Algerien, Gruppe C

von Ben Strack-Zimmermann

Die jüngere Geschichte des algerischen Fußballs verhielt sich, wie so oft, fast analog zur jüngeren politischen Geschichte des Landes. Soll heißen: Nach den ziemlich erfolgreichen 80er Jahren (Hier verfängt die politische Analogie nicht ganz, weil die Probleme damals ja schon sichtbar waren, aber immerhin gab es Stabilität) ging mit dem Aufstieg der Islamisten bei der Wahl 1991 und dem folgenden Bürgerkrieg auch fußballerisch alles den Bach runter. Erst in den letzten Jahren konnte man sich langsam erholen, vor allem dank der in Frankreich lebenden Spieler. Natürlich hilft es, dass Algerien allmählich wieder zu sich findet und der Islamismus vorläufig besiegt zu sein scheint. Einen Madjer oder Belloumi hat man zwar noch nicht wieder hervorgebracht, dafür jedoch eine solide Mannschaft, in der die meisten einen Ball durchaus pfleglich zu behandeln wissen. Wenn die gute Grundtechnik mit Leidenschaft ergänzt wird, ist Algerien durchaus in der Lage, die besten afrikanischen Teams zu besiegen, wie man in der spannenden Qualifikation mit dem Triumph über einen der Erzfeinde, namentlich Ägypten, sehen konnte. Das Team wurde seit Jahren aufgebaut, man kennt sich gut und spielt dementsprechend sicher zusammen. Es mangelt aber dann doch an Brillanz. Vor allem fehlt ein echter Torjäger.



Stars
Die besten Leute spielen in der Defensive, wie Abwehrchef Majid Bougherra von den Rangers und Linksverteidiger Nadir Belhadj vom FC Portsmouth. Die Außenpositionen im Mittelfeld sind aus der Bundesliga bekannt: Karim Matmour von den Gladbachern und Karim Ziani, der bei Wolfsburg bisher jedoch eher glücklos wirkt. Wichtigster Mann im Spiel ist allerdings Veteran Yazid Mansouri, der zentral defensiv operiert und seit Jahren als Taktgeber des algerischen Spiels fungiert. Ganz vorne muss es immer noch der Allrounder Rafik Saifi richten, der schon mal ein Guter war. So richtig gefährlich ist das aber alles nicht – und wird es auch nicht, wenn man beispielsweise den etatmäßigen Mittelstürmer Abdelkader Ghezzal vom AC Siena anguckt.



Talente
Fehlanzeige

Tipp
Obwohl Algerien eine eher schwache Gruppe zugelost bekommen hat, wird es sehr schwer werden weiterzukommen. Slowenien könnte man packen, aber die USA oder England scheinen außerhalb der eigenen Reichweite zu sein. Nach der WM wird man neues Blut brauchen, um den algerischen Fußball wieder auf Kurs zu bringen. Vielleicht klappt es ja dann auch mal wieder mit einem neuen Rabah Madjer.

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Zu diesem Eintrag gibt es 1 Kommentar.

  1. slu
    04 Jun 10
    17:58

    Ganz ehrlich: eigentlich ein Skandal, dass die Algerier dabei sind und nicht die wesentlich besseren Ägypter. Das war nix wie Dusel!

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