Das gestrige Champions-League-Spiel zwischen dem AC Milan und dem FC Bayern war ein miserables Fußballspiel zweier Mannschaften in der Krise. Vor allem in der zweiten Halbzeit, als Milan schon 1:0 führte, sah man vor allem auf Seiten der Bayern Fehlpässe zuhauf, weite Bälle ins Nichts, Stoppfehler und Unsicherheiten in der Verteidigung. Und Torchancen hatten weder Makaay noch Podolski. Zwischenzeitlich roch es schon schwer nach einer abermaligen Demütigung für den FC Bayern.

Man darf sich beim unfähigen AC Milan bedanken, dass das Spiel doch noch zu dem wurde, was man als Fußballfan so liebt: ein Drama mit Schurken und Helden, Gemeinheiten und Wiedergutmachungen. Erst der überraschende Ausgleich für die Bayern, dann ein unberechtigter Elfmeter für Milan nach einem wunderschönen Lehrbuch-Tackling von Lucio gegen Kaka wenige Minuten vor Schluss. (Als Zuschauer musste man unweigerlich an all die gekauften Strafstöße der letzten Saison in der italienischen Liga denken. Auch der Moderator konnte sich eine Bemerkung dazu nicht verkneifen, so lächerlich und hilflos, beinahe ferngesteuert, wirkte diese Schiedsrichter-Entscheidung.) Als van Buyten dann doch noch den Ball in der 93. Minute aus spitzem Winkel zum Ausgleich ins Mailänder Tor drosch, war das, mal wieder, die Vollendung einer Dramaturgie, die es so nur im Fußball gibt: Ein Tor zum Ausgleich egalisiert sämtliche Ungerechtigkeiten und mischt die Karten neu. Als ob sich das Schicksal nach irgendeinem göttlichen Plan gewendet, als ob sich Zufälle und Millimeter-Entscheidungen zu einem großen Ganzen zusammengefügt hätten. Lächerlich natürlich, aber man weiß ja, es funktioniert jedes Mal wieder. Erst mit einigem Abstand ist so ein Tor einfach nur ein Tor, zufällig, eigentlich belanglos. Und dann fällt einem vielleicht auch wieder ein, dass Milan zuvor ein reguläres Tor aberkannt wurde.

Nebenbei: Wer präsentiert denn eigentlich die Champions-League?

Zu diesem Eintrag gibt es 3 Kommentare.

  1. crk
    17 Apr 07
    10:46

    Selten, dass ich den Bayern die Daumen drücke. Aber warum gerade Milan? Das Kapital siegt immer, ehrlichen Fußball gibt es stattdessen in der Oberliga. Demnächst folgt an dieser Stelle eine Reportage von der Adolf-Jäger-Kampfbahn in der Kriegstraße. Dort spielen die Proletarier noch als rot-schwarze Front.

  2. karl
    17 Apr 07
    13:21

    Diese Hansestadt scheint mir noch mehr linke Kaderschmiede zu sein als unsere allseits geliebte Hauptstadt :) Ja, hast recht das Kapital wird siegen: Chelsea, Manchester, Milan. Irgendwie auch schon wurscht, wer von denen. Ist Liverpool mittlerweile eigentlich auch schon in Milliardärshand oder ist das nur geplant? Und sowas aus Bayern-Sicht sagen zu müssen, ist ja die eigentliche Katastrophe.

    Ehrlichen Fußball gibt’s nur aufm Bolzplatz. So schaut’s nämlich aus.

  3. crk
    17 Apr 07
    14:49

    Jawoll

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