Das Privat-Fernsehen könnte einem manchmal wirklich leid tun. Könnte. Wie soll auch eine vernünftige Sendung herauskommen, wenn das einzig Wichtige an einem Programm die Werbung zwischen, während, im schlimmsten Fall anstatt der Inhalte ist?

Wenn es Boxen nicht gäbe, würde es sicher bald erfunden von gewitzten Werbestrategen und gefeiert als das beste Werbekonzept seit Menschengedenken. Praktischer geht es ja kaum noch: Nach drei Minuten Kampf kann man eine Minute Werbung zeigen, zielgruppengerecht und immergleich: Bier, Anti-Falten-Mittel für Männer um die Vierzig, Bier. Die Werbepausen sind jeweils so kurz, dass man lieber nicht hin und her schaltet. Schließlich möchte man ja nichts vom Kampf verpassen, wenn man sich das alles schon antut. Nach der Sendung erinnert man sich an eine Werbe-Dauerschleife und sonst kaum noch etwas. Wenn der Kampf dann tatsächlich so uninteressant ist wie die künstlich hochgejubelte Revanche gestern Abend zwischen Klitschko und Brewster, ist es tatsächlich gar nicht mal so schlimm, auf Wiederholungen sportlicher Höhepunkte verzichten zu müssen. Schon in der ersten Runde war zu erkennen, dass Klitschko seinen Gegner allein mit seiner linken Führhand aufarbeiten und seine gefürchtete Rechte kaum brauchen würde. Nach der sechsten Runde war der Kampf aus. Brewsters Trainer McGirt nahm seinen sichtlich angeschlagenen Boxer aus dem Kampf. Wohlgemerkt: NACH der sechsten Runde, was soviel heißt wie IN der RTL-Werbepause: Bier, Anti-Falten-Creme, Bier. Als der Sender wieder live in die Köln-Arena schaltete, war alles schon vorbei, Klitschko jubelte und der RTL-Reporter musste mühsam die Geschehnisse während der Werbepause erläutern.

Eine mordspompöse Inszenierung, Vorberichte aus dem Training, Interviews und Trara und dann ein so dermaßen kleinlautes Ende. Um den Sport geht es bei RTL einfach nicht. Eine gewisse Schadensfreude kann ich mir da kaum verkneifen. Saublöd, wenn der Sport dann nicht so will wie die Werbestrategie. Aber wahrscheinlich geht es auch beim Boxen gar nicht um den Sport.

PS: Ja, über Fernsehwerbung darf man sich immer noch aufregen. Es ist eine Zumutung. Wer das Gefühl hat, das schon einmal gelesen zu haben … Stimmt. Hier auf diesem Blog. Es ist ja immer das Gleiche bei RTL. Nebenbei: Von welcher Firma wurde der Box-Abend gestern noch einmal präsentiert? Ich habe es vergessen.

Zu diesem Eintrag gibt es 1 Kommentar.

  1. tschoe
    12 Jul 07
    08:55

    Na aber auf jeden Fall war unser aller Münchner Mobilfunkriese an Bord. Denn bei der zeitlupen-zähen Kamerafahrt in die Senkrechte, die, glaube ich, in jeder Runde Richtung Hallendach abging, war ja nur noch das Firmenlogo am Boden zu erkennen und nichts mehr vom Kampf. Da hatte RTL schon Glück, dass es nicht zu einem entscheidenden Schlag kam. Da hätten sie dann nämlich schon vor der sechsten Rundenpause ganz schön alt ausgesehen.

  • Musste auch gesagt werden

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