Portugal, Gruppe G

von Ben Strack-Zimmermann

Portugal war schlimmste Fußballdiaspora, bis ein junger Mann aus Mozambique namens Eusebio die Mannschaft 1966 zu Ruhm und Ehren führte. Danach war man für lange Zeit wenigstens im Vereinsfußball eine Nummer, konnte allerdings bis auf ein kleines Ausrufezeichen bei der EM 84 auf internationaler Ebene nie wieder überzeugen, bis die berühmte “Golden Generation” um Figo, Rui Costa, Paulo Sousa und Co für Furore sorgte. Einen Titel gewann diese güldene Generation nicht, führte Portugal aber nichtsdestotrotz in die höchsten Sphären des Weltfußballs. Und nun? Spielerisch ging es seit dem Abtritt der großen Spieler schon deutlich bergab, dafür hat man derzeit treffsichere Stürmer, woran es bei den goldenen Schönspielern immer mangelte. Die Qualifikation war eine einzige Zitterpartie, man hat sich eindeutig noch nicht gefunden, und auch das in den 80ern und 90ern so vorbildliche Jugendausbildungssystem speit nicht mehr im selben Tempo ein Supertalent nach dem anderen aus, so dass man zunehmend rustikale Handwerker ins System einbauen muss. Es könnte gut sein, dass man dank Cristiano Ronaldo und Liedson unterm Strich gar nicht so viel ungefährlicher ist als noch vor ein paar Jahren. Die einstige spielerische Überlegenheit ist allerdings ziemlich den Bach runter gegangen. Interessanterweise ist Portugal in den letzten Jahren zu einer der unbeliebtesten Mannschaften auf dem Planeten geworden. Nicht ganz nachvollziehbar eigentlich. So viel schrecklicher als Fernando Torres, David Beckham oder Michael Ballack ist der viel gehasste Cristiano Ronaldo ja nun wirklich nicht. Wobei: Er lässt sich schon ganz gut unter diese Pfeifen einreihen … also vielleicht doch hassen? Man weiß es noch nicht genau, würde sich aber schon mal wünschen, dass die Portugiesen etwas landestypischer Fußball spielen würden. Soll heißen, mehr so wie alte, traurige Frauen, die in schwarz gekleidet, wehklagend in engen, nach Fisch riechenden Gassen schwermütig tanzen und singen. Dann klappt es auch mit der Sympathie.

Stars
Der Sturm ist derzeit ganz sicher die Trumpfkarte, mit dem bärenstarken Cristiano Ronaldo (Real Madrid) und dem eingebürgerten Brasilianer Liedson (Sporting) ganz vorne. Simao (Atletico) hingegen zieht es mit zunehmendem Alter immer mehr ins Mittelfeld zurück. Alle drei kommen gerne über die Außenpositionen, während Hugo Almeida (Werder Bremen) und Edinho (Von Malaga an PAOK Saloniki ausgeliehen) eher klassische Mittelstürmer sind. Chef im Mittelfeld ist immer noch der etwas in die Jahre gekommene Deco (Chelsea), neben ihm ragt Raul Meireles (Porto) heraus. Dazu kommen noch die kämpferischen Duda (Malaga) und Tiago (Atletico), sowie der immer noch supergehypte Nani (Man United), bei dem man sich allerdings so langsam fragt, wie gut der eigentlich in WIrklichkeit ist. Hinten steht man ziemlich sicher. Ricardo Carvalho (Chelsea), Bruno Alves (Porto) und auch Pepe (Real Madrid) oder Bosingwa (Chelsea) machen da einen ordentlichen Job. Gute Torhüter hatte Portugal noch nie. Derzeit probiert man es mit Eduardo Carvalho (Sporting Braga). Muss man aber nicht weiter ernst nehmen.

Talente
Wie schon angedeutet kommt die nächste Generation eher zäh in Gang. Fabio Coentrao (Benfica) ist einer für die linke Seite, Orlando Sa (Porto) hat sein Sturmtalent bisher nur angedeutet. Interessanterweise hat man ein echtes Torwarttalent mit Rui Patricio von Sporting Lissabon. Völlig schleierhaft, warum der noch keinen Länderspieleinsatz hat. Aber Trainer Carlos Queiroz wird schon wissen, was er da tut.

Tipp
In einer brutalen Gruppe könnte sogar schon in der Vorrunde Schluss sein. Sowohl Brasilien als auch die Elfenbeinküste sind spielererisch derzeit andere Hausnummern. Selbst wenn es klappen sollte, die Ivorer rauszukegeln, wäre der nächste Gegner dann wohl Spanien. Da kann man dann eigentlich nur noch schwarz sehen. Gut möglich, dass die große Zeit Portugals mit dieser WM abgelaufen ist.

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