Neuseeland, Gruppe F

von Ben Strack-Zimmermann

Nach 28 Jahren ist man mal wieder bei einer WM dabei. Der Wechsel der Qualifikationsgruppe von Australien in den Asienraum hat sich also sofort ausgezahlt für die Neuseeländer. Während man gegen Fiji, Taka-Tukaland und Lummerland doch ziemlich sicher durchmarschiert ist, war es in den Play-Offs gegen den Bahrain dann aber doch sehr eng. Die Sportnation Neuseeland guckt also mal wieder im Weltfußball vorbei, und möglicherweise können die Kiwifans für ein paar Wochen im Sommer sogar überzeugend so tun, als ob sie dieser fremdartige Sport mit den seltsam niedrigen Torstangen auch nur für fünf Pfennige interessieren würde. Wir wissen, obwohl die Auftritte bei Confederation Cups und verschiedenen Olympiaden eigentlich ganz ordentlich waren, was wir von den “All Whites” während der WM zu erwarten haben: die sympathischst-versoffenen weiblichen Fans auf diesem Erdball und – auf sportlicher Seite – drei Niederlagen mit einer Menge Gegentore. Neuseeland ist viel zu bieder für die moderne Fußballzeit, technisch ungefähr auf dem Niveau von Nordirland, aber nur, wenn deren Spieler mit offenen Schnürsenkeln spielen würden. Kämpferherz ja, Enthusiasmus auch jede Menge, Aussagen zu Qualität oder Technik sollte man jedoch mit heftigem Räuspern überdecken.

Stars
Abwehrchef Ryan Nelsen von den Blackburn Rovers ist ein richtig Guter, was schön für das Team ist, da um ihn herum eher die Staksigkeit agiert. Chris Killen sitzt bei Celtic Glasgow wenigstens auf einer renommierten Bank. Im letzten Jahr hat man dann doch noch einige interessante Spieler mit neuseeländischen Wurzeln für den Dienst in der Nationalmannschaft gewinnen können. So bringen Rory Fallon und Kris Bright im Sturm doch noch ein wenig zusätzliche Qualität.

Talente
Michael McGlinchey war vor ein paar Jahren mal Jugendnationalspieler für Schottland, und der jüngste Celtic-Spieler aller Zeiten. Dann aber hörte man nichts mehr von ihm bis zu seinem Wechsel nach Australien. Bei den Central Coast Mariners hat er voll eingeschlagen. Er bringt die dringend benötigte Geschwindigkeit ins neuseeländische Mittelfeld. Ein viel versprechendes Sturmtalent ist Chris Wood von West Bromwich.

Tipp
Für kein anderes Team war die Auslosung so uninteressant wie für Neuseeland: Man ist praktisch gegen jeden Gegner immer der Außenseiter. Unterm Strich ist Neuseeland derzeit bestenfalls eine Mittelklassemannschaft auf englischem Zweitliganiveau. Nach vorne spielt man sehr leicht ausrechenbar und hinten ist man anfällig. Großes Glück hatte man, dass es in den entscheidenden Qualifikationsspielen gegen die Defensivspezialisten aus Bahrain ging, die gerne das Tempo verschleppen und somit schon eine Art Idealgegner sind. Solche Gegner wird es bei der WM nicht geben. Deshalb spielt man wohl primär für Fleißkärtchen und hofft auf gute Kopfnoten im Abschlusszeugnis.

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