Frankreich, Gruppe A

von Ben Strack-Zimmermann

Die Geschichte des französischen Fußballs im letzten Jahrzehnt ist wahrlich eine Tragödie von Shakespeareschen Ausmaßen. War man zu Beginn des Millenniums noch der strahlende Meister aller Klassen, der mit beeindruckendem Fußball unsere Seelen erwärmte, ist man seitdem Schritt für Schritt in Richtung Finsternis herabgestiegen. Mit dem Beginn der Ära Domenech, wohl einem der grässlichsten Seitenlinienfatzkes, die die Welt so ertragen muss, begannen die Franzosen schnell, all die angehäuften Sympathien zu verbrauchen. Die hohe Kunst der langweiligen Ballschieberei ohne Raumgewinn gewann die Oberhand, aber man hatte ja immer noch Zidane, der an bessere Zeiten gemahnte, und so verzieh man der Mannschaft das eigentlich schon ziemlich schlimme Rumgestümpere. Es gab ja noch den Hoffnungsschimmer Ribery. Zidane verabschiedete sich dann ja nach einem letzten Tänzchen bei der WM 2006 unrühmlich (Na gut, er hätte keinen Besseren treffen können). Ribery ist entweder verletzt oder nervt mittlerweile zunehmend mit seiner egoistischen, ziemlich brotlosen Spielweise. Der ganze Rest ist sowieso nur noch schrecklich, Fußball zum Davonlaufen, dirigiert von einem offensichtlich größenwahnsinnigen Napoleon, der bei jeder Pressekonferenz den derzeit so angesagten Rumpelstilzchenstil a la van Gaal oder Mourinho fährt, allerdings ohne ansatzweise das taktische Gespür der beiden Genannten zu besitzen. Ein Trauerspiel also, und da passt es ja bestens, dass mit Thierry Henry ausgerechnet ein Überbleibsel aus glorreichen Zeiten die Qualifikation durch miesen Betrug erst ermöglichte, indem er gegen Irland einen glasklaren Maradona hinlegte. Keiner will diese zu Unrecht in Südafrika auflaufende Mannschaft sehen, nicht einmal die Franzosen selber, und so kann man wirklich nur hoffen, dass das Unternehmen Südafrika für die mittlerweile “Petit Nation” genauso in die Hose geht wie die EM vor zwei Jahren. Die Chancen dafür stehen gut, man spielt mittlerweile noch größeren Mist zusammen als damals und muss sich komplett auf die individuellen Fähigkeiten einiger weniger Spieler verlassen.

Stars
Große Namen hat Frankreich immer noch genug, und mit der stark englisch geprägten Verteidigung um William Gallas (Arsenal) und den Außenverteidigern Bacary Sagna (auch Arsenal) und Patrice Evra (Man United) theoretisch ein echtes Bollwerk. Dazu dann noch Eric Abidal vom FC Barcelona – da ist man schon fast versucht, “Oh lala” auszurufen und begeistert mit Milchhörnchen um sich zu werfen. Nur ist das halt auch der einzige Mannschaftsteil, der inzwischen funktioniert, nachdem man zu Beginn der Qualifikation auch hinten noch vogelwild agiert hat. Das liegt daran, dass man im Mittelfeld bis auf Franck Ribery von den Bayern eher auf zweikampfstarke Arbeiter setzt, die gerne hinten mit aushelfen. Jeremy Toulalan von Lyon ist so ein Typ, genauso wie der in Bordeaux spielende Alou Diarra oder Lassana Diarra von Real Madrid. Und so setzt man alle Hoffnungen auf einen weiteren Spieler von Girondins Bordeaux: Yoann Gourcuff. Ganz vorne der schon erwähnte Handballspieler Thierry Henry vom FC Barcelona (An dieser Stelle ist es angebracht, eine Trauerminute für die Iren einzulegen. Ach, es wär so schön gewesen…), dem mit Nicolas Anelka von Chelsea ein weiterer Sympathiebolzen ersten Ranges zur Seite steht. Vielleicht bekommt jedoch auch Pierre-Andre Gignac von Toulouse seine Chance. Wäre doch schön, wenn man nicht alle Offensivkräfte der Franzosen hassen müsste.

Talente
Hier ist an allererster Stelle ein weiterer Spieler der jungen Mannschaft aus Toulouse zu nennen: der athletische und torgefährliche Mittelfeldspieler Moussa Sissoko. Dann natürlich Karim Benzema von Real Madrid für die zentrale Sturmposition und Loic Remy von Nizza als Alternative für die Flügel. Auch Lyon hat sich die Dienste von einem interessanten Mann für die Zukunft gesichert, Aly Cissokho heißt dieser und spielt auf der linken Verteidigerposition.

Tipp
In einer ausgeglichenen Gruppe wird man es mit den giftigen Mexikanern und Uruguayern schwer haben, und ganz abschreiben sollten wir den Gastgeber Südafrika ja auch noch nicht. So wie die Franzosen derzeit auftreten, sind sie ein klarer Kandidat für ein frühes Ausscheiden, was dann solche Fußballexperten wie Johannes B. Vollpfeife als Riesensensation bezeichnen werden. Wäre schön, dann müssten wir den schrecklichen Domenech nicht mehr ertragen und könnten in ein paar Jahren die Franzosen vielleicht auch wieder lieben. Ist ja nicht auszuhalten, wenn man beim Gucken von “Les Bleus” mittlerweile ähnlich düstere Gedanken bekommt, wie wenn man die Italiener ertragen muss.

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Zu diesem Eintrag gibt es 5 Kommentare.

  1. karl
    17 Mrz 10
    13:24

    Mhm, leider hast du recht, aber verdammt! Ich mag Henry trotz Handballeinlage, und ich mag Anelka, und ich mag die Abwehr und Ribery sowieso. So ein Elend! Fällt mir gerade auf, dass ich beide Trikots vom nominell ersten Sturm habe. Das von Anelka ist aber noch aus Fenerbahce-Zeiten, nix Chelsea. Da leg ich Wert drauf.

  2. Da Mingi
    17 Mrz 10
    13:46

    Wartet’s nur ab! Kommt ja alles gern mal anders. Folgendes Szenario: Lyon und Bordeaux kommen in der Schwammerl-Liga richtig weit, Stimmung in Fronkreisch voll superbe, alle haben sich wieder lieb und machen uns den Weltmeister… Zur Not mit der Hand! Mit die Franzosen ist immer zu rechnen… Übrigens, super Idee, das mit der Serie hier! Kann man sich schon mal schön heiss machen! Wann geht’s nochmal los?

  3. Ben
    18 Mrz 10
    12:41

    Seitdem der Anelka sich mal aus Heimweh von seinem Bruder aus Spanien herusschmuggeln lassen wollte, um dann an der Grenze natürlich aufzufliegen, hat er bei mir schon einen veritablen Wackerstein im Bett. Aber als Gesamtkunsterk ist der Mann schon eher schlimm, ein typischer Vertreter des Eitle Fatzke-Boybandspielertypen, immer noch die größte Pest auf den rasen dieser Welt. Ich will die Franzosen wieder lieben können, und hoffe deshalb das Uruguay unsere nachbarn mit der boshaftesten Härte aller Zeiten invalid spielt, und die Mexikaner den Langweilerfußball von Domenech als die blasse Chimäre entlarven, die er ist.

  4. karl
    25 Mrz 10
    18:05

    Ich hab den Anelka zwar immer als Fußball-Söldner gesehen, aber nie als Boybandspielertyp. Dazu wirkt der doch viel zu Psycho und getrieben.

  5. Ben
    27 Mrz 10
    20:57

    Schon so ein Coverboy, aber er sieht halt wnisgtens nicht so puppenhaft aus, das stimmt schon.

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