Heute geht es um den berühmten Sack Reis in China. Damit hat es eine seltsame Bewandtnis. Er ist berühmt, weil er ständig umfällt. Aber es interessiert trotz seiner Berühmtheit niemanden. Er fällt ja angeblich ständig um. Niemand schert sich darum. Und doch ist diese Darstellung bösartig verkürzt. Ein paar Menschen fluchen und ärgern sich nämlich schon. Mühsam kehren sie den Ertrag harter Arbeit wieder zusammen, füllen die Körner zurück in den Sack und richten ihn wieder auf. Hilft ja nichts, es muss weitergehen.

In der vergangenen Woche ist im Fußball wieder so ein Sack Reis umgefallen, sollte man zumindest meinen. Der Trainer von Real Madrid, Bernd Schuster, hat vor dem Championsleague-Spiel gegen Werder Bremen einen Satz geäußert, der äußerst banal ist und deshalb nicht weiter interessieren sollte. Schuster sagte, der Bremer Spielmacher sei ein sehr interessanter Spieler. Tja, wer wagt da noch zu widersprechen? Natürlich niemand. Man sollte sofort erwidern: Erzähle es deiner Großmutter, das wissen wir schon längst! Und außerdem: Mal eine Frage! Welchen interessanten Spieler findet Real eigentlich nicht interessant? Vor kurzem haben sie Wesley Sneijder verpflichet, sicherlich einen interessanten Spieler. Zum Saisonbeginn hieß es für kurze Zeit, Real sei an Rafael van der Vaart interessiert. Ein ganz interressanter Spieler, dieser Van der Vaart. Real ist an Kaka interessiert, an Ballack, an Gott und der Welt, solange man dort nur jemandem ein Mikrophon unter die Nase hält. Wieso sollte sich da überhaupt irgendjemand noch dafür interessieren?

Die Vereine, die ihr Konzept um diese interessanten Spieler gebaut haben, haben natürlich keine andere Wahl. Die Fans fangen an sich um ihre Lieblinge zu sorgen, die Presse stellt Fragen, der betroffene Spieler, der Trainer und das Management müssen sich wohl oder übel dazu äußern. Manch einer wird schon anfangen zu rechnen, wie hoch das Schmerzensgeld sein müsse, um einen Weggang zu verkraften. Es geht drunter und drüber und man merkt: Wenn in Madrid ein Sack Reis umfällt, dann wird das andernorts zu einem Erdbeben. Deswegen wirft man dort reihenweise Säcke um und findet jeden interessanten Spieler interessant. Die Scherereien haben ja die anderen. Werder Bremen jedoch hat im konkreten Fall Diego Vorsorge betrieben. Laut Sportdirektor Allofs gab es schon seit Wochen Gespräche zwischen dem Spieler und dem Management. Am Samstag vor der Bundesligapartie gegen den VfB Stuttgart konnte Bremen dann verkünden: Diego hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert. Bis 2011. Er geht nicht zu Real, zumindest vorerst nicht! Nix da!

Sooo! Durchatmen! Und jetzt zur Häme! Nach so einem Triumph muss das erlaubt sein. Dass Diego ein interessanter Spieler ist, das wissen wir. Er ist sogar einer der größten. Das muss uns niemand sagen. Aber mal eine Frage! Ist Real eigentlich ein interessanter Verein, nur weil er einen Sack Reis nach dem anderen umschmeißt? Da kann Real noch so berühmt sein. Schuster meinte weiter über Diego, man werde sehen, wie weit sein Weg in der Zukunft noch nach oben gehe. Vorerst ist Diego angekommen, schon ganz schön weit oben, schreibe sogar ich als Bayern-Fan und freue mich für Werder.

Schlagwörter:

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.

  1. schlusen
    24 Sep 07
    12:44

    Irgendwie merkwürdig einen Vertrag, der bis 2010 läuft, 2007 vorzeitig bis 2011 zu verlängern. Ein Zeichen setzen, könnte man meinen oder noch mehr Liebling werden wollen oder den einen Schnauzbart dem anderen vorziehen oder einfach nur den Marktwert hochschrauben. Ich kapiere von diesem Geplänkel genau nüscht. Irgendwie kommts dann immer anders. Außer bei Petrik Sander, da hatte ich’s auch erraten.

  2. karl
    25 Sep 07
    08:53

    Wahrscheinlich steigt die Ablöse und die Fans sind erstmal beruhigt. Und 2009 geht Diego dann doch zu Madrid, weil es denen egal ist, ob sie 25 Mio. oder 30 Mio. zahlen. Kapiert kein Mensch. Den Herrn Sander mochte ich irgendwie, der wirkte immer so traurig. Vielleicht holen sie sich ja jetzt Matthäus. Dann lach ich mich kaputt!

  • Musste auch gesagt werden

This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Germany.