Nordkorea, Gruppe G

von Ben Strack-Zimmermann

Nicht nur der Tourismusminister Südafrikas wird wahrscheinlich “Scheiße” gedacht haben, nachdem sich Nordkorea doch ziemlich überraschend für die WM qualifizieren konnte. Verdient war es allerdings allemal: Nordkoreas komplett unansehlicher Steinzeitkommunistensystemfußball war für die meisten Gegner in Asien unüberwindbar. Fanatiker der Fußballtertiärtugenden Disziplin und Ordnung werden an Nordkoreas Kurzpass-Klein-Klein ihre helle Freude haben. Zu kreatives Spiel wird mit Auswechslung oder Arbeitslager bestraft. Zusätzlich schieben die grau gekleideten Funktionäre ihre Mundwinkel noch um zwei Zentimeter weiter nach unten. Wie man gegen internationale Athletik und Spielfreude bestehen will, weiß wohl nur der himmlische Führer, und der scheint es bisher auch nicht weitergesagt zu haben. 1966 war man neben Portugal die große Schau, diesmal wird man ordentlich eine vor den Latz bekommen.



Stars
Bizarrerweise hat man sogar Stars, noch dazu welche die im Ausland spielen. Ein seltsamer Trend hat bei der Qualifikation zur WM 2006 begonnen: Die ersten in Japan aufgewachsenen Spieler fingen an, für Nordkorea zu spielen. Es gibt eine durchaus nennenswerte Minderheit in Japan, die sich Nordkorea zugehörig fühlt und sogar eigene Schulen sowie eine Universität unterhält (alles höchst spannend, sollte man unbedingt nachlesen, der Wikipedia-Artikel über die Chongryon ist ein schöner Einstieg). Aus dem Chongryon-System entstammen sowohl An Yong-Hak als auch Jong Tae-Se. Ersterer ist eine wichtige Figur im Mittelfeld, letzterer ein Stürmer. Beide gehören zu den besten Fußballern Ostasiens, vor allem Jong Tae-Se ist ein richtig Guter. Dazu kommt der in Russland spielende Hong Yong-Jo und Mittelfeldlenker Mun In-Guk. Vor allem unter den Verteidigern gibt es mehrere, die wohl auch im Ausland eine wirklich gute Rolle spielen könnten. Doch wann ein Spieler aus Nordkorea ins Ausland wechseln darf, erscheint bisher völlig willkürlich.



Talente
Wahrscheinlich gibt es gar nicht so wenige Talente, doch wer kennt die schon? Der einzige, der in letzter Zeit wirklich aufgefallen ist, hört auf den Namen Choe Kum-Chol und ist Stürmer. Recht viel mehr weiß man auch über ihn nicht. Nicht einmal bekannt ist der Verein, für den er spielt. Das sagt schon alles darüber, wie abgeschottet halt auch der Fußball in diesem – sagen wir doch, wie es ist – völlig beschissenen Land ist.



Tipp
Das wird nichts, wahrscheinlich scheidet man ähnlich interessant aus wie China im Jahr 2002. Kann sich noch jemand daran erinnern? Auf nordkoreanisch wird das dann heißen: “Die Fußballmannschaft der demokratischen Volksrepublik Korea wurde durch eine imperialistische Verschwörung schamlos betrogen, kann aber hoch erhobenen Hauptes in die glorreiche Heimat zurückkehren, da sie einmal mehr der Welt die Überlegenheit unseres verehrten Staates glanzvoll vor Augen geführt hat. Lang lebe der ewige Präsident Kim Il-Sung, und sein Sohn, unser geliebter Führer Kim Jong-Il!”

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Zu diesem Eintrag gibt es 1 Kommentar.

  1. Ben
    27 Mai 10
    23:12

    Das Internet hat seit dem Verfassen dieses Artikels (War einer der ersten, wahrscheinlich irgendwann im Dezember) dazugelernt, und so wissen wir mittlerweile das Choe Kum-Chol für den Weltverein April 25 spielt. Das ist der dortige Armeesportclub.

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