Wann fängt denn jetzt endlich das TORHÜTERDUELL an? Nur noch sieben Wochen bis zur EM und von einem Duell nichts in Sicht und das, obwohl die deutsche Nationalmannschaft derzeit, wenn man es genau nimmt, gar keinen Keeper hat, zumindest keinen, der den vor der WM 2006 so viel beschworenen Kriterien entspricht.

Damals hatte man einen der besten Torhüter der Welt, “unsere 1A”, wie sie Oliver Kahn damals nannten, als Stamm-Torhüter, dicht gefolgt von Jens Lehmann, “unserer 1B”. Dann hieß es Duell, irgendwas mit “Leistung, Leistung, Leistung” oder “Top-Leistung” und dann hatte aus für die meisten Menschen kaum wirklich nachvollziehbaren Gründen die 1B plötzlich “das Näschen ein Stück vorn” und wurde zur “Nummer 1″. Als gemeiner Fan muss man ja auch nicht nachvollziehen, wie ein Bundestrainer entscheidet, auch wenn sich manch einer, ich zum Beispiel, vielleicht ein wenig über die schäbige Art gewundert haben mag, über diese Lippenbekenntnisse zu Kahn monatelang, um dann doch im letzten möglichen Moment durchzusetzen, was eigentlich von Anfang an, mit der Ausrufung des Tortwartduells, klar war: nämlich Jens Lehmann ins Tor zu stellen. War ja inhaltlich keine falsche Entscheidung, beide Torhüter spielten auf Weltklasse-Niveau, hatten internationale Erfahrung, Spielpraxis. Nur einer kann spielen. Also. Es ging ja um “Leistung, Leistung, Top-Leistung”.

Und jetzt: Lehmann spielt bei Arsenal nur noch äußerst sporadisch, sein Trainer Arsene Wenger nimmt ihn, wie es aussieht, kein Stück weit mehr Ernst, in den wenigen Länderspieleinsätzen, etwa gegen Österreich, war er alles andere als überzeugend, dauernd reisst er den Mund auf und gibt Blödsinn von sich und trotzdem hat er auf einmal diese viel besungene Nase nicht nur ein kleines Stückchen, sondern so dermaßen weit vorne, dass einem ein Robert Enke wirklich leid tun muss. Denn das ewige Mantra “Leistung, Leistung, Leistung” ist wohl nicht mehr das Kriterium. Jetzt gilt auf einmal die “internationale Erfahrung”. Auch die viel beschworene “Spielpraxis” ist daneben keinen Pfifferling mehr wert. Internationale Erfahrung ist jetzt das Allerwichtigste. Armer Robert Enke.

Lehmann wird bei der EM spielen. Alles andere wäre ein Wunder, wenn nicht gar dumm – sieben Wochen vor der EM. Seltsam nur, dass es immer irgendein Kriterium dafür gibt, warum Lehmann spielen muss. Das Kriterium scheint da äußerst flexibel zu sein. Das war 2006 so, trotz großem Schein-Duell, und das ist jetzt so, wo man andere Torhüter von vorne herein ausschließen kann aufgrund der auf Lehmann gemünzten Gewichtung der Kriterien.

Ach ja, ich kann’s mir einfach nicht verkneifen: Spielpraxis, internationale Erfahrung und “Top-Leistung” garantiert zur Zeit witzigerweise eigentlich nur einer, nämlich Oliver Kahn. Aber der geht dann zum Golfen.

Nachtrag (19.04.): Als kleine Ergänzung: Heute erzählt Christian Wörns in der SZ seine Version über die Kader-Zusammenstellung vor der WM 2006 und seine Ausbootung. Unter anderem sagt er: “Da wurde nach außen hin immer davon gesprochen, dass es nur nach Leistungskriterien geht. Im Verein hatte ich die Saison komplett durchgespielt. Außer Per Mertesacker hat damals sonst keiner der Innenverteidiger im Verein gespielt. Klinsmann hat dann allerdings einen Innenverteidiger nominiert (Christoph Metzelder, Anm. d. Redaktion) , der in Dortmund aus Leistungsgründen nicht gespielt hat. Es ist genau diese Art der Heuchelei, die ich als ungerecht empfand.” und etwas später: “Aber von Konkurrenzkampf und Leistungsprinzip zu sprechen, obwohl alles längst intern abgemacht ist, ist unsportlich und gehört sich nicht.”

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