an und das ist es leider auch. Wer den modernen Fußball begreifen will, der darf nicht einfach Tore addieren, der darf nicht einfach Zweikampfstatistiken führen oder Übersteiger zählen, der darf sich heutzutage nicht auf simple Statistiken und Spielanalysen verlassen. Wer den modernen Fußball begreifen will, muss die Psyche berücksichtigen. Und jetzt wird es kompliziert, an dieser Stelle braucht man den Behaviorismus. Auf einen einfachen Nenner gebracht ist der Behaviorismus diese Sache mit dem positiven oder negativen Feedback. Das kann man beispielsweise zu Erziehunsgzwecken einsetzen, nach dem Motto: Wenn du schön brav bist, dann bekommst du ein Schleckerl. Wenn du böse bist, dann gibt’s ein paar aufs Maul. Zwar raten Experten heute dringlichst von diesem Konzept ab – die menschliche Psyche gilt heutzutage als komplexer und Hauen darf man sowieso nicht –, aber ganz aus der Welt ist dieses Konzept dennoch nicht, was sicher mit seiner simplen Wenn-Dann-Logik zu tun hat.

Borussia Dortmunds Abteilung für Volks- und Presseerziehung – moderne Vereine haben heutzutage Abteilungen für alles – hat versucht, dieses etwas angestaubte pädagogische Konzept im Fußball-Zirkus anzuwenden. Ab dem dritten Spieltag wurden die Medien für ihren Ungehorsam mit einem Presseboykott bestraft. Dieser Boykott dauerte bis zum vergangenen Mittwoch nach dem Pokalspiel gegen die Eintracht, dann wollte man wieder mit der Presse reden. Nur: Auf einmal wollte die Presse nicht mehr! Sie war zickig! Sie hat ihrerseits einen Presseboykott über Dortmund bis zum Ende des Spiels gegen Hannover verhängt. Das ist das Kreuz mit dem Behaviorismus. Wenn er nicht funktioniert, dann wird es bitter. Auf einmal fand sich die Borussia in der Position eines Lehrers wieder, der vor seiner Klasse steht und feststellen muss, dass seine pädagogischen Bemühungen nicht nur nichts, sondern vielmehr das Gegenteil bewirkt haben. So etwas führt zu Frust, zu schlaflosen Nächten, zum Burnout, zu schwerwiegenden psychischen Problemen. So kann kein Mensch vernünftig Fußball spielen, dann verliert man eben Spiele. Das dürfte jedem einleuchten.

Und dennoch muss nicht gleich jegliche Pädagogik über Bord geworfen werden. Lehrreich ist die Geschichte nämlich allemal: Zwar fehlten die O-Töne von Dortmunder Spielern, aber Berichte über die Spiele der Borussia gab es natürlich trotzdem. Vielleicht wurde darin mehr Wert auf die Zweikämpfe gelegt oder auf die Spielanalyse. Vielleicht ging es einfach mehr um Fußball als um Befindlichkeiten. Das ist zwar vielleicht nicht so modern, aber dafür könnte man sich diese albernen psychologisierenden Erklärungsversuche einschließlich Behaviorismus dann auch schenken.

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